Berlin erlebt riesigen Fan-Ansturm
Berlin (dpa) - 14.06.2006, 10:29 Uhr
Ein Fan mit Brasilien-Handschuh und Frisur in deutschen Farben jubelt in Berlin.
Schon früh am morgen sind sie wieder da. Männer in kurzen Hosen, mit Sombrero, Bier in der Hand und Trikot am nicht ganz schlanken Körper ziehen durch das Regierungsviertel. Berlin erlebt derzeit einen Ansturm von Fußballfans, der seinesgleichen sucht. Rund 500 000 Menschen sind es, die am 13. Juni rund um das erste WM-Spiel im Olympiastadion zur Fan-Meile am Brandenburger Tor strömen. «Das ist Wahnsinn», sagt ein Sprecher des Senats, als er über die kilometerlange Menschenmenge blickt. Die gelben Tupfen der Brasilienfans und das rot-weiße Karo der Kroatienanhänger dürften sogar aus der Luft zu sehen sein. Trotz des eher mauen 1:0 für den Favoriten herrscht in der Stadt hinterher Stimmung, als hätte Brasilien seinen Titel schon verteidigt. Grüngelbe Fahnen flattern aus hupenden Cabrios, mit denen die Anhänger der «Selecao» durch die Stadt düsen. Fußballfans hüpfen vor Freude vor den Kameras der Weltpresse auf und ab, Samba und «Brasil, Brasil»-Rufe hallen durch die Nacht.
Schon Stunden vor Anpfiff strömen die Fans, die keine Karte ergattert haben, zu den Großbildleinwänden, zwei Sonderzüge mit Brasilienfans aus Köln rollen ein. So bunt und international sieht es in Berlin selten aus: Schottische Dudelsackspieler flanieren neben australischen Touristinnen durch die laue Sommernacht, Schwedenfans in «Sverige»-Trikots trinken ihr Bierchen neben amerikanischen Collegekids, die es sichtbar genießen, dass man in Deutschland Alkohol auf der Straße konsumieren darf. Einige Fans der Rivalen auf dem Platz sitzen friedlich nebeneinander auf den Bierzeltbänken. Für die Polizei bleibt es zumeist ruhig, in der S-Bahn Richtung Stadion üben sich die Berliner in Geduld. Im Tiergarten summt es vor Menschen wie in einem Bienenstock. Barfuß sollte der Besucher angesichts der Freiluftpinkler derzeit besser nicht durch das Unterholz gehen. 1,5 Millionen Liter Bier sind in der ersten Woche des Festes geflossen - statistisch gesehen ein Liter pro Gast. Die Hauptstadt, die ohnehin einen Tourismusboom erlebt und Ort des Finales am 9. Juli ist, hat dank der WM eine neue Attraktion. Die Fan-Meile hat sich zu einer Art Oktoberfest für den Fußball entwickelt, das Besucher aus aller Welt anlockt. |