Aussprache macht deutsche Abwehrrecken stark
Berlin (dpa) - 15.06.2006, 14:15 Uhr
Per Mertesacker beantwortet Fragen zum Spiel Deutschland gegen Polen.
Das Last-Minute-Tor von Oliver Neuville hat das ganze Fußball-Land erneut in einen lauten Freuden-Taumel gestürzt, doch die Abwehrrecken der deutschen Nationalelf genossen eher still ein ganz anderes Gefühl. Im zweiten WM-Spiel gegen Polen stand hinten die Null, die zuvor arg gescholtenen Defensivkräfte fühlten sich als besondere Sieger. «Dieser Hurra-Stil wie gegen Costa Rica war gegen die Polen nicht so zu sehen. Das war etwas kontrollierter», analysierte Christoph Metzelder, der mit Per Mertesacker schon weit besser harmonierte als zum Turnier-Auftakt. Einen Grund für die neue Stärke sehen Metzelder und sein Partner Mertesacker auch in einer knallharten Aussprache vor dem Polen-Spiel. «Dabei haben wir endlich einmal eine einheitliche Sprache gefunden, wie wir handeln wollen», berichtete der Hannoveraner Mertesacker. Auch Cheftaktiker Joachim Löw und Chefscout Urs Siegenthaler waren an der Grundsatzdebatte beteiligt. «Es gab schon ein paar unterschiedliche Sichtweisen», räumte Mertesacker den Konflikt ein. «Wir sind auf einen Nenner gekommen», wie die Viererkette funktioniert, bemerkte Metzelder. Praktisch konnte man das in Dortmund sehen.
«Das ist super für die Jungs, dass sie jetzt ein paar ruhige Tage haben und dass nicht wieder jeder auf die Abwehr zeigt. Sie können sagen: 'Wir haben gut und zu null gespielt.' Wir haben in der Innenverteidigung einen großen Schritt nach vorn gemacht», lobte Michael Ballack die zentralen Abwehrkräfte. Torhüter Jens Lehmann, zugleich lautstarker Organisator und in den Konflikt um die Interpretation der Defensiv-Arbeit auch verwickelt, sieht die Kritik an der Abwehr mit dem Polen-Spiel widerlegt: «Wer bei der Kritik isoliert die Abwehr betrachtet, weiß nicht, was wir spielen.» Alle sind bei Ballbesitz und -verlust zum sofortigen Umschalten verpflichtet, der tödliche Pass des Gegners soll schon von Stürmern und Mittelfeldspielern verhindert werden. Bundestrainer Jürgen Klinsmann berichtete von intensiven Video-Sitzungen mit seinen Spielern vor der Partie in Dortmund, «um ihnen einfach an Beispielen zu zeigen, wie man sich besser verhält». |