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Verkrampfter Podolski wehrt sich gegen Angriffe

Berlin (dpa) - 19.06.2006, 15:36 Uhr

Lukas Podolski gibt in Berlin fleißig Autogramme.
Lukas Podolski gibt in Berlin fleißig Autogramme.

Für einen kurzen Augenblick verlor Lukas Podolski sein typisches Lächeln. Der deutsche Shootingstar spürte den ungewohnten Gegenwind nach seinen ersten beiden WM-Spielen ohne Torerfolg.

«Daraus eine Diskussion zu machen, das ist nicht fair, das ist nicht okay», beschwerte sich der Jungstürmer am Tag vor dem Gruppen-Endspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador. Kritiker und sogar Mitspieler hatten Podolski übertriebenen Ehrgeiz und taktische Mängel aufgezeigt, die Schlagzeilen waren groß. Und der Kölner Junge selbst, der ab der neuen Saison für den nationalen Branchenprimus Bayern München spielt, gestand: «Ich weiß auch, dass ich besser spielen kann.»

Alle im Lager der Nationalmannschaft bemühten sich die Wogen zu glätten. Bundestrainer Jürgen Klinsmann diktierte den Journalisten in der offiziellen Abschluss-Pressekonferenz zum Ecuador-Spiel in die Blöcke, an Podolski sei «eigentlich gar nichts» zu bemängeln. «Er macht die Arbeit für die Mannschaft, Miroslav Klose führt ihn. Wir wissen um seine Qualitäten, die werden im Verlauf des Turniers noch zum Tragen kommen», betonte Klinsmann, der Podolski beim Abgang vom DFB-Podium demonstrativ abklatschte. Und Sturmpartner Klose, sieben Jahre älter und 30 Länderspiele erfahrener als der Neu- Bayer, versicherte: «Wir haben absolut keinen Krach. Ich habe nur gesagt, dass Lukas etwas verkrampft ist.»

Interpretationen von Kloses Äußerungen über Podolski hatten eine öffentliche Debatte über eine mögliche Formkrise ausgelöst. Vielleicht habe er sich zu sehr unter Druck gesetzt, er wolle alles auf einmal, er müsse mehr aus der Bewegung kommen, «Poldi» müsse sich schon unterordnen, hatte der deutsche Angriffsführer Klose geäußert. Dass daraus ein Konflikt abgeleitet wurde, ließ der Bundesliga-Toptorjäger nicht zu: «Das war eine positive Kritik, alle wollen ihm helfen.» Klinsmann verriet, dass die sportliche Leitung in den vergangenen Tagen viel mit Podolski gesprochen hat. «Er weiß, dass er bei uns Rückhalt hat. Wir sagen ihm immer wieder: 'Mach dir nicht so viele Gedanken.' Wenn er seine Chancen bekommt, wird er sie nutzen», betonte der Bundestrainer.

Auf den eigentlich stets fröhlichen Podolski ist in den vergangenen Tagen eine Menge eingestürzt. Erst das Tauziehen um seinen Wechsel von Köln nach München, dann das besondere Spiel gegen sein Geburtsland Polen, schließlich der für ihn unbekannte Druck eines WM-Turniers: «Ich bin 21 Jahre. Ich muss mich daran gewöhnen und ich werde mich daran gewöhnen», bemerkte Podolski, der auch an einer anderen Front um seinen Ruf kämpft. Per Unterlassungsklage geht der Jungstar über seine Anwälte gegen den Radiosender EinsLive vor, der unter dem Titel «Lukas' Tagebuch» täglich eine satirische Imitation von Podolski ausstrahlt.


«Das geht unter die Gürtellinie», wehrte sich der Profi und bekam auch Unterstützung vom DFB. Unter dem Deckmantel der Comedy, so der Verband, werde der Spieler beleidigt und verletzt. Podolski gibt der ARD derzeit keine Interviews mehr, weil EinsLive zur Sendegruppe des Westdeutschen Rundfunks (WDR) gehört, redaktionell arbeitet der Sender aber unabhängig von der ARD.

«Ich hoffe, dass er schon gegen Ecuador sportlich eine Antwort geben wird», sagte Klose und machte damit Podolski Mut. Dass sein Sturmpartner möglicherweise eine kleine Pause verordnet bekommt, damit rechnet der Bremer nicht: «Ich gehe davon aus, dass wir beide anfangen.»

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