Notizen von der Fußball-WM
19.06.2006, 14:59 Uhr
Eine typische schweizer Kuhglocke.
KRIEGERISCH: Die Fußballer von Trinidad und Tobago werden wohl nicht Weltmeister werden, aber sie haben bei der WM bereits einen Erfolg sicher. In ihrer Heimat wurde eine Fähre zu Ehren der Nationalelf, der so genannten «Soca Warriors», umbenannt. Das Schiff heißt jetzt «The Warrior Spirit» (Geist der Krieger). «Nach den Leistungen unserer Mannschaft hätten wir keinen besseren Namen finden können», sagte Arbeitsminister Colm Imbert nach Angaben der Zeitung «The Trinidad Guardian». VERSPÄTUNG: Für 27 deutsche Marinesoldaten begann die Fußball-WM mit zehn Tagen Verspätung: Die Besatzung des U-Bootes U 32 kehrte nach dreimonatigem Mittelmeer-Einsatz in die Heimat zurück. Das Boot legte nach Marineangaben am Montag im ostfriesischen Emden an. «Über Fernschreiber kamen nur die wichtigsten Details und Ergebnisse ins Boot. Platz zum Fernsehgucken gibt es dort nicht», sagte der Sprecher der U-Boot-Flotille Eckernförde, Walter Prüß. MÄNNERGARTEN: Fußball-genervte Frauen in Hamburg können ihre Männer während der WM in einem so genannten Männergarten «abgeben». Dabei handelt es sich um ein Restaurant, in dem die Männer WM-Spiele sehen können und eine warme Mahlzeit sowie zwei Bier bekommen. Außerdem stehen Workshops eines Baumarkts, Wettkämpfe und Spiele auf dem Programm. Die Frauen können derweil in Ruhe shoppen gehen.
NACHBARNLIEBE, FEHLENDE: Tschechische Fußball-Anhänger sind sauer auf die deutschen Stadionbesucher in Köln. Die Mehrheit der deutschen Fußballfans hatte bei der 0:2-Niederlage der Tschechen für den Außenseiter aus Ghana gejubelt. «Warum tut ihr das?», fragte ein Anhänger der tschechischen Nationalmannschaft. «Wir sind doch eure Nachbarn.» KUHGLOCKEN: Die Schweizer Fans konnten erleichtert aufatmen. Der Fußball-Weltverband FIFA erteilte ihnen nach Angaben der Dortmunder Polizei die Erlaubnis, zum Spiel gegen Togo am Montag die landestypischen Kuhglocken ins Stadion mitzunehmen. |
AUSSENSEITER: Der Verkauf von Fan-Shirts großer Fußball-Nationen wie Brasilien, Frankreich und Deutschland stellt sich in Münster als Flop heraus. «Die Klassiker laufen gar nicht», sagte ein Ladenbesitzer. Stattdessen seien Shirts der Außenseiter wie Togo, Ghana, Iran und Elfenbeinküste so gefragt, dass er sie schon mehrmals nachbestellen musste. Der Verkäufer spekuliert auf einen steigenden Absatz der Klassiker im weiteren Verlauf der WM. ROLLENWECHSEL: Bora Milutinovic hat schon fünf Weltmeisterschaften miterlebt, aber Zuschauer war er noch nie. «Dies ist das erste Mal, dass ich mir die Spiele in Ruhe anschauen kann, ohne Angst um meine Mannschaft haben zu müssen», sagte der aus Serbien stammende Trainer. Milutinovic ist der einzige Coach der Fußballgeschichte, der mit fünf verschiedenen Teams - Mexiko, Costa Rica, USA, Nigeria und China - an WM-Endrunden teilnahm. «Ich hatte ganz vergessen, was für ein Vergnügen die WM sein kann.» Aber immer nur Zuschauen will der in Mexiko lebende Trainer auch nicht: «Vielleicht sitze ich beim nächsten Mal wieder auf der Trainerbank.» SOUVENIR: Australiens Mittelfeldspieler Jason Culina war nach dem 0:2 gegen Brasilien nicht nur stolz auf die Leistung seines Teams gegen den Weltmeister. «Stellt euch vor», sagte der Profi vom PSV Eindhoven zu den Journalisten, «Ronaldinho kam nach dem Spiel zu mir und fragte mich nach meinem Trikot. Das fand ich schon toll.» DAUMENDRÜCKER: Vincent Böll, Sohn von Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, drückt beim Spiel Deutschland gegen Ecuador dem Team aus seiner Wahlheimat in Südamerika die Daumen. Der 56-Jährige ist mit einer Ecuadorianerin verheiratet und arbeitet in der Hauptstadt Quito als Architekt. Er selbst sei eigentlich kein großer Fußball-Fan, nun schalte er aber bei jeder Gelegenheit den Fernseher an, sagt er. Sein Vater sei auch eher ein Fußball-Muffel gewesen. «Das höchste der Gefühle war, dass er sich mal ab und zu ein Spiel des 1. FC Köln angeschaut hat.» FUSSBALLVERRÜCKT: Ein fußballverrücktes Paar in Münster will seinen am 10. Juli erwarteten Nachwuchs nach dem ersten deutschen Torschützen im WM-Finale benennen - vorausgesetzt das Team von Jürgen Klinsmann gelangt ins Endspiel. Sollte das Baby einen Tag früher - also zum Finale am 9. Juli - zur Welt kommen, werde ein Fernseher im Kreißsaal parat stehen, sagt der künftige Vater. «Das haben wir mit den Ärzten geregelt, um nichts zu verpassen.» FLAGGE: Ghana hat sich dafür entschuldigt, dass Nationalspieler John Pantsil nach dem 2:0-Sieg seiner Mannschaft gegen Tschechien eine israelische Flagge geschwenkt hatte. «Das war naiv und wird nicht wieder vorkommen», sagte Verbandssprecher Randy Abbey. «Wir sind hier wegen des Fußballs und nicht wegen der Politik.» Der für Hapoel Tel Aviv spielende Verteidiger sei in Israel sehr populär. «Er wollte seine Fans grüßen, die ihm nachgereist waren.» MUSIK: Sie können nicht nur Fußball spielen, sondern auch singen. Sechs Ex-Weltmeister haben sich zur Musikgruppe «Legendários do Brasil» zusammengeschlossen und touren während der WM durch Deutschland. Dazu gehören die früheren brasilianischen Nationalspieler Hércules Brito, Jair Marinho de Oliveira, Roberto Miranda, Altair, Jairzinho und Marco Antonio Feliciano. Von den Leistungen ihrer Landsleute bei der WM sind sie nicht berauscht: «Ich habe noch nie ein brasilianisches Team gesehen, das bei einer WM so schlecht gespielt hat», meinte Brito.
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