Joker Hanke brennt auf seine WM-Chance
Berlin (dpa) - 16.06.2006, 14:11 Uhr
Mike Hanke (l) nimmt Oliver Neuville beim Training scherzhaft in den Schwitzkasten.
Oliver Neuville und David Odonkor haben ihre Joker-Rollen schon eindrucksvoll erfüllt - und jetzt ist auch Mike Hanke zurück. Seine Zwei-Spiele-Sperre vom Confederations Cup hat der Fußball-Nationalspieler endlich abgesessen und brennt auf sein WM- Debüt. «Ich bin genauso heiß wie alle anderen», erklärte der Stürmer. Welche Rollen Neuville und Odonkor im Planspiel Jürgen Klinsmanns einnehmen, ist spätestens seit dem 1:0-Erfolg gegen Polen klar. Doch was hat der Bundestrainer nur mit dem Wolfsburger vor? Klinsmann, der bislang sechs Feldspieler und zwei Torhüter aus seinem 23-Mann-Kader nicht einsetzte, hat bei seiner Nominierung alles bis ins letzte Detail geplant und hätte Hanke mit der Bürde von zwei Spielen Sperre sicher nicht mitgenommen, wenn dieser nicht ein ganz bestimmtes Teilchen im WM-Puzzle sein sollte. «Klar muss man die 23 besten Spieler zu einer WM mitnehmen. Aber es geht auch darum, Leute hinten dran zu haben, die sich voll einbringen, die der Mannschaft Energie geben», betonte Führungsspieler Christoph Metzelder die Wichtigkeit der Kader-Zusammenstellung. «Wer die Szenen gesehen hat, die sich beim Tor gegen Polen vor der Bank abspielten - das war sinnbildlich.»
Im Freudentaumel nach dem Nerven aufreibenden 1:0 hatte der bisherige Zuschauer Hanke mit gebührendem Abstand in Trainingshose und rotem DFB-Shirt die Ehrenrunde mit gedreht. Beim ersten Training nach abgelaufener Sperre ging er tags darauf in Fußball-Ausrüstung und orangefarbenem Leibchen besonders eifrig zur Sache. «Ich gehöre genauso zur Mannschaft wie alle anderen», sagte Hanke. Er fühlte sich nie ausgemustert und versuchte auch schon während seiner Zwangspause von der Ersatzbank aus, seinen Beitrag zum Teamgeist zu leisten. «Jeder ist für den anderen da. Mit der Geschlossenheit kann man Weltmeister werden», erklärte der sechsmalige Nationalspieler, der eine Traum-Schlagzeile für den 10. Juli hat: «Hanke schießt das entscheidende Tor im WM-Finale.» Als Stürmer darf der 22-Jährige, der gerne im Film «Gladiator» die Hauptrolle gespielt hätte, naturgemäß eher auf seine Einwechslung hoffen als ein Verteidiger. Wenn eine zusätzliche Offensivkraft gefordert ist, dann ist er als klassischer Stoßstürmer gefragt. Beim Confed-Cup vor einem Jahr kam er so als Joker gegen Tunesien zum Zuge und erzielte prompt sein bislang einziges Länderspiel-Tor. |