Prag/Berlin (dpa) - 14.06.2006, 16:29 Uhr
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Tschechien hat bei der Bundesregierung offiziell mit einer diplomatischen Note gegen das Abweisen zahlreicher Fußballfans durch deutsche Grenzbehörden protestiert. Das Bundesinnenministerium wies die tschechischen Vorhaltungen zurück.
Es habe keine Abweisung wegen fehlender Geldmittel gegeben. Vier Fußballanhänger sei am sächsischen Übergang Reitzenhain wegen individueller Gefahrenprognose die Einreise verweigert worden. Die Betroffenen seien als gewaltbereit eingeschätzt worden.
Nach tschechischer Darstellung ist den Fans die Einreise verweigert worden, weil sie nicht genügend Geld vorweisen konnten. Ein solches Verhalten verstoße gegen das Prinzip des freien Personenverkehrs in der Europäischen Union, kritisierte das tschechische Außenministerium. Nach Berichten Prager Medien sollen am Montag am Übergang Reitzenhain 19 Tschechen abgewiesen worden sein, die zum Spiel ihrer Mannschaft gegen die USA in Gelsenkirchen fahren wollten. Die Fans hätten auf Aufforderung nicht je 30 Euro pro geplanten Tag in Deutschland vorweisen können, hieß es. Die deutschen Grenzer ließen sich auch dadurch nicht erweichen, dass die Tschechen Proviant dabei hatten und angaben, im Auto schlafen zu wollen.
Ein Mitarbeiter des Außenministeriums in Prag sagte, das Verhalten der deutschen Seite habe nichts mit dem Aussetzen des Schengen-Abkommens während der WM zu tun: «Tschechien ist ja noch gar nicht Mitglied des Schengen-Raumes. Wir wünschen Aufklärung.»
Am bayerischen Übergang Waidhaus verweigerten die deutschen Grenzbehörden zwei tschechischen «Problemfans» die Einreise. Die beiden Anhänger von Sparta Prag seien polizeibekannt und dürften erst wieder nach WM-Ende nach Deutschland einreisen, sagte ein Polizeisprecher. Seit dem Eröffnungsspiel am 9. Juni waren nach tschechischen Angaben allein über nordböhmische Grenzübergänge nach Sachsen rund 2700 Fans eingereist.