Berlin (dpa) - 18.06.2006, 15:24 Uhr
Der Fußball-Weltverband FIFA hat in der Ticket- Affäre um sein Exekutivmitglied Ismail Bhamjee aus Botswana nicht lange gefackelt und hart durchgegriffen.
Unter dem Vorsitz von FIFA- Präsident Joseph Blatter entschied die Dringlichkeitskommission am Wochenende, dass Bhamjee «mit sofortiger Wirkung von allen WM- Aufgaben zurücktreten und Deutschland zum frühestmöglichen Zeitpunkt» verlassen müsse. «Dieses Verhalten eines Mitglieds des Exekutivkomitees enttäuscht mich zutiefst», erklärte Blatter. «In einer solchen Situation handelt die FIFA sofort und konsequent.»
Der 62 Jahre alte Bhamjee hatte in einer schriftlichen Erklärung gestanden, dass er zwölf WM-Karten der Kategorie 1 für das Spiel England gegen Trinidad und Tobago in Nürnberg für 300 Euro und damit 200 Euro über den Nennwert verkauft hat. Ein britischer Journalist hatte von dem Verstoß erfahren und der FIFA entsprechende Beweise vorgelegt. «Ich bedauere diese Handlung zutiefst und entschuldige mich bei der FIFA für diese Verletzung der Bestimmungen», sagte Bhamjee. Er war bereits von seinem Posten als FIFA- Repräsentant beim WM-Spiel Italien gegen die USA in Kaiserslautern enthoben worden.
«Es ist schockierend, dass ein Mann in so einer Position so etwas tut - und das für 2400 Euro», sagte Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, zu dem Fall. Einen Schaden für die WM fürchten aber weder er noch die FIFA. «Das ist absolut nicht lustig und wirft ein schiefes Licht», meinte FIFA-Mediendirektor Markus Siegler. Doch der Weltverband habe bewiesen, dass er schnell und konsequent reagieren könne: «Ich glaube deshalb nicht, dass der große Erfolg der WM davon überschattet wird.»
Schon vor dem Endrunden-Turnier war das Mitglied der FIFA- Exekutive, Jack Warner aus Trinidad und Tobago, von der Ethikkommission gerügt worden, weil er WM-Tickets im familieneigenen Reisebüro verkaufen ließ. «Es wurde festgestellt, dass Warner nicht gegen Statuten verstoßen hat», erklärte Siegler.