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Planer im leeren Schlosshotel: Klinsmann will weiter

Berlin (dpa) - 17.06.2006, 13:54 Uhr

Auf des Kaisers Spuren: Jürgen Klinsmann allein auf dem Dortmunder Rasen.
Auf des Kaisers Spuren: Jürgen Klinsmann allein auf dem Dortmunder Rasen.

Jürgen Klinsmann nimmt seine Spieler nach dem kurzen Kuschel-Urlaub wieder hart ran. Gleich drei Trainingseinheiten hat der Bundestrainer am Wochenende für sein Personal geplant.

«Wir möchten den Rhythmus beibehalten», betonte Klinsmann, der im fast leeren Berliner Schlosshotel gemeinsam mit seinem Assistenten Joachim Löw und Chefscout Urs Siegenthaler den dritten WM-Streich gegen Ecuador plante. Während sich Ballack & Co. zu Hause oder irgendwo in Berlin bei ihren Liebsten erholen durften, stand die sportliche Leitung schon wieder am Reißbrett. «Wir haben Respekt vor Ecuador, aber wir wollen Gruppensieger werden», sagte der WM- Projektleiter, der alle weiteren Themen derzeit hinten an stellt.

Auch neuerliche Spekulationen um seine eigene berufliche Zukunft, die von der «Bild»-Zeitung mit einem angeblichen «Geheimplan» genährt wurden, sind für Klinsmann drei Tage vor dem letzten Gruppenspiel höchsten drittrangig. Der Wahl-Amerikaner weiß genau, dass die Grundlage für eine mögliche Vertragsverlängerung bis 2008 oder auch 2010 vom weiteren WM-Verlauf abhängig ist. Trotz des vorzeitigen Achtelfinal-Tickets und der Lobeshymnen, die jetzt sogar von einst harten Klinsmann-Kritikern auf den Bundestrainer gesungen werden, wäre wohl erst eine Viertelfinal-Qualifikation die Basis für Vertragsverhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Schafft Klinsmann mit seinem jungen und längst nicht ausgereiften Team das Halbfinale oder gar das Endspiel am 9. Juli in Berlin, könnte der 41-Jährige auf einer dann unvorstellbaren Euphorie-Woge wohl allein die Art und Weise seiner Weiterbeschäftigung entscheiden.

Klinsmann hat sich ohne Frage auch bei seiner ersten echten Härteprüfung als Jung-Trainer weiter Lust geholt an dem Job, der ihm im Sommer 2004 keineswegs nur ganz zufällig zugefallen war. Der 108-malige Nationalspieler hatte sich nach seinem Rücktritt als Profi 1998 in sechs Jahren USA auf eine schwierige Führungsrolle vorbereitet. Er lernte Management, leitete Fußball-Elitecamps in seiner Wahl-Heimat, besuchte Trainerkongresse, hospitierte in anderen Sportarten - und beschäftigte sich schon detailliert mit einer Aufgabe beim DFB, ehe der Name Klinsmann nach der misslungenen EM 2004 von seinem ehemaligen Trainer Berti Vogts für die Nachfolge von Rudi Völler offiziell ins Spiel gebracht wurde. Auch jetzt dürfte Klinsmann einen neuen Masterplan bis zur EM 2008 längst mit seinen US-Beratern Mick Hoban und Warren Mersereau abgesprochen haben.

Doch erst einmal muss sein erster Plan weiter so laufen wie bisher. «Wir haben einen kleinen Grundstein gelegt», sagte Klinsmann, der in der K.o.-Runde den Weg durch die größten WM-Stadien fortsetzen will. Als möglicher Gruppen-Erster kehrt Deutschland im Achtelfinale nach München zurück, könnte dann über Berlin (Viertelfinale) und das Lieblingsstadion Dortmund (Halbfinale) zum Endspiel in die Hauptstadt kommen. Bei einem Remis oder gar einer Niederlage gegen Ecuador müssten sich die «Klinsmänner» über Stuttgart (Achtelfinale), Gelsenkirchen (Viertelfinale) und München (Halbfinale) nach Berlin kämpfen. Für Ehrenspielführer Uwe Seeler steht der «Königsweg» schon fest. «Ganz ruhig bleiben, gut vorbereiten - und dann werden wir Gruppen-Erster», riet des Idol.


Klinsmann grübelte mit seinem Stab derweil auch über letzte personelle Fragen vor dem Gruppen-Finale gegen Ecuador, das mit bisher zwei Siegen die starken Leistungen und den dritten Platz in der Südamerika-Qualifikation hinter Brasilien und Argentinien bestätigen konnten. Trainer Luis Suarez deutete zumindest nebenbei an, dass er vielleicht einigen seiner Stammkräfte eine Pause gibt: «Einige meiner Spieler sind sehr müde oder angeschlagen. Ich muss das berücksichtigen.» Klinsmann hatte bereits verkündet, dass er keine größeren Umbauten in seiner Elf plane und auch die von einer Sperre bedrohten Michael Ballack, Christoph Metzelder und David Odonkor nicht geschont würden.

Dennoch könnte der Bundestrainer überlegen, beispielsweise den bisherigen Dauerreservisten Robert Huth und Gerald Asamoah zumindest Spielpraxis zu geben. Auch Mike Hanke steht nach abgelaufener Sperre erstmals zu Verfügung. Andererseits könnte bei den noch um ihre Form ringenden Arne Friedrich und Lukas Podolski vielleicht ausgerechnet gegen Ecuador der Knoten platzen.

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