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«Traumjob» als Schattenmann der Lichtgestalt

Berlin (dpa) - 20.06.2006, 12:28 Uhr

Marcus Höfl ist der persönliche Assistent von OK-Präsident Franz Beckenbauer.
Marcus Höfl ist der persönliche Assistent von OK-Präsident Franz Beckenbauer.

Wo auch immer der schier allgegenwärtige Franz Beckenbauer bei der Fußball-WM auftaucht, ist sein Schattenmann nicht weit. Ob beim Spiel des DFB-Teams in gegen Ecuador, im Helicopter oder abends im Hotel - Marcus Höfl befindet sich stets im Schlepptau des WM-Chefs.

Als «Persönlicher Assistent von Franz Beckenbauer» ist der 32-Jährige verantwortlich für die Logistik der «Kaiser-Tour» zu 48 WM-Spielen. Er koordiniert Termine und Flüge, organisiert den Tagesablauf bis hin zu den Live-Schaltungen des Experten Beckenbauer im ZDF.

«Wir stehen seit dem 1. Juni unter Dauerstrom», sagt Höfl, der trotz Arbeitstagen von bis zu 18 Stunden die WM nicht als Belastung empfindet. «Eigentlich ist die Aufgabe kein Stress. An Franz Beckenbauers Seite stehen und arbeiten zu dürfen, würde ich als Traumjob bezeichnen. Viele würden sicherlich gerne mit mir tauschen.»

Manchmal huscht der schlanke, schwarzhaarige Bayer, den fast nur Insider kennen, kurz durchs Fernsehbild, etwa wenn Beckenbauer die Ehrentribünen der Stadien von München bis Berlin betritt. Der Platz im Hintergrund wird allerdings nicht nur von Höfl bewusst gewählt: «Es dreht sich alles um den Franz. Wir sind austauschbar - er nicht.»

Seit 2003 ist der gelernte Kommunikationswirt der Mann an Beckenbauers Seite. Ein Kontakt bestand aber schon sehr viel länger über Höfls Vater Herbert, der einst für Beckenbauers langjährigen Partner «adidas» arbeitete und als Eisschnellläufer internationale Klasse repräsentierte. «Der Franz kennt mich von Kind auf. Es ist eine lange Verbindung», so Höfl. Vertrauen ist die Basis, auf der die Zusammenarbeit fußt. «Wenn man über 300 Tage im Jahr zusammen verbringt, muss man miteinander umgehen können», sagt der Assistent.


Auch auf Beckenbauers «Welcome-Tour» in die 31 Teilnehmer-Länder war Höfl stets dabei. Die einprägsamste Reise sei die durch Afrika gewesen. «Man sieht etwa die Armut in Angola oder Togo - und trotzdem gibt es dort diese große Fußball-Begeisterung. Das bleibt im Kopf haften.» Oder Südamerika: «Das ist einfach ein Fußball-Kontinent - gigantisch.» Am meisten habe ihn während der Reise um den Globus jedoch beeindruckt, welche Bedeutung seinem Chef in allen Ländern zubemessen werde. «Man hat am Flughafen immer die Situation, dass er erkannt wird. Es gibt, glaube ich, keinen Ort auf der Welt, wo das nicht so ist.»

Ob nachmittags um 16.00 Uhr, oder abends um 21.00 Uhr: Beckenbauer wirkt immer frisch und ausgeglichen, wenn man ihn im Stadion neben Staatspräsidenten, Prinzen oder der Bundeskanzlerin sitzen sieht. «Was mich am meisten an ihm verblüfft, ist seine Gelassenheit und seine Art, alle Menschen gleich zu behandeln. Wenn wir alle um ihn herum schon glauben, dass schaffen wir nicht mehr, strahlt er immer noch Ruhe und Zuvorkommenheit aus», schildert Höfl.

Dieser Charakterzug macht Höfl den Job bisweilen auch schwer. «Bis zu 90 Prozent» aller Anfragen müsse er abblocken: «Es kommt schon vor, dass er jemandem etwas grundsätzlich zusagt, was terminlich dann einfach nicht geht. Er ist eben ein Mensch, der ungern eine Bitte abschlägt.» Aber es gibt auch den Franz Beckenbauer, der impulsiv und aufbrausend sein kann, wie Höfl zugibt: «Hin und wieder explodiert er - aber das muss auch so sein.»

Für die WM muss der wie Beckenbauer in Kitzbühel wohnende Höfl auch private Opfer bringen. Für Lebensgefährtin Marion und den fünf Monate alten Sohn Luca bleibt in diesen Wochen wenig Zeit. Aber Höfl, der als aktiver Kicker in der dritten Liga für Vestenbergsgreuth und Unterhaching spielte, nimmt das gern in Kauf: «Wie oft wird man an einer WM in Deutschland beteiligt sein? Einmal im Leben.»

Das gemeinsame Leben nach der WM wird allerdings kaum ruhiger werden, auch wenn Beckenbauer bereits launig anmerkte, dass er am 10. Juli, dem Tag nach dem Finale, «einfach nach Hause» gehen werde. Der Persönliche Assistent weiß es längst besser: «Der Terminkalender ist bis Weihnachten schon wieder ganz gut gefüllt.»

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