Fußball-Ikone Pele besucht in Berlin die Ausstellung «Pelestation - Die Legende in Aktion».
Maradona hüpft als bekanntester Fußball-Fan dieser WM auf der Tribüne herum, Franz Beckenbauer düst als der große Organisator im Hubschrauber von Stadion zu Stadion. Und Pelé? Edson Arantes do Nascimento hat ebenfalls seine Bühne gefunden - als wandelndes Denkmal.
Genau genommen ist der 65 Jahre alte Brasilianer, der weder in der FIFA noch im brasilianischen Fußball-Verband (CBF) ein Amt bekleidet, der König der WM-Touristen. Mit dem kleinen Unterschied, dass «O Rei» nicht fotografiert oder filmt, sondern sich selbst als Sehenswürdigkeit ins Rampenlicht stellt.
Wie jeder gut erzogene Besucher macht Pelé den Gastgebern pausenlos Komplimente. Dafür nützt der dreimalige Weltmeister seine Kolumne in der «Bild am Sonntag» oder eines seiner unzähligen Interviews, die er bisher in Deutschland gab. «Klinsmann macht einen sehr guten Job», sagt er beispielsweise, und: «Ich bin verliebt in diese WM.» Pelé ist außerdem «Special Guest» des ZDF, das ihn stolz präsentiert als «Legende, Mythos und lebendes Denkmal». Bei der großen Summe seiner Äußerungen wirkt vieles beliebig und manches widersprüchlich.
In den vergangenen Monaten jettete Pelé um die Welt und stellte seine neue Biografie («Mein Leben») vor. Pelé war nach seiner Karriere unter anderem Sportminister, jetzt ist er in erster Linie Repräsentant des WM-Sponsors MasterCard und das Logo des Kreditkartenunternehmens klebt an seinem Revers wie einst der Ball an seinem Fuß.
In Brasiliens Nationalteam ist Pelé so beliebt wie der reiche Onkel, der seine Erzählungen immer mit dem Satz beginnt: «Also bei mir war das früher so...» Ronaldo warf er mal einen unseriösen Lebenswandel vor, was der Stürmerstar mit den Worten konterte: «Ich hoffe, dass ich nie so ein alter verbitterter Mann wie er werde, der ausschließlich Unfug erzählt.» Deshalb sind dem Profi von Real Madrid bei dieser WM seine persönlichen Ziele nicht ganz unwichtig: Mit nur einem Treffer könnte er Pelés WM-Bilanz (ebenfalls 12 Tore) übertrumpfen und mit dem erneuten Titelgewinn wäre er wie die Legende drei Mal Weltmeister.
Dass Pelé erklärt hat, auch ein Ronaldinho, der nun wahrlich nicht an Selbstüberschätzung leidet, «muss bei so einem Turnier viel dazulernen» und die WM-Elf von 1970 wäre besser als die jetzige, hat man in der «Seleção» registriert. Nicht vergessen haben auch einige Spieler, dass vor vier Jahren nach dem WM-Endspiel plötzlich Pelé auf dem Rasen stand, der sich vorher bei der Mannschaft kaum hatte blicken lassen. Von solch magischen Momenten hat der bekannteste Fußballer der Welt immer noch nicht genug. Deshalb erinnert sich Pelé gerne an eine Szene von 1974 in Deutschland, als die begehrteste Trophäe ausgetauscht wurde. «Da ging ich mit Uwe Seeler zusammen auf den Platz, und dann gaben sie mir den Jules-Rimet-Pokal für immer, für Brasilien. Das war ein sehr wichtiger Moment.»
In Brasilien wurden mal alle seine 1281 Tore in einen Kinofilm gepackt - ein Kassenschlager war es nicht. In Berlin wird unterhalb des Potsdamer Platzes in einer Ausstellung Pelé gehuldigt. «Peléstation» heißt das Projekt, dass viele WM-Besucher in der Hauptstadt noch nicht entdeckt haben. Als ihn die «Berliner Zeitung», die ihn aus diesem Anlass interviewen durfte, zur extremen Vermarktung des Fußballs in diesen Tagen fragte, sagte er: «Das gehört zur Demokratie. Alle Sportarten sind heute sehr kommerziell. So leben die Menschen.»
Der «Jahrhundertfußballer» hat sich eingerichtet in der Fünf-Sterne-Suite seiner Popularität. «In welchem Jahrhundert», erinnerte kürzlich Kabarettist Harald Schmidt beim Thema Pelé, «leben wir eigentlich?»