Die WM als großes Zahlen-Spiel
Berlin (dpa) - 19.06.2006, 12:56 Uhr
Helmut Schön führte DFB-Elf zum WM-Titel 1974.
Die deutschen Fußball-Fans werden mindestens eine Stunde warten müssen, bis ihr Team in Berlin gegen Ecuador ein Tor erzielt - das legt zumindest die WM-Statistik nahe. In den letzten sieben Spielen gegen südamerikanische Teams (seit 1986) gelang Deutschland immer erst in den letzten 30 Minuten ein Treffer. Mit Ausnahme des Finals 2002 gegen Brasilien (0:2) - da klappte es gar nicht. Herausgefunden hat dies Marius Schneider, der als Statistik-Guru des Weltverbandes FIFA aus jeder Partie auch ein faszinierendes wie spannendes Zahlen-Spiel macht. Seit vier Weltmeisterschaften sorgt er als Chef der Abteilung «Information Services» mit seinem Team dafür, dass ein Spiel nicht nur ein Spiel ist, sondern zugleich ein unerschöpfliches wie fantasievolles Reservoir an Fakten. «Manche unserer veröffentlichten Statistiken mögen skurril und exotisch anmuten. Sie müssen es aber sein, weil vieles schon bekannt ist», sagt der 43 Jahre alte «Herr der Zahlen», der sich als «Rohmaterial-Anbieter» versteht.
Natürlich spuckt die FIFA-Datenbank auch die Fakten-Klassiker aus. So erscheint auf Knopfdruck Mohammed Al Deayea aus Saudi-Arabien mit 181 Einsätzen als weltweiter Rekordnationalspieler. Der Australier Zeljko Kalac, Nikola Zigic von Serbien-Montenegro und der Tscheche Jan Koller sind mit jeweils 2,02 Metern die längsten Spieler dieser WM. Bundestrainer Helmut Schön ist der Coach mit den meisten WM- Partien. Bora Milutinovic betreute bei fünf Endrunden fünf verschiedene Länder. Nicht zum fußballerischen Allgemeinwissen zählt, dass der mexikanische Referee Arturo Brizio Carter bei den Titelkämpfen 1994 und 1998 insgesamt sechs Rote Karten sowie eine Gelb-Rote zog und damit Platzverweis-Spitzenreiter ist. Das 6:0 der Argentinier gegen Serbien-Montenegro war zwar das bislang torreichste der WM in Deutschland, bei weitem aber nicht der Weltmeisterschafts-Geschichte: 1954 in der Schweiz endete die Viertelfinal-Begegnung zwischen dem Gastgeber und Österreich 5:7. Unvergessen - nicht nur bei Statistikern - ist die legendäre 3:8- Klatsche der B-Elf des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger am 20. Juni 1954 bei der WM gegen Ungarn. Ob Nachfolger Jürgen Klinsmann auf den Tag genau 52 Jahre danach mit einem ähnlichen taktischen Meisterstück das «Wunder von Berlin» einleitet? |