Amman (dpa) - 14.06.2006, 17:30 Uhr
Aus Frust über WM-Fernsehen als «Privileg für die Reichen» lassen Fußballfans in Jordanien ihre Satellitenempfänger massenweise und in letzter Minute auf europäische Kanäle umrüsten.
Wie Zeitungen in der Hauptstadt Amman berichteten, können sich die Fernsehhändler vor Aufträgen für die entsprechende Decodierung von Receivern kaum noch retten.
Zum Hintergrund hieß es, dass der arabische Sender ART als einziger landesweiter Anbieter von WM-Spielen eine jährliche Nutzergebühr von 235 Dinar (263 Euro) verlange. Der monatliche Mindestlohn in Jordanien liegt bei etwa 115 Dinars. Stark verärgerte Kunden würden nun vor den Geschäften Schlange stehen, um ihre Receiver umrüsten zu lassen, hieß es in Amman weiter.
Zeitungskolumnisten meinten, ART habe anlässlich der WM «erheblich Kredit bei der arabischen Kundschaft verspielt». Millionen von ihnen hätten nun überhaupt erst begriffen, dass sie ihre Empfangsgeräte auch anders einstellen könnten. Für die Ärmsten der Armen hat König Abdullah 23 Großbildschirme gestiftet, damit arme Jordanier gemeinsam WM-Spiele anschauen können.