Hunderttausende von Fans sammeln sich auf der Berliner Fan-Meile.
Die WM-Fan-Feste der Millionen expandieren. Die Massen aus der ganzen Welt, die auf die Straßen und Plätze strömen, brauchen für ihr fröhliches Gemeinschaftserlebnis mehr Raum und noch mehr Riesen-Fernseher.
Vor dem erwarteten Ansturm beim Deutschland-Spiel in Berlin gegen Ecuador sowie zum Start in das Achtelfinale planen mehrere Städte Erweiterungen und den Einsatz zusätzlicher Videowände. Der für die offiziellen Partymeilen in den WM-Städten zuständige und mitfinanzierende Weltfußballverband FIFA unterstützt dies: «Wir haben nichts dagegen, wir freuen uns, dass es so ein riesiges Fest geworden ist», sagte FIFA-Mediendirektor Markus Siegler.
Seit WM-Beginn haben bisher auf den offiziellen Fan-Festen in den zwölf WM-Städten rund 6,5 Millionen Menschen gefeiert. Das ergab eine dpa-Umfrage. Nach dem zweiten WM-Wochenende wurde die 7- Millionen-Grenze sicher überschritten. Auf allen Fan-Festen im ganzen Land waren es nach Schätzungen der zum Teil privaten Veranstalter zwischen 10 und 12 Millionen Menschen. Auch bei den Spielen in Nürnberg (Japan-Kroatien), München (Brasilien- Australien) und Leipzig (Frankreich-Südkorea) strömten schon am frühen Nachmittag Zehntausende auf die Festplätze. Bei sonnigem Wetter war die Stimmung überall prächtig. Die Polizei fuhr zunächst eine ruhige Schicht.
Auf den Fan-Festen erlebten die Besucher schon in der ersten WM- Woche das Motto «Die Welt zu Gast bei Freunden» hautnah. Die anfangs etwas gefürchteten Briten eroberten friedlich den Römerberg in Frankfurt/Main. Berlin war tagelang ganz in Gelb getaucht, zuerst durch die Samba tanzenden Brasilianer, dann durch die «Sverige, Sverige» rufenden gut 50 000 Schweden, die das Brandenburger Tor und das Regierungsviertel bevölkerten. «Stuttgart is van ous», Stuttgart gehört zu uns, jubelten die Oranje-Fans aus den Niederlanden. Afrikanische Trommeln wummerten vor dem Dom in Köln, und die Deutschen lachten herzlich darüber, wie schnell die ghanaischen Fans die Sprache der Gastgeber gelernt haben. «Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin», skandierten die Afrikaner nach ihrem sensationellen 2:0 über Tschechien.
Vor allem während des Deutschland-Spiels gegen Polen waren die Fan-Meilen aus allen Nähten platzen lassen. In Berlin kamen über 500 000 Menschen, seit WM-Beginn haben dort schon 2,5 Millionen Fans gefeiert. In der Hauptstadt wie auch in Leipzig, Frankfurt, Hamburg und am Spielort Dortmund mussten die Zugänge aus Sicherheitsgründen zeitweise gesperrt werden.
In den Dortmunder Westfalenhallen sollen deshalb weitere Großbildschirme aufgestellt werden, so dass die Besucherzahl um 13 000 auf etwa 45 000 erhöht wird. In Köln wird es zum Spiel Schweden - England auf der rechten Rheinseite auf dem Deutzer Festplatz mehr Raum für dann bis zu 35 000 Fans geben. Leipzig würde gern erweitern, hat aber auf dem umzäunten Augustusplatz nicht mehr Platz als für 15 000 Menschen.
«Die ganze Stadt ist auf den Beinen», sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in Berlin. Sein Senatssprecher Michael Donnermeyer lässt «den Markt für neue Videowände durchchecken». Die Massen sollen zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor «besser verteilt werden». Eine Ausdehnung der 2,5 km langen und damit größten WM-Meile Deutschlands über den Kreisverkehr der Siegessäule hinaus ist aber wegen des drohenden Verkehrschaos nicht möglich.
«Es ist ja schon fast wie im Karneval», sagte der Sprecher der Stadt Gelsenkirchen, Martin Schulmann, zur Stimmung auf der historischen Glückauf-Kampfbahn. «Kaiserslautern ist proppenvoll» berichtete aus der kleinsten WM-Stadt ein Polizeisprecher. Am Samstag strömten mehr als 100 000 Besucher - so viel Einwohner hat Kaiserslautern - Richtung Betzenberg und zu den WM-Partys.
Die Sicherheitslage war bisher bundesweit ruhig. Nach übereinstimmenden Polizeimeldungen geht die größte Gefahr in der Menge häufig von Taschendieben aus. Einmal nur, in Dortmund beim Spiel Deutschland - Polen, gab es heftige Auseinandersetzungen mit Hooligans. Die Polizei setzte mehr als 400 gewaltbereite Täter fest. Insgesamt aber stellte das Bundesinnenministerium der Fan-Disziplin ein gutes Zeugnis aus: «In diesem Land herrscht eine sportliche und fröhliche Stimmung», sagte ein Sprecher. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, sagte: «Es zeigt sich, dass die Sicherheitskräfte für die WM genauso hart trainiert haben wie das deutsche Nationalteam.» Die Kontrollen greifen, die vorbeugende Ansprache mutmaßlicher Täter «mit erhobenem Zeigefinger» wirkt.