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«Traumstart» in die WM - Lange Nacht der Fan-Feste

Berlin/München (dpa) - 10.06.2006, 22:02 Uhr

Die Fans feiern in der Berliner Waldbühne den 4:2-Sieg der DFB-Elf.
Die Fans feiern in der Berliner Waldbühne den 4:2-Sieg der DFB-Elf.

Ein friedlicher, fröhlicher, farbenfroher Traumstart ins große Fußballfest: Mehr als eine Million Fans haben am Freitagabend, in der Nacht und am Samstag auf Straßen und Plätzen einen ungetrübten Beginn der Fußball-WM gefeiert.

«Ein wunderbarer Fußballtag in Deutschland», sagte Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU), vom «Traumstart unter Sicherheitsaspekten» sprach Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU). Die wenigen Störer standen als Minderheit klar im Abseits. Die «Fußball-Sause» ging am Samstag bei strahlendem Sonnenschein weiter.

Wie Polizei und Feuerwehr zog auch der geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, eine rundum positive Auftakt-Bilanz: «Die Fan-Feste zeigten die Lebenswirklichkeit in Deutschland. Die Leute wollen Optimismus, und der Fußball bietet ihnen eine Plattform», sagte Zwanziger der dpa. Das deutsche Organisationskomitee und der Weltfußballverband FIFA bewerteten den WM-Anpfiff ebenfalls als «positiven Start».

Einen Tag vor dem Leipziger Spiel Niederlande gegen Serbien- Montenegro (Sonntag) tanzten die Fan-Gruppen beider Länder Arm in Arm nahe der Nikoleikirche. Schon mehr als drei Stunden vor dem Samstagsspiel England-Paraguay zog es Tausende Briten zum Fan-Fest am Main. Viele hatten sich in englische Flaggen gehüllt und stimmten ihre Schlachtgesänge an. Die Hooligan-Experten der Polizei machten auch nach der Partie (1:0 für England) keine Krawallmacher aus. Es sei bundesweit ruhig, sagte ein Sprecher der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS).

Auf der mit über 2,5 Kilometer größten Fan-Meile im ganzen WM- Land versammelten sich am Brandenburger Tor in Berlin wieder zehntausende Menschen. Ähnlich sonnig und heiter ging es auch auf Mallorca zu. Bei «nur» etwa 20 Grad jubelten beim Deutschland- Spiel gegen Costa Rica allein im größten Biergarten der spanischen Ferieninsel in s'Arenal 6000 deutsche Urlauber. Ganz Dortmund war in gelb-blau getaucht. Vor dem WM-Start der Schweden gegen Trinidad und Tobago zogen Tausende Skandinavier singend und mit «Sverige, Sverige»-Rufen durch Innenstadt und Biergärten.


Ein Signal gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass setzten etwa 5000 Menschen in Gelsenkirchen mit ihrem Protestzug gegen eine NPD- Demonstration von rund 200 Teilnehmern. Für das brisante WM-Spiel Mexiko-Iran sehen sich die Behörden in Nürnberg gut vorbereitet. Man werde mit starken Polizeikräften vor Ort sein, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zum ersten Spiel der iranischen Mannschaft wird Vizepräsident Mohammed Aliabadi in Nürnberg erwartet. In der Innenstadt wollen vorher mehrere Organisationen gegen die atomare Aufrüstung und die israelfeindliche Politik der Teheraner Regierung demonstrieren.

Vom stundenlangen Feiern auf den WM-Partymeilen hatten die Fans am Freitagabend nach dem 4:2 der Gastgeber gegen Costa Rica in München und dem 2:0 von Ecuador über Polen in Gelsenkirchen noch lange nicht genug. Bis weit nach Mitternacht bevölkerten sie in Auto-Corsos die Bummelmeilen der Stadtzentren, feierten mit Hupkonzerten, Tröten und Trompeten und ließen ein schwarz-rot- goldenes Fahnenmeer wehen. In Berlin, auf der Straße des 17. Juni und am Brandenburger Tor, wohin mehr als 300 000 Menschen geströmt waren, erinnerten sich manche an große historische Momente: «Seit dem Mauerfall war hier nicht mehr so viel Schwarz-Rot-Gold.»

Eine Panne gab es am zweiten WM-Tag auf Norddeutschlands größter WM-Party in Hamburg: Die vier Tribünen rund um die Fan-Arena auf dem Heiligengeistfeld blieben wegen technischer Mängel gesperrt. «Das ist sehr enttäuschend», sagte ein Sprecher der Veranstalter am Abend. Etwa 7000 Plätze waren von der Sperrung betroffen. «Uns war einfach das Risiko zu groß», sagte der Sprecher. Die Tribünen-Firma arbeite nun mit Hochdruck an der Reparatur, um die Fehler in der Konstruktion schnell zu beheben.

Dennoch war die erste große WM-Party vor allem ein buntes internationales Fest. In Frankfurt/Main mischten sich schon am Freitag immer mehr Engländer mitfeiernd unter das Volk. Auch in Gelsenkirchen gab es vor dem 0:2 der Polen gegen Ecuador viel Verständigung und gemeinsame Gesänge. Tausende polnische Fans traten noch in der Nacht zwar bitter enttäuscht, aber ohne Reibereien die Rückfahrt in ihre Heimat an.

Nur etwa 20 Festnahmen gab es in Frankfurt, 19 in Berlin. «Völlig normal für diese Dimensionen», sagten Polizeisprecher. Insgesamt vermeldete die Polizei jedoch nur positive Bilanzen. «Gemessen an der Größe der Veranstaltungen war es sogar extrem ruhig», sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion in Stuttgart. «Fröhlicher Ausnahmezustand», nannte das die Polizei in Hannover. Etwas mehr Festnahmen, nämlich 67, gab es in München. DFB-Chef Zwanziger fasste die Lage in Deutschland so zusammen: «Die ganz große Mehrheit wollte einfach nur mitsehen, mitfeiern und mitsingen.»

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