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Schwarzmarkthandel mit Tickets floriert

Hannover (dpa) - 13.06.2006, 13:00 Uhr

Auch Tickets für das Spiel Brasilien - Kroatien werden angeboten.
Auch Tickets für das Spiel Brasilien - Kroatien werden angeboten.

Namen will niemand nennen. Und auch sonst machen die Männer rund um das WM-Stadion in Hannover nicht viele Worte: «Tickets, anybody needs Tickets?» («Braucht jemand Tickets?») raunen sie den Menschenmassen zu, die zum Spiel Italien-Ghana strömen.

Ein Berliner im Italien-Trikot, der ein Pappschild «Tickets?» hochhält, wird ständig angesprochen. Für 100 Euro bietet ihm ein Argentinier eine Eintrittskarte der ersten Kategorie an. Sein Freund sei nicht wie geplant mitgekommen. Der Berliner lehnt ab - er will nicht mehr als 50 Euro zahlen.

Eigentlich wollte die FIFA den Schwarzhandel mit den Tickets unterbinden. In einem aufwendigen Verfahren wurden die Karten personalisiert. Nur wer sich als «Paul Müller» ausweisen konnte, sollte mit einer auf «Paul Müller» ausgestellten Karte ins Stadion gelangen. Nun sagt der Geschäftsführer des WM-Organisationskomitees in Hannover, Karl Rothmund: «Wir können natürlich nicht 44 000 Karten kontrollieren.» Am Stadioneingang werden nur Stichproben gemacht, und dies hat sich bei den Händlern herumgesprochen. Strafbar ist der Verkauf von Karten nicht, wie ein Polizeisprecher erläutert.

Leuchtet am Einlass ein grünes Licht auf, darf der Besucher ins Stadion. Bei rot wird der Personalausweis verlangt. Wie oft kontrolliert wird, will Rothmund nicht sagen. Für jedes der zwölf WM-Stadien gebe es eine vorgeschriebene Anzahl von Stichproben. Allerdings sei das in der Tat nur ein Bruchteil.

Die 100 Euro, die der Argentinier für die Karte seines Freundes verlangt, wären immerhin ein reeller Preis gewesen. Die Tickets kosteten im Vorverkauf je nach Kategorie zwischen 45 und 100 Euro. Dementsprechend haben die Händler, die für Italien-Ghana 150 Euro und mehr verlangen, Schwierigkeiten, ihre Karten loszuwerden.


Man dürfe aber «auch nicht immer nur vom Geld reden», sagt Rothmund. «Entscheidend ist der Sicherheitsaspekt. Die ganze Personalisierung wurde wegen der Sicherheit gemacht.» Polizeibekannte Hooligans sollten so keine Chance erhalten, in die Stadien zu gelangen. Die Gefahr, dass sich nun doch Gewalttäter mit schwarz gekauften Tickets in die Stadien mogeln, schätzt Rothmund als «sehr gering» ein. «Das sind alles bekannte Leute, die in Karteien erfasst sind.» Es gebe noch immer genügend Verfahren, die Randalierer zu identifizieren.

Die meisten Ticketsuchenden in Hannover machen einen äußerst friedlichen Eindruck. Ein Hamburger, der kurzfristig zu dem Italien-Spiel gehen möchte und dafür im Tausch Karten für die Partie Holland-Elfenbeinküste in Stuttgart anbietet, sagt denn auch: «Mir geht es einfach um die Stimmung, um Fußball.» Er wolle seine Holland-Tickets notfalls in Stuttgart losschlagen. «Ich nehme aber den Normalpreis. Ein Business will ich damit nicht machen.»

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