In Nürnberg waren mehr als tausend Menschen vor der Partie Mexiko - Iran dem Aufruf der Israelitischen Kultusgemeinde und des Deutschen Gewerkschaftsbunds gefolgt und hatten gegen die Politik des Iran und dessen Präsidenten protestiert. Leipzig war fest in Oranje-Hand: Zehntausende holländische Fans feierten den 1:0 Sieg der Niederlande im Spiel gegen Serbien-Montenegro im Leipziger Zentralstadion gefeiert. Schon seit dem frühen Morgen wurde die Stadt bei ausgelassener Volksfeststimmung von der Farbe Orange dominiert. Laut Polizei feierten insgesamt rund 50 000 in- und ausländische Fans im Stadion, auf Straßen und Plätzen sowie beim Fan-Fest den ersten WM-Spieltag in Leipzig, der einzigen WM-Stadt in den neuen Bundesländern. Größere Zwischenfälle während der Feiern blieben aus. Allerdings wurden ein 46-jähriger US-Amerikaner sowie zwei aus Polen stammende Männer festgenommen als sie versuchten, gefälschte oder gestohlene Tickets zu verkaufen. Das größte Fußballfest feierte Berlin. In der Hauptstadt kamen an den ersten drei Tagen der WM mehr als 500 000 Menschen zusammen. Zeitweise war die offizielle Fan-Meile auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor in ein schwarz-rot- goldenes Fahnenmeer getaucht. Manche erinnerten sich an große historische Momente aus der Zeit der Wiedervereinigung. «Seit dem Mauerfall war hier nicht mehr so viel Schwarz-Rot-Gold zu sehen.» In ganz Deutschland zeigen die Fußball-Fans seit WM-Beginn immer öfter Flagge. Überall sind Autos mit der Nationalfahne am Fenster oder an der Radioantenne unterwegs, an Fenstern und Balkonen hängen Flaggen. Dennoch war es von Beginn an ein internationales Fußball- Fest in Deutschland. Viele Engländer hatten sich mit ihrem Union-Jack eingekleidet, Südamerikaner fielen mit bunten, breitkrempigen Hüten auf. Traurig waren die polnischen Fans über den Fehlstart ihres Teams gegen Ecuador (0:2). Doch es gab keine Sicherheitsprobleme. Riesenstimmung das ganze Wochenende über in Hamburg: Die als eher kühl geltenden Hanseaten schwangen zusammen mit ihren argentinischen Gästen auf dem Heiligengeistfeld die Hüften. Hamburg war in blau-weiß getaucht, Dortmund in blau-gelb - passend zum Massenbesuch der Schweden beim Match gegen Trinidad und Tobago. Hunderte Autos fuhren vor allem in den Städten mit WM-Spielen, aber auch in Berlin auf dem Kurfürstendamm, mit Hupkonzerten und wehenden Fahnen durch die Innenstädte. Der Kudamm musste zeitweise gesperrt werden. Auch am Siegestor in München war längere Zeit «kein Durchkommen mehr», sagte ein Polizeisprecher. Die Ordnungshüter drückten oft die Augen zu. «Solange niemand gefährdet wird, schreiten wir nicht ein», hieß es in Berlin. Bundesweit nahm die Polizei nach einer ersten Übersicht bis Sonntagmittag etwa 500 Menschen fest. Die Anlässe waren meist eher geringfügig - Raufereien, Diebstähle, Ausraster von Betrunkenen. Die Sicherheitslage war überall ruhig. Die größten Probleme entstanden bei der Sommerwärme durch übertriebenen Alkoholgenuss. «Das Bier fließt reichlich», sagte ein Polizeisprecher in Hamburg kritisch. Bis auf gelegentliche Staus durch Auto-Corsos lief auch der Verkehr in den WM-Städten insgesamt reibungslos.
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