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Notizen von der Fußball-WM

13.06.2006, 15:58 Uhr

Einem Spender wird beim Deutschen Roten Kreuz Blut abgenommen.
Einem Spender wird beim Deutschen Roten Kreuz Blut abgenommen.

ZURÜCK: 70 Jahre nach den Olympischen Spielen ist João Havelange nach Berlin zurückgekehrt. Hier nahm der mächtige Brasilianer, von 1974 bis 1998 Präsident des Fußball-Weltverbandes (FIFA), 1936 an den Schwimmwettbewerben teil.

Havelange landete auf dem Flughafen Tegel. Am 8. Mai hatte er seinen 90. Geburtstag gefeiert. Den Besuch in Deutschland hatte der früher als Weltverbands-Boss stark umstrittene Brasilianer bereits vor Wochen angekündigt: «Ich will doch keine Weltmeisterschaft verpassen.»

ZAUNGAST: Nach seinem Sieg bei den French Open hofft Spaniens Tennisstar Rafael Nadal, dass seine Landsleute bei der Fußball-WM ähnlich erfolgreich spielen. «Wenn unsere Fußballer hier so glücklich sind wie ich in Roland Garros, wäre das für alle spanischen Fans ein Erfolg», schrieb Nadal in einer Kolumne für den spanischen Dienst der dpa. Mit den Deutschen sei auch bei dieser WM zu rechnen: «Sie sind geborene Sieger und haben obendrein den Heimvorteil.» Nadals Onkel Miguel Angel Nadal hatte an drei WM-Turnieren teilgenommen und war beim Erstligisten RCD Mallorca zeitweilig ein Schützling des heutigen Nationaltrainers Luis Aragonés gewesen.

PLANETARISCH: Die WM-Aktion eines Bordells in Halle hat nach einem Bericht der «Mitteldeutschen Zeitung» zwei Hilfsvereine entzweit. Das Freudenhaus bietet bei einem Torwandschießen mit Einsatz auch «Liebesdienste» als Preis an. Der Gelderlös geht über einen Bürgerverein an das Haus «Kinderplanet» am Universitäts-Klinikum in der Saalestadt, wo krebskranke Kinder behandelt werden. Gegen die Aktion hat die Grace-P.-Kelly-Vereinigung aus Calw (Baden- Württemberg) wegen ihrer Rechte am Namen «Kinderplanet» protestiert. Sie findet es unerträglich, dass ein Bordell mit dem Namen Kinderplanet Werbung macht.

DES EINEN FREUD: Das herrliche WM-Sommerwetter erfreut nicht jeden. «Das Geschäft läuft an solchen Tagen nur tröpfchenweise», klagte Toilettenmann Bruno Eckl vor dem Spiel Frankreichs gegen die Schweiz an seinem Arbeitsplatz am Stuttgarter Schlossplatz. «Bei der Hitze verdunstet die ganze Flüssigkeit wieder. Und die Leute trinken nur aus kleinen Flaschen, damit ihr Getränk nicht heiß wird.» Eckl erwartet allerdings, unabhängig von der Wetterlage, enormen Halbzeit Andrang zur Halbzeitpause.


ITALIEN VEREINT: Über 21 Millionen WM-begeisterter Italiener haben den 2:0-Sieg der Azzurri gegen Ghana im staatlichen RAI- Fernsehen verfolgt. Das entspreche einer Einschaltquote von 67,5 Prozent, teilte der Sender am Dienstag in Rom hocherfreut mit. Nach Monaten mit immer neuen deprimierenden Berichten über korrupte Spieler, Schiedsrichter uns Funktionäre im italienischen Fußballskandal scheinen die Zuschauer die Lust am Fußball neu entdeckt zu haben.

SPENDENFREUDE: Die Fußball-WM und das schöne Sommerwetter lassen die Blutkonserven in Niedersachsen und anderen Bundesländern schwinden. «Wir haben jetzt schon Einbußen von rund 15 Prozent am zu verzeichnen», sagte der Abteilungsleiter beim DRK-Blutspendedienst, Wolfgang Wehrend, in Springe bei Hannover. «Wenn wir während der WM über vier Wochen hinweg jeden Tag 20 Prozent weniger Blutspenden bekommen, wird es ein Problem.» Man wolle aber noch nicht von einem Engpass reden.

HOCHSPEZIALISIERT: Auf WM-Tickets hat sich eine Einbrecherbande in Unterfranken spezialisiert. Gleich in zwei Fällen brachen die Diebe laut Polizei am in die Wohnmobile von WM-Touristen ein. In Marktheidenfeld im Kreis Main-Spessart seien vier Männer aus Oberbayern um ihre Tickets für Vorrundenspiele erleichtert worden, während sie in ihrem Camper auf einer Raststätte schliefen. Wenig später seien dieselben Täter in ein Wohnmobil aus Tschechien eingedrungen, das auf einer Raststätte bei Aschaffenburg parkte. Die bestohlenen WM-Urlauber ließen ihre Tickets umgehend sperren und hoffen nun auf Ersatzkarten.

FAMILIENFANS: Ronaldos größter Fans heißt Ronald. Der sechs Jahre alte Sohn des brasilianischen Torjägers, von dessen Mutter Milene Domingues sich Ronaldo längst getrennt hat, wird ebenfalls bei der WM erwartet. «Er liebt den Fußball und ist jedes Mal begeistert, wenn sein Vater im Fernsehen zu sehen ist. Wenn ich im Bernabéu- Stadion spiele, sitzt er immer auf der Tribüne», sagte der Profi von Real Madrid auf der offiziellen WM-Seite der FIFA. «Wenn er ein Team in Gelb sieht, denkt er, dass die Seleção spielt. Das gelbe Trikot bringt er immer mit der Brasiliens Nationalelf in Verbindung.»

KICKENDE KRIPPENKINDER: Die Fußballstars Francesco Totti und Ronaldinho sind zur WM in einer der berühmten Weihnachtskrippen in Neapel verewigt worden. Krippenschnitzer Gennaro Di Virgilio fügte den italienischen Spielmacher und den Brasilianer als Hirten in die Krippe ein. Beide Holzfiguren sind rund 20 Zentimeter groß und tragen die Rückennummer 10. Als echter Patriot gab er seiner Totti- Figur auch noch den Weltmeisterpokal in die Hand. «Außerdem trägt mein Totti einen Glücksbringer, der der Nationalmannschaft sicher helfen wird», meinte der Schnitzer.

FEINDLICHE HILFE: Der formschwache und in Spaniens Fußball- Nationalteam derzeit von der Ersatzbank «bedrohte» Raúl erhält ausgerechnet aus den Reihen von Gruppengegner Saudi Arabien Unterstützung. «Raúl ist für Spanien einer der wichtigsten Spieler. Er kann in einem Spiel den Unterschied ausmachen», sagte Saudi- Arabiens Stürmer Sami Al Jaber, der vor seiner vierten WM-Teilnahme steht. Das Team aus dem Wüstenstaat trifft am 23. Juni im letzten Gruppenspiel auf Spanien.

ASIA-MASSAGE: Das Team der Ukraine hat für die Weltmeisterschaften sein Betreuungsteam aufgestockt. Ab sofort arbeitet auch ein japanischer Masseur für die Osteuropäer. Dies bestätigte Pressesprecher Igor Miroschnitschenko. Der Kontakt zu dem Japaner wurde über Superstar Andrej Schewtschenko hergestellt, der immer noch um seinen Einsatz im Auftaktspiel gegen Spanien bangen muss.

KONTAKTFREUDIG: Marco van Basten hält seine Spieler an der langen Leine. Die niederländischen Profis hätten im WM-Quartier in Hinterzarten alle Freiheiten, meint der Trainer der Niederländer. Auf die Frage, ob das auch gelte, wenn die Freundinnen in dieser Woche in Freiburg erwartet werden, antworte der Bondscoach am Dienstag gut gelaunt: «Es kommen ja nicht nur die Freundinnen, sondern auch die Ehefrauen. Es wird viel Betrieb herrschen.»

FREIZEIT: Den freien Montag nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen Angola haben die portugiesischen Kicker auf unterschiedliche Weise genutzt. Ein Teil der Mannschaft verbrachte den Nachmittag in einem Biergarten im nahe gelegenen Bielefeld, während Fernando Meira, Hugo Viana, Ricardo Costa, Tiago und Petit einen Ausflug zum Tennis- Turnier in Halle/Westfalen machten. Torhüter Ricardo entspannte auf dem Golfplatz, Kapitän Luis Figo erholte sich im Hotel.

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