HYMNEN OHNE ENDE: Patrizio Buanne, italienischer Sänger des nach jedem WM-Spiel im Stadion abgespielten Popsongs «Stand Up», hat Überraschendes zum Hintergrund seiner Fußballhymne berichtet. «Ich will den Hörern italienische Romanze bieten. Mein Vater war ein Botschafter der italienischen Küche, und ich bin jetzt der Botschafter der Romantik und des Dolce Vita.» Unbefangene erinnert der Song eigentlich eher an Begleitmusik für Aerobic. SCHÖN VERRÜCKT: Ein Art freundlicher Urlaubskarte hat die bulgarische Zeitung «Trud» über die Stimmung bei der Fußball- Weltmeisterschaft geschrieben, für die sich das Land nicht qualifiziert hat: «Der Fußball wird die Leute verrückt machen, die Welt verwirren. Was machen die Gastgeber? In einem Eisenbahnwagen singen sie "Nach Berlin! Nach Berlin!". Welche Ironie! Vor 61 Jahren zum Kriegsende war dieser Spruch ein Albtraum für die Deutschen. Was beweist, dass der Fußball die Welt verwirrt hat, aber vielleicht in die richtige Richtung. Er ist ein Spiel, der den Krieg nur ersetzt. Sollte der Planet tatsächlich um den Ball verrückt werden, wäre das gar nicht so schlecht.» FREIGÄNGER: Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat zwar volles Vertrauen in seine Mannschaft, doch er setzt auch auf eine andere Kontrollinstanz. «Wir haben kein Problem, den Spielern Freilauf zu lassen. Weil wir wissen, dass sie ohnehin überall erkannt werden», sagte der Bundestrainer. Allerdings würden seine Akteure auch nicht über die Stränge schlagen. «Wir wissen, dass sie nicht um 2.00 oder 3.00 Uhr in der Discothek rumhängen werden.» PERFEKT: Die Fünf-Stern-Herberge im Grunewald ist die Ruhe-Oase des deutschen Teams - und für den Trainer. «Man kann sich das Umfeld so aufbauen, wie man es als Spieler gerne gehabt hätte», sagte der im Freizeit-Look erschienen Klinsmann in Berlin. Den Spielern gibt er mehr als 24 Stunden frei, für ihn und den Trainerstab ist dagegen weiter Arbeit angesagt. Einige Spieler reisen nach Hause, andere, wie Philipp Lahm, bleiben im Hotel. «Das Hotel ist super, hier hat man seine Ruhe», sagte der Verteidiger, der Stammspieler an der Tischtennisplatte ist. KALIFORNIEN: Auch in Jürgen Klinsmanns Heimat ist Schwarz-Rot-Gold auf dem Vormarsch. «Es leben zigtausende Deutsche in L.A., die genauso gefeiert haben und Fahnen geschwenkt haben», sagte der Bundestrainer. Weltweit würden die Erfolge des deutschen WM-Kaders genossen. Ob das Ganze eine Belastung darstellt ? «Wir wissen es, aber wir machen uns keinen Kopf.» FLEISSIG, FLEISSIG: Ecuadors Nationaltrainer Luis Fernando Suárez hat vor Beginn der Weltmeisterschaft Deutsch gepaukt und überrascht seine Gesprächspartner in Deutschland nun mit «Grüß Gott» und «Prost». Von Februar bis Mai gab ihm die Deutsch-Ecuadorianerin Monica Pérez im Goethe-Institut in Quito Deutsch-Unterricht. «Er wollte sich richtig auf Deutschland konzentrieren und zumindest die Leute entsprechend begrüßen», berichtet Pérez. Allerdings hapere es noch mit der Aussprache. GLÜCKSBRINGER: Italien hat im Spiel gegen die USA in Kaiserslautern einen prominenten Glücksbringer: Ex-Nationaltrainer Azeglio Vicini hat sich angekündigt. Vicini trainierte die «Azzurri» 1990 bei der WM im eigenen Land und führte sie dort zu einem 1:0-Sieg gegen die USA. Italiens Nationalstürmer Alberto Gilardino hat das Spiel gegen die USA bei dieser WM den italienischen Soldaten im Irak gewidmet. «Wir hoffen, dass sie uns sehen können», sagte der 23- Jährige vom AC Mailand. Italiens neue Mitte-Links-Regierung hat mit dem Abzug der eigenen Soldaten aus dem Irak begonnen. RESPEKT: Carlos Alberto Parreira hat Brasilien bereits 1994 zum WM-Titel geführt, doch der 63-Jährige ist immer noch lernfähig. Vor allem vom Holländer Guus Hiddink, Coach des nächsten Gegners Australien, würde er sich gerne etwas abschauen. «Er ist ein wundervoller Trainer und einer der besten der Welt», sagte Parreira. «Ich habe ihn eingeladen, Ende des Jahres zu einem Trainerforum nach Brasilien zu kommen. Er hat eine Riesenarbeit gemacht bei der letzten WM mit Südkorea.» KEINE BEDENKEN: Die Kapitäne der Weltmeister-Mannschaften genießen in Brasilien besonderen Respekt. 1958 war es Bellini, 1962 der bereits gestorbene Mauro Ramos, 1970 Carlos Alberto, 1994 Carlos Dunga und 2002 der heutige Spielführer Cafú. Kein Wunder, dass Dunga als Gast im Quartier in Königstein besonders freudig begrüßt wurde. Der 42 Jahre frühere Mittelfeldspieler bestritt zwischen 1993 und 1995 54 Bundesliga-Spiele für den VfB Stuttgart. «Bei einer WM ist es wichtig zu gewinnen, vor allem im ersten Spiel», sagte er und wischte damit alle Bedenken an der Stärke Brasiliens vom Tisch. ROCK FÜR FÜRSTEN: Zwei Tage vor dem wichtigen WM-Spiel gegen Japan wird Kroatiens Fußballern in ihrem Quartier-Ort Bad Brückenau ein besonderes Musik-Spektakel geboten. Die Rock-Veteranen von Deep Purple und Uriah Heep spielen am Freitagabend in dem bayrischen Staatsbad auf. Für die Fußballer ist eigens die so genannte Fürstenloge abgesperrt worden, damit sie unbehelligt das Konzert besuchen können. «Die Spieler dürfen hingehen», erteilte Zorislav Srebric, Generalsekretär des nationalen Verbandes (HNS), den Kickern eine Ausgeherlaubnis, schränkte aber ein: «Nur bis 22.00 Uhr.» TORWARTHILFE: Markus Peter, Amateurtorwart aus Hannover, soll Frankreichs WM-Veteranen bei der Beendigung ihrer Torflaute helfen. Damit die Ex-Weltmeister im Training so richtig aus allen Lagen das Volley-Schießen üben konnten, verstärkte Peter die französische Keeperriege mit Fanien Barthez, Gregory Coupet und Mickael Landreau. Er habe eine «sehr solide Leistung» geboten, hieß es von der Mannschaftsleistung nach einem Trainingsmatch. Die Mannschaft um Zinedine Zidane hat im ersten WM-Gruppenspiel gegen die Schweiz ebenso wenig ein Tor erzielen können wie bei der WM 2002 in Japan und Südkorea. KRICKET: Die Karibik-Fußballer aus Trinidad und Tobago haben sich beim Kricket vom WM-Stress erholt. Am Tag nach ihrer ehrenvollen, aber auch unglücklichen 0:2-Niederlage gegen England holte Stürmer Stern John einen Kricketschläger aus der Tasche und setzte ein von Gelächter und lauten Rufen begleitetes Spiel mit seinen Mannschaftskameraden in Gang. Die Stimmung war super, und Trainer Teo Beenhakker passte sich dem Urteil über die Mannschaft an: «Alle hielten uns hier für das graue Aschenputtel. Aber wir haben unser Land stolz gemacht.»
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