Kapstadt (dpa) - 19.06.2006, 14:19 Uhr
Auf dem Rasen geht es bei der Fußball-Weltmeisterschaft noch um Tore und Siege, doch bei den Verlegern wird schon für die Zeit danach gearbeitet.
«Kurz nach dem Abpfiff werden wir bereits die ersten Bildbände erwarten können - die Verleger arbeiten zurzeit alle mit Hochdruck dran», sagte Juergen Boos, Geschäftsführer der Frankfurter Buchmesse, der dpa am Rande der Kapstadt-Buchmesse in nächsten WM-Gastland Südafrika. Angesichts einer «deutschen» WM erwarten Boos und sein Messe-Kollege Peter Ripken diesmal eine Schwemme an Büchern. Die Titel werden wie eine Lawine über den Buchhandel hereinbrechen.
«In der Vergangenheit haben sich die Erwartungen bei dieser Art Buch nicht so recht erfüllt. Ob es diesmal anders sein wird, werden wir in einigen Wochen sehen», erklärte Boos. Er geht davon aus, dass sich das Format überlebt hat, auch wenn sich viele Verlage noch immer an alten Strukturen orientieren.
«Das WM-Thema ist in der Tat eins der ganz großen Themen für die gesamte Verlagsindustrie», bestätigte Ripken. Der Buchexperte ist ebenfalls skeptisch, hat aber eine interessante Neuentwicklung ausgemacht: «Ironie contra Hofberichterstattung.» «Es gibt eine ganze Kategorie von WM-Büchern, die sich ans große Geschehen "anwanzen", wie ich es nenne - also mehr oder weniger Hofberichterstattung betreiben. Und daneben gibt es eine interessante Neuentwicklung mit ironisch-kritischer Komponente», meinte Ripken.
Die Masse der traditionellen Bildbände wird sich nach seiner Einschätzung schwer verkaufen. «Im Herbst werden wir dann die Ladenhüter besichtigen - wenigstens die Hälfte dieser Bücher wird dann wie Blei im Regal liegen.» Chancen gibt er dagegen der literarischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Literaten, die sich Gedanken zum Thema machen. Zudem gebe es immerhin «die schönsten deutschen Sprachblüten doch in der Fußballreportage».
Beide Experten sind sich einig: Wer zuerst im Bücherregal erscheint, macht das Rennen. Und deshalb ließen viele Verlage auch vor Ort drucken, statt den zeitaufwändigen Weg über die preisgünstigeren Druckereien in Ländern wie Indien zu nehmen.