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Friedrich will Abwehr-Monopol verteidigen

Berlin (dpa) - 12.06.2006, 12:37 Uhr

Arne Friedrich (l) und Philipp Lahm spielern im DFB-Quartier Tischtennis.
Arne Friedrich (l) und Philipp Lahm spielern im DFB-Quartier Tischtennis.

Als Therapie wählte Abwehrspieler Arne Friedrich die Flucht zu Freundin Linn und zur Familie - ob sie gewirkt hat, wird man am 14. Juni gegen Polen sehen.

Trotz der schwachen Vorstellung im WM-Eröffnungsmatch gegen Costa Rica (4:2) und der folgenden heftigen Kritik bleibt Monopolist Friedrich für Jürgen Klinsmann die erste Wahl auf der rechten Abwehrseite. «Wir sehen da kein großes Problem. Wir haben Vertrauen in Arne», betonte der Bundestrainer, der in seinem WM-Masterplan nur für «Notfälle» eine Versetzung von Bernd Schneider oder sogar Torsten Frings in die Vierer-Abwehrkette vorgesehen hat.

Der Notfall aber scheint für Klinsmann, der Friedrich die einzige Monopol-Stellung im 23er WM-Kader zugestanden hatte, trotz der spürbaren Verunsicherung des Berliners noch nicht gegeben. «Wenn mal ein Fehler passiert, wie es beim ersten Gegentor der Fall ist, das passierte er eben», betonte der Bundestrainer als Reaktion auf die Debatten um den 27 Jahre alten Hertha-Profi, der schon in der WM-Vorbereitung einige Schwächen gezeigt hatte.

So probte Klinsmann den Notfall mit Leverkusens Routinier Schneider schon mal im Testspiel gegen Japan (2:2), ohne dass dies die Abwehr-Stabilität wesentlich verbessern konnte. Auf eine Wiederholung hat Schneider ebenso wenig Lust wie Philipp Lahm auf eine Umsetzung nach rechts. «Ich bin Linksverteidiger bei Bayern und in der Nationalelf», betonte Lahm demonstrativ.

Nach Friedrichs Defiziten zum Turnier-Start («Ich war einfach angespannter und nervöser als sonst») räumte Klinsmann lediglich ein: «Wir haben keine zweiten gelernten Rechtsverteidiger. Das eröffnet hier und da ein paar Diskussionen.» Doch der WM-Projektleiter schloss sofort deutlich an: «Er war nicht der Einzige, der einen Fehler gemacht hat.»


Für die sportliche Leitung mussten Friedrich sowie seine Ketten-Kollegen Per Mertesacker und Christoph Metzelder auch das mit ausbaden, was schon die Stürmer und vor allem die Mittelfeldspieler verzapft hatten: Sie verhinderten die langen Pässe der Kontrahenten nur ungenügend. «Wir müssen da einen Filter einbauen», forderte Klinsmann eine Verengung der Räume.

Hoffnung auf persönliche Besserung schöpft Friedrich, der mit Mertesacker, Metzelder und Philipp Lahm im Montagstraining von Klinsmann-Assistent Löw eine weitere intensive Viererketten-Schulung erhielt, vor allem aus der Vergangenheit. «Ich kann besser spielen», bemerkte der gebürtige Westfale mit Hinweis auf den Confederations Cup. Vor einem Jahr hatte er zunächst auch in der Kritik gestanden und seinen Platz zeitweise an Patrick Owomoyela verloren, steigerte sich aber deutlich und gehörte beim WM-Probeturnier zu den Besten.

Die theoretischen Forderung von Klinsmann und Löw sind klar: Die Kette soll bei Ballbesitz weit aufrücken. «Nur müssen wir dann sehen, wenn Gefahr droht, dass wir auch zurückweichen und nicht einfach nach vorne gehen», erklärte Cheftaktiker Löw. Auf Abseits wolle man eigentlich gar nicht spielen, das habe man auch gar nicht trainiert.

Friedrich weiß, dass er wieder mehr auf seinen Biss und seine Schnelligkeit setzen muss, um sein Monopol zu verteidigen. Am Montag verdeutlichte er dies im Trainingsspielchen Fünf gegen Fünf: Selten sah man den Berliner so engagiert und kämpferisch.

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