Ballkünstler bei WM im Dauereinsatz
Balve (dpa) - 16.06.2006, 10:10 Uhr
Dominik Kaisers balanciert einen Fußball auf seiner Nackenkuhle.
Der Lederball hüpft auf Dominik Kaisers Spann auf und ab, während er locker plaudert. Dann konzentriert er sich kurz, das Leder fliegt ein paar Meter in die Luft, landet sanft in der Nackenkuhle und tänzelt zwischen den Schulterblättern des jungen Mannes. Das WM-Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica erlebte der Ball-Zauberer aus Balve als «Pausenfüller» beim Public Viewing in Frankfurt mit. Bis zum Ende der WM tritt der 19-jährige deutsche Soccer-Freestyle-Meister noch bei einem Dutzend weiterer Fußball-Veranstaltungen im Rahmenprogramm auf. «Angefangen hat das aus Zufall», erinnert sich Kaiser, während sich der Ball zwischen Schulter und Wange schmiegt. Als Spieler in seinem Heimatverein Balve-Garbeck sei er von Nachwuchs-Spähern zum VfL Bochum geholt worden. Dort erlitt er bei einem C-Jugend-Spiel einen Schlüsselbeinbruch. «Da durfte ich längere Zeit nicht laufen.» Beim VfL war seine Karriere damit beendet. Statt die Verletzung im Sitzen auszukurieren, begann er, im Stand mit dem Ball zu üben. «Das hat mir Spaß gemacht, ich habe gemerkt, dass das klappt.»
Es klappte so gut, dass er 2003 bei einem Freestyle-Wettbewerb unter den bundesweit zehn besten Ball-Zauberern landete. Als dann in Köln «der Ballhochhalter der Nation» gesucht wurde, war Kaiser dabei. Leider habe er nach etwas mehr als 5000 Ballkontakten abbrechen müssen, sagt er mit einem Lächeln. «Da waren die vorgegebenen 90 Minuten und auch drei Wadenkrämpfe vorbei.» Allerdings überraschte er den Veranstalter, als er während des Wettbewerbs mit dem Ball im Nacken auch noch seine Sportschuhe wechselte. Kaiser übte weiter. Mittlerweile hat er ein kleines Kür-Programm der Regelverstöße zusammengestellt. Denn die meisten seiner Tricks würden einem Schiedsrichter einen Pfiff wegen «Ballsperrens» entlocken. Auf der Bühne erntet er aber von Kindern und Jugendlichen meist Anerkennung. «Erwachsene fragen meist, ob ich denn auch Tore schießen kann.» Er kann. Seit der vergangenen Saison kickt der 19- Jährige als Mittelstürmer in der Kreisliga A und schoss in 28 Spielen 28 Tore. «Ich hätte auch höherklassig spielen können, aber ich wollte mich auf die Schule konzentrieren.» Mittlerweile hat der Sauerländer «Fummelkönig» sein Abitur gemacht. Das erfolgreiche Ende der Schullaufbahn hat er auch seinem Schlüsselbeinbruch von damals zu verdanken. Denn die Verletzungspause nutzte er nicht nur zum Üben der Balltricks, sondern auch zum «Büffeln». «Die Noten wurden besser, und ich bin aufs Gymnasium gegangen.»
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