Riskantes Spiel: Ballack nimmt Gelb-Sperre in Kauf
Berlin (dpa) - 18.06.2006, 15:10 Uhr
Jürgen Klinsmann (l) achtet im Training auf seinen Kapitän Michael Ballack.
Es droht eine neuerliche Gelb-Sperre, doch Michael Ballack nimmt das Risiko in Kauf. Trotz seiner bitteren Erfahrungen kommt für den Kapitän eine freiwillige Auszeit im Endspiel um Platz eins gegen Ecuador nicht in Frage. Ballack will die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vielmehr trotz einer drohenden Zwangspause als Gruppensieger ins WM-Achtelfinale führen. «Ich werde versuchen, das so genannte Zeichen setzen zu vermeiden», bemerkte Ballack scherzhaft zur Gefahr einer möglichen Verwarnung, die ihn wie vor vier Jahren im verlorenen WM-Finale gegen Brasilien im ersten K.o.-Spiel 2006 zum Zuschauen verurteilen würde. Ein Foulspiel will der «Leitwolf» also vermeiden, aber jedem Gegenspieler aus dem Weg gehen, wird er nicht. «Es ist schwer, sich bei einem WM-Spiel zurückzunehmen. Ich will gewinnen und Gruppenerster werden, dazu gehören auch Zweikämpfe», sagte Ballack. Mit der Gelb-Gefahr im Hinterkopf will er sich aber vor überflüssigen und übermotivierten Aktionen in Acht nehmen: «Ich bin erfahren genug.» Co-Trainer Joachim Löw riet allen vorbelasteten deutschen Akteuren - also neben Ballack auch den Dortmundern Christoph Metzelder und David Odonkor - «keine unnötigen Fouls» zu begehen. Einzelne Gelbe Karten werden nach der Vorrunde gestrichen.
Löw hat einen Tag nach der Verletzung von Metzelder auch Entwarnung für dessen Einsatz im Gruppen-Finale gegeben. «Es besteht keine Gefahr für das Spiel», sagte Löw in Berlin. «Er wird mit Sicherheit morgen beim Abschlusstraining dabei sein.» Der Innenverteidiger, der sich am Vorabend eine Sehnenzerrung an der Innenseite des rechten Knies zugezogen hatte, absolvierte bereits ein Lauftraining. Kahn laboriert derweil an einer Gelenkverletzung am rechten Daumen. Jürgen Klinsmann geht das riskante Spiel mit Ballack auch ein, weil der Kapitän als Spieler für die Mannschaft eminent wichtig ist und nach seiner Zwangspause im ersten Spiel gegen Costa Rica nicht schon wieder aussetzen soll. «Für ihn ist es wichtig, dass er den Rhythmus findet», sagte Löw. |
Zumal sich Ballack in seiner neuen, defensiveren Rolle, die er beim 1:0 gegen Polen verheißungsvoll ausfüllte, noch besser mit Nebenmann Torsten Frings sowie seinen Hinter- und Vordermännern einspielen soll. Endlich scheinen die internen Diskussionen um die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive beendet zu sein, wie Ballack durchblicken ließ: «Wir sind dahin gekommen, auch der Trainer, dass wir auf einer Linie gut harmonieren. Wir fahren gut damit.» Ballack hatte das schon länger so gefordert. Denn mit Schneider, Schweinsteiger und ihm ist das Offensiv-Potenzial im Mittelfeld extrem groß, zumal auch Frings Akzente nach vorne setzen kann. «Wir haben ein sehr kreatives Mittelfeld, das nach vorne drängt. Da muss sich jeder einen Tick zurücknehmen», forderte Ballack. Auch er, der in 66 Länderspielen 31 Tore erzielt hat, ist bereit, den eigenen Tordrang zum Wohle einer größeren defensiven Stabilität zu zügeln. «Natürlich werden die Spieler gefeiert, die Tore schießen. Es gibt aber auch sehr, sehr wichtige Spieler, die für das Team arbeiten. Die Balance muss stimmen, sonst funktioniert es nicht, sonst kann man nichts gewinnen», erklärte Ballack. Er gesteht sogar Nebenmann Frings als Organisator der defensiven Aufgaben im Mittelfeld eine Art Aufpasser-Rolle zu. «Torsten ist führend in der Position, er muss das ordnen - auch mich. Er muss sagen: 'Michael, komm' einen Schritt vor oder zurück.' Er hat die Verantwortung zu reden», sagte der Kapitän. Beide, Ballack und Frings, betonten demonstrativ ihr gutes Verständnis auf dem Platz. Beide wissen, dass sie als zentrales Mittelfeld-Pärchen eine Schlüsselrolle beim erhofften WM-Erfolg spielen. «Wir haben gut gestanden gegen Polen», meinte Frings, «und das ist ein Garant, dass man zu Null spielt.»
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