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Ballack besteht Härtetest und warnt vor Polen

Berlin (dpa) - 12.06.2006, 15:36 Uhr

Michael Ballack zurück in der Mannschaft.
Michael Ballack zurück in der Mannschaft.

Der Kapitän ist zurück auf der Kommandobrücke - und hat sein Team sofort eindringlich vor dem nächsten WM-Gegner gewarnt. «In Polen gibt es im Moment heiße Luft. Angeschlagene Boxer sind die gefährlichsten», mahnte der von einer Wadenverletzung genesene Michael Ballack.

Zuvor hatte er den Härtetest für seine lädierte Wade auf dem Trainingsplatz bestanden. «Ich freue mich, dass ich endlich eingreifen kann», betonte der Chef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, der nach den Irritationen um sein Fehlen im WM-Eröffnungsmatch gegen Costa Rica nur noch «nach vorn blicken» wollte. «Wir wollen versuchen, vorzeitig den Einzug ins Achtelfinale zu schaffen», gab Ballack für die Partie am 14. Juni in Dortmund (21.00 Uhr) das klare Ziel aus.

Unter extremer Beobachtung war der Mittelfeldstar, der zuvor wegen des Blutergusses in der rechten Wade nur ein Sonderprogramm absolvieren konnte, wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. «Ich hatte ständig ein Auge drauf. Das sah sehr gut aus», sagte Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt danach der dpa. Am Wochenende habe sich Ballack noch «ganz vorsichtig» heran getastet, jetzt könne von Grünem Licht für den Einsatz des Kapitäns gegen Polen ausgegangen werden: «Es sieht so aus», erklärte Müller-Wohlfahrt, der als engster Vertrauter von Jürgen Klinsmann wegen «zu hohen Risikos» von einem Ballack-Einsatz schon im ersten WM-Spiel abgeraten hatte.

Das Thema ist für den 29-jährigen DFB-Kapitän jetzt zweitrangig. «Ich habe ein paar Mal mit dem Trainer gesprochen», berichtete Ballack von einer intensivierten Kommunikation mit dem Bundestrainer. «Unmittelbar nach dem Eröffnungsspiel hat Michael auch eingesehen, dass ein Mitwirken zu früh gekommen wäre», bemerkte Co-Trainer Joachim Löw. Jetzt konnte Ballack - anders als vor dem Costa Rica-Spiel - die Forderung von Klinsmann erfüllen, zwei Tage vor der Partie wieder alles mitzumachen. Auch die zweite Übungseinheit unter Ausschluss der Medien am Montagabend sollte Ballack laut Aussage von Müller-Wohlfahrt «voll bestreiten».

Die Rückkehr von Ballack, für den der Bremer Tim Borowski wieder auf die Bank muss, soll vor 65 000 Zuschauern in der ausverkauften Dortmunder WM-Arena die einzige Veränderung gegenüber der WM-Startelf sein. «Er gibt der Mannschaft noch einmal mehr Qualität. Es ist wichtig, dass wir seine Offensivkraft wieder auf dem Platz haben», sagte Löw, der auch auf die spielentscheidenden Tore von Ballack wie bei der WM 2002 verwies: «Er kann das 1:0 oder das 2:1 machen. Und er ist in der Lage, auch in schwierigen Situationen das Spiel zu beruhigen und zu organisieren.»


Wie das aussehen soll, weiß Ballack schon genau, obwohl die sportliche Leitung die Spieler erst nach dem Flug von Berlin nach Dortmund mit einem Videostudium auf die polnische Mannschaft einstellen will. Am Abend bekommen die Akteure nochmals Stärken und Schwächen aus der Partie gegen Costa Rica zu sehen, die Chefscout Urs Siegenthaler visuell aufgearbeitet hatte. Jeder Spieler müsse «noch einen Tick mehr darauf achten», seine Defensiv-Aufgaben zu erfüllen, mahnte Ballack. Zum Vorbild erklärte er den 3:0-Sieg vor einem Jahr beim Confederations Cup gegen Tunesien, der auf das 4:3 gegen Australien gefolgt war. «Das wäre nicht nur für die Trainer, sondern auch für uns Spieler ein Wunsch.»

Um dieses «zu Null» erreichen zu können, ohne den mutigen offensiven Stil aufzugeben, nahm Klinsmann sein Personal nach dem freien Tag gleich zwei Mal intensiv ran. Cheftaktiker Löw gab der Viererkette nochmals eine intensive Lehrstunde. Auch Arne Friedrich soll trotz seiner Auftakt-Schwächen wieder auf der rechten Seite ran. In den Trainings-Spielchen Fünf gegen Fünf zeigte sich der Berliner besonders bissig. «Wir wissen, dass es ein schwerer Weg wird und ein heißes Spiel», begründete Klinsmann den Schwerpunkt Aggressivität in der Übungseinheit.

«Die Polen stehen mit dem Rücken zur Wand. Für sie ist es ein Endspiel», ergänzte der Bundestrainer. Eine zweite Niederlage nach dem 0:2 gegen Ecuador würde schon das Aus für Deutschlands östlichen Nachbarn bedeuten. «Das macht sie gefährlicher und ein Stück unberechenbarer», meinte Löw. Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger warnte: «Für die Polen ist es ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Es darf sie keiner unterschätzen.» Für Doppelspitzen-Kollege Gerhard Mayer- Vorfelder ist Polen dagegen nur eine Etappe. Der scheidende Verbands- Chef war sich schon am vierten Turniertag sicher, dass Klinsmann «nach zwei Jahren harter Arbeit» bei der WM «die Früchte ernten kann».

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