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Fußball am «Ballermann» - Oktoberfest im Juni

Berlin (dpa) - 15.06.2006, 15:17 Uhr

Tausende von Fans bejubeln den 1-0 Sieg der deutschen Mannschaft gegen Polen.
Tausende von Fans bejubeln den 1-0 Sieg der deutschen Mannschaft gegen Polen.

Deutschland gegen Polen am Strand und mit Blick auf die Ostsee oder das Mittelmeer: Schöner kann Fußball-Gucken kaum sein. Zehntausende von deutschen Urlaubern jubelten in den Touristenhochburgen von Rügen bis Mallorca über den 1:0-Sieg der Elf von Jürgen Klinsmann.

Einige Feriengebiete hatten wegen der WM ein Ausbleiben deutscher Touristen befürchtet. Die Befürchtungen erwiesen sich jedoch in den meisten Fällen als unbegründet. Mallorca erlebt einen Rekordansturm, mit dem selbst die Experten nicht gerechnet hatten.

MALLORCA: Im größten Biergarten am Strand von Palma feierten Tausende deutscher Fans den Siegtreffer von Oliver Neuville. Einige tranken, wie Reporter der Wochenzeitung «Mallorca Magazin» berichteten, Sangría mit meterlangen Strohhalmen aus Eimern. Manche Imbissbuden bieten zur WM «Siegerwürste» an. Viele Fans in der Gegend um die Strandbar «Ballermann 6» trugen deutsche Trikots, manche hatten sich einen Irokesen-Schnitt verpassen lassen.

Die Tourismusbranche freut sich derweil über den «besten Juni, den Mallorca je hatte.» Die Insel habe 40 Prozent mehr Touristen angelockt als im Juni 2005, sagte Harald Oberkirch von Thomas Cook/Neckermann der «Mallorca Zeitung». Der Grund seien die günstigen Angebote, die man wegen eines erwarteten Buchungslochs gemacht habe: «Wir haben ja alle geglaubt, die Leute reisen während der WM nicht.»

ITALIEN: «Als das Spiel Deutschland gegen Polen übertragen wurde, waren wir die einzigen Deutschen in der Bar», berichtete eine junge Rheinländerin in Porto Santo Stefano auf der toskanischen Halbinsel Monte Argentario. «Es war eine Bombenstimmung. Wir haben die Italiener richtig angesteckt.» Nicht überall zeigen Ballack-Fans so deutlich Flagge. «Viele Deutsche gucken die Spiele auf ihrem Zimmer», weiß ein Hotelier in Rimini.


Schließlich sind Deutschland-Fans im Fußball-verrückten Italien chronisch in der Minderzahl: Touristen-Hochburgen für die Teutonen gibt es nicht, auch Rimini ist längst nicht mehr fest in deutscher Hand. «Es scheinen diesmal etwas weniger Deutsche zu kommen», heißt es im Grand Hotel in Rimini - angeblich hätten einige ihren Besuch diesmal wegen der WM verschoben.

BAYERN: In Bayern hat die WM vor allem den Wirten einen Boom beschert, die ihren Gästen Live-Übertragungen der Fußballspiele bieten. «Die erleben jetzt eine Oktoberfest-Zeit», sagte der Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Ludwig Hagn. Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen seien die Biergärten mit Leinwänden in ganz Bayern teils gesteckt voll.

Auch Gaststätten rund um Fan-Meilen und zentrale Plätze in München wie am Olympiapark, in der Leopoldstraße oder am Marienplatz erleben einen Ansturm. «Wenn man da einen gastronomischen Betrieb hat, ist das ein großes Plus», sagte Hagn. Dagegen seien die Hotels an den Spielorten München und Nürnberg wie erwartet nicht ausgebucht. «Sie haben ein ganz normales Juni-Geschäft», sagte Hagn.

RÜGEN: In Sellin auf Deutschlands größter Insel Rügen drängten sich zum Deutschland-Spiel zahllose junge Menschen im Festzelt, das die Gemeinde des Ostseebades mit Großleinwand aufgebaut hatte. Textsicher und beherzt johlten die als zurückhaltend bekannten Rüganer die Nationalhymne mit. Für die Sonne, die sich wie ein violetter Ball hinter den Wolken verkroch, hatte niemand Augen. Als in der Nachspielzeit das ersehnte Siegtor fiel, lagen die Rüganer sich in den Armen und feierten das deutsche Team.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Am Timmendorfer Strand bejubelten Hunderte von Fans den deutschen Sieg in einem rustikalen Zelt, das nach dem früheren HSV-Fußballer «Mannie-Kaltz-Arena» benannt wurde. Auch der Namensgeber fieberte zusammen mit den Urlaubsgästen. «Unsere Mannschaft kann doch viel mehr», meinte der 53-jährige Erfinder der «Bananenflanke». Die Sommerfrischler konnten derweil unter anderem einen «Bananenflanken-Shake» genießen.

Weniger zufrieden zeigte sich der Hotel- und Gaststättenverband Schleswig-Holstein. «Die WM findet für die Gastronomie bisher kaum statt», sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Stefan Scholtis. Die großen Hoffnungen, die mit der WM verbunden gewesen seien, hätten sich nicht erfüllt. «Die Buchungslage in den Ferienregionen ist aber nicht schlecht.»

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