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Klinsmann motiviert: «Macht, was Ihr wollt»

Berlin (dpa) - 16.06.2006, 15:32 Uhr

Jürgen Klinsmann verläst nach dem Training gut gelaunt das Hotel.
Jürgen Klinsmann verläst nach dem Training gut gelaunt das Hotel.

Jürgen Klinsmann hat seine Spieler für 30 Stunden in den Kurzurlaub geschickt - er selbst arbeitet dagegen mit seinen engsten Vertrauten schon am neuen Nahziel Gruppensieg.

«Macht, was Ihr wollt», sagte der Bundestrainer nach einer 75-minütigen Fitness-Einheit im eigens eingerichteten Kraftraum auf der Anlage des Tennisclubs Blau-Weiß im Grunewald zu Kapitän Michael Ballack und dessen 22 Teamkollegen. Er selbst entwarf dagegen mit seinem Assistenten Joachim Löw und Chefscout Urs Siegenthaler beim Videostudium den Schlachtplan für den dritten WM-Auftritt: «Bei uns im Trainerstab gehen die Gedanken schon hin zum Ecuador-Spiel.»

Ein Kommen und Gehen setzte um die Mittagszeit am «Schlosshotel» im Grunewald ein: Michael Ballack und Lukas Podolski brausten mit als Erste im Auto davon - dafür kamen die «besseren Hälften» der Bremer Torsten Frings und Tim Borowski in die Fünf-Sterne-Herberge. Sogar ein kurzer Heimflug zur Familie war den Akteuren erlaubt worden, denn die Zeiten des heimlichen Ausbüxens aus dem Quartier wie noch während Klinsmanns eigener Spieler-Karriere sind passé.

«Erwachsenen Leuten kann man ruhig Freigang geben. Wir wissen, dass sie nicht nachts um zwei oder drei Uhr in einer Berliner Discothek rumhängen werden», begründete Klinsmann sein Vertrauen in seine Akteure, die erst wieder auf dem Trainingsplatz stehen müssen. Der Ausgang über Nacht sei auch «keine Belohnung» für die ersten zwei Siege, sondern ohnehin vorgesehen gewesen als Maßnahme gegen möglichen Lagerkoller. «Das ist eine Generation von Spielern, die weiß, was sie möchte. Sie sind sehr konzentriert und haben sich viel vorgenommen.»

Der Blick geht längst über das letzte Vorrundenspiel hinaus auf die möglichen Achtelfinal-Gegner England, Schweden oder Trinidad und Tobago. Selbst Klinsmann nutzte am Donnerstagabend die Chance, um mit Löw und Torwart-Coach Andreas Köpke die Schweden im Berliner Olympiastadion beim 1:0-Sieg gegen Paraguay live zu beobachten. «Die Schweden verdienen großen Respekt, sie haben eine kompakte Mannschaft. Aber im Moment machen wir uns keine Gedanken über das Achtelfinale, sondern nur über Ecuador», behauptete Klinsmann.


Sein Ziel bei «unserem ersten Spiel in der Hauptstadt» (das zweite wäre frühestens im Viertelfinale möglich) ist der dritte Sieg im dritten Spiel. Denn Klinsmann liegt der erste Platz «am Herzen». Dass Deutschland gewinnen muss, um die ebenfalls mit zwei Siegen gestarteten Südamerikaner auf Platz zwei zu verweisen, sieht Ballack nicht als Nachteil an: «Das ist eine gute Konstellation. Dadurch wird die Spannung hoch gehalten.» Klinsmann kündigte bereits vier Tage vor dem Vorrunden-Finale an, dass er keine großen Umstellungen plane. «Wir werden das Spiel sehr ernst angehen.»

Auch sein Kapitän, der ebenso wie Abwehrspieler Christoph Metzelder und Angriffsblitz David Odonkor beim 1:0 gegen Polen die Gelbe Karte erhalten hatte und bei einer weiteren Verwarnung im Achtelfinale gesperrt zuschauen müsste, soll nicht geschont werden. «Ballack wird spielen», legte sich Klinsmann schon fest. Denn der eingeleitete Weg solle fortgesetzt werden und sich die Formation noch besser einspielen.

Dabei schrieb Klinsmann seinem Kapitän nach den Misstönen beim WM- Start sogar den Löwenanteil an der besseren Balance zwischen Defensive und Offensive und damit letztendlich am Erfolg gegen Polen zu. «Wir hatten ein Chancenverhältnis von 14:0. Wir standen im Zentrum viel dichter», lobte der Bundestrainer seinen wichtigsten Mann in der Doppelfunktion als Spielmacher und zugleich zweitem Abräumer neben Torsten Frings im Mittelfeld. «Wenn Michael Ballack die Fäden in der Hand hat, ist viel Arbeit schon getan», erklärte Klinsmann.

Die Diskussionen um eine mögliche Vertragsverlängerung könnten schon bald neu einsetzen - nach einer WM-Woche aber halten sie die Verantwortlichen für verfrüht. «Das ist im Augenblick überhaupt kein Thema», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger: «Das ist auch wesentlich die Entscheidung von Jürgen Klinsmann.» Der Bundestrainer weiß, dass trotz der aktuellen Euphorie um sein junges Team und den furiosen Hurra-Fußball am Ende nur Erfolge zählen. «Eine Philosophie braucht Glaubwürdigkeit, die kriegt man nur über Ergebnisse beim Turnier. Es ist ein Tagesgeschäft, und eine WM wird immer definiert vom nächsten Spiel.»

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