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Schwarzmarktpreise: 1400 Euro für England-Tickets

Frankfurt/Main (dpa) - 10.06.2006, 16:32 Uhr

Englische Fans stimmen sich auf das Spiel ihrer Mannschaft gegen Paraguay ein.
Englische Fans stimmen sich auf das Spiel ihrer Mannschaft gegen Paraguay ein.

Der Schwarzmarkt bei der Fußball- Weltmeisterschaft blüht. Bis zu 1000 Pfund (1456 Euro) forderten Händler für Eintrittskarten zur Partie England-Paraguay in Frankfurt. Englische Schlachtenbummler schüttelten enttäuscht und verständnislos die Köpfe.

«Bis zu 650 Euro würde ich zahlen, aber das ist Wahnsinn», empörte sich Kevin aus Manchester. James hatte mehr Glück und traf auf einen weniger geldgierigen Fan. «Ich habe für 100 Euro eine Karte bekommen und kann es gar nicht fassen. Oh mein Gott», rief der Anhänger aus Manchester und begab sich auf die nächste Suche: «Ich brauche noch eine Karte für meinen Kumpel.»

Schon sechs Stunden vor dem Spiel standen Menschen in hoffnungsvoller Erwartung vor dem Ticket-Center an, ungeachtet der Hinweise auf ein ausverkauftes Stadion. Zahlreiche Ticketsuchende hatten sich mit selbst gebastelten Schildern («Ticket wanted - Brauche Ticket») vor den Eingängen postiert.

«Ich war schon in England beim Fußball. Da herrscht eine tolle Atmosphäre. Deshalb würde ich das Spiel gerne live sehen», beschrieb Markus aus Rüsselsheim seine Motivation. Die horrenden Preise wollte er allerdings nicht bezahlen. «Ich würde höchstens ein kleines Taschengeld auf den Normalpreis drauflegen.» Den Händlern rang das nur ein müdes Lächeln ab. Mit wenigen Ausnahmen lag die Mindestforderung bei 400 Euro. Warnungen der Polizei, die über Lautsprecher wegen der Gefahr von Kartenfälschungen von einem Kauf dringend abriet, verhallten meist ungehört.

Kein Wunder, denn die personalisierten Einlasskontrollen an den Stadiontoren wurden nur sporadisch durchgeführt. Leuchtete die grüne Lampe auf, war der Weg frei. Die auf den Automaten aufblinkenden Geburtsdaten fanden wenig Beachtung. Ein ungefähr 50-jähriger Mann fand Einlass, obwohl ihn seine Karte als 2004 geborenens Kleinkind auswies. «Wenn solche Fälle auftreten, fragen wir nach, woher jemand die Karte hat. Meistens sind es in der Familie verschenkte Tickets», sagte ein Kontrolleur am Haupteingang.

Die, die keine Karten mehr bekamen, campierten auf den Wiesen vor den Eingängen, betäubten ihren Frust mit Bier und saugten die Stimmung aus großer Entfernung auf oder zogen in die Stadt. Alle ein wenig neidisch auf die 48 000 Fans, die im Stadion eine tolle Fußball-Party feierten.


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