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Respekt und Spott zur WM aus den USA

Washington (dpa) - 20.06.2006, 11:31 Uhr

Zwei Fans demonstrieren den neuen Umgang mit nationalen Symbolen.
Zwei Fans demonstrieren den neuen Umgang mit nationalen Symbolen.

Die Amerikaner wundern sich über die Deutschen. Die US-Presse würdigt eine neue «Lässigkeit» der Deutschen im Umgang mit nationalen Symbolen, spottet aber auch über alte Ängste und Komplexe - und berichtet recht sachlich über die deutsche Neonazi-Diskussion.

Die Fußball-WM in Deutschland lässt die meisten Amerikaner kalt. Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, dass Fußball als «unamerikanischer Kommunistensport» diffamiert wurde. «Amerikaner ist man erst, wenn einen eine Fußball-WM anödet» - die Definition des TV-Stars und gebürtigen Schotten Craig Ferguson kennzeichnet das Verhältnis der Mehrheit der ansonsten sportverrückten US-Bürger zum «Soccer».

Aber auch ohne WM-Fieber ist das Thema Deutschland brandaktuell - nicht nur, weil im Mutterland des Showbusiness jedes gigantische Spektakel Respekt auslöst. Die WM hat eine Diskussion über das moderne Deutschland bewirkt, wie es sie in dieser Intensität seit Jahren nicht mehr gab. «Die deutschen Fahnen wehen wieder als Ausdruck nationalen Stolzes und allgemeiner Ausgelassenheit», schreibt die «New York Times» und schildert die «Unverkrampftheit» der WM-Feiern. Die Deutschen verlören offenbar ihre traditionelle «Verunsicherung über nationale Symbole», meint die «Daily Post».

«Die Deutschen, wegen der Nazi-Zeit eher ängstlich mit dem Zurschaustellen nationalen Stolzes, heften Flaggen an ihre Rucksäcke, Räder und Autos», berichtet die «Los Angeles Times». Die Fußball-WM «unterstreicht, dass die Deutschen sich heute offensichtlich wieder wohler fühlen in ihrer Haut», schreibt das Blatt. «Der neue deutsche Patriotismus definiert sich nicht politisch, sondern kulturell.»

Manche Beiträge mokieren sich über die Deutschen, «die ständig darüber quasseln und dabei ängstlich auf ihren Fingernägeln kauen, ob sie denn ihrem Slogan («Die Welt zu Gast bei Freunden») gerecht werden», schrieb die «Los Angeles Times». Die Angst, «dass etwas schrecklich schief laufen könnte, wenn die ganze Welt zuschaut», mache die Deutschen ganz nervös. «Diese ganze Rassismusdiskussion ist ein einziger Medien-Wahnsinn», hieß es in einem Report des US-Fernsehsenders «Fox».


Die Diskussion über Ausländerhass wurde von den US-Medien in ungewohnter Ausführlichkeit dargestellt. Auch wenn fremdenfeindliche Vorfälle kaum dramatisiert wurden, gab es manch skeptische Töne. Immerhin hat auch das US-Außenministerium Amerikaner offiziell vor möglichen Übergriffen durch Skinheads und Hooligans in Deutschland gewarnt - so etwas hat es für kein anderes europäisches Land bisher gegeben. «Das Potenzial rassistischer Gewalt überschattet den Versuch Deutschlands, der Welt ein kosmopolitisches Image zu vermitteln», kommentierte das «Wall Street Journal».

«USA Today» kritisiert den Endspielort, das Olympiastadion in Berlin, «das es trotz des neuen Aussehens schwer hat, seiner Geschichte als Symbol rassistischer Intoleranz zu entgehen». Neben dem Text steht ein Foto von 1936, das Zuschauer mit großen Hakenkreuz-Fahnen zeigt. «So heftig die Deutschen auch darum ringen, die Vergangenheit zu überwinden, schaffen es manche doch nicht», meinte die konservative Kolumnistin Suzanne Fields nach Darstellung «beschämender Berichte» über «No-Go-Zonen». Um ihren hohen Ansprüchen als Gastgeber gerecht zu werden, «müssen die Deutschen den Rassismus in den Griff bekommen, der eines ihrer Leiden ist», schreibt die «Jewish Times Baltimore».

Der renommierte Publizist Gregory Rodriguez wollte selbst testen, ob es in Deutschland für Fremde gefährlich werden kann. Der in Mexiko geborene Autor mietete sich also einen «provozierend luxuriösen» Mietwagen und fuhr kreuz und quer durch Brandenburg. «Die Kontroverse der Deutschen um No-Go-Gebiete ist absurd», befand er schließlich in der «Los Angeles Times». Er habe nichts Bedrohliches gesehen, «keine Gewalt, keinen bösen Blick, einfach nichts». Die Neonazi-Diskussion der Deutschen belege wohl mehr ihre Neigung, sich «mit Leidenschaft dem Selbstzweifel hinzugeben».

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