Lahms traumhafter WM-Start
München (dpa) - 09.06.2006, 20:22 Uhr
Michael Ballack gratuliert Philipp Lahm (r) zu seinem Treffer gegen Costa Rica.
München (dpa) - Die Vorbereitung begann mit einem Schock, die WM mit einem Traum: Nach nur sechs Minuten brachte Philipp Lahm die DFB-Elf im WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica mit einem fulminanten Distanzschuss in Führung und war auch danach der beste Mann. 24 Tage nach seiner schweren Verletzung und der anschließenden Operation am Ellbogen feierte der Profi des FC Bayern München damit in seinem Heimstadion eine glanzvolle WM-Premiere und den ersten Erfolg bei der Endrunde. «Es ist immer wichtig, dass man mit einem Sieg in so ein Turnier startet, vor allem zu Hause», sagte Lahm. «Man hat gesehen, was für eine Euphorie hier im Stadion war. Der Erfolg gehört auch den Fans.» Besonders ihn hatten sie bejubelt, nicht nur wegen seines schönen Tores. Immer wieder schaltete sich der ständig anspielbereite 22-Jährige in die Offensive ein, hinten bügelte er sogar Fehler seiner Nebenleute mit aus. Nur eine Sorge bleibt nach diesem Auftritt beim 4:2-Auftaktsieg gegen Costa Rica: Lahm ließ sich während der Partie mehrfach am Ellbogen-Gelenk behandeln. Antrittsschnell zog Lahm in der sechsten Minute vom linken Flügel auf Höhe des 16-Meter-Raumes nach innen, schaute kurz auf und zog mit dem rechten Fuß unhaltbar in den Torwinkel ab. «Wenn ich das wüsste, würde ich das jedes Spiel machen», sagte der Abwehrspieler über seinen Kunstschuss. «Natürlich gehört auch Glück dazu, den Ball richtig zu treffen.»
Der 50-Meter-Sprint zur deutschen Bank endete in den Armen von Ersatztorwart Timo Hildebrand. Nur abklatschen konnte er seine Mitspieler dort nicht, weil der linke Arm immer noch dick verbunden in einer maßangefertigten Spezialschiene steckt. Doch nicht nur als Vollstrecker trat Lahm in Szene, das 3:1 durch Klose bereitete er mit einer Flanke von der linken Seite vor. Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Lahm mussten aber auch eine Schrecksekunde verkraften. Bei einem Zweikampf in der 48. Minute zog Gilberto Martinez den 1,70 Meter großen Verteidiger am verletzten Arm zu Boden. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt sich Lahm danach das Gelenk und suchte Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt auf, spielte aber souverän und abgeklärt weiter. Doch auch für die nächsten Spiele bleibt für Lahm, der den Arm mit der Manschette nur im Winkel von 30 bis 90 Grad beugen kann, ein Restrisiko. «Ich darf nicht auf die ausgestreckte Hand fallen. Deshalb haben wir geübt, wie ich das vermeide», hatte der Münchner schon zuvor erklärt. Lange war nicht klar, ob Lahm nach seiner Verletzung im «Jux-Spiel» gegen Luckenwalde rechtzeitig wieder fit würde. Klinsmann aber reservierte ihm den Stammplatz und lag damit goldrichtig. Schon drei Tage nach seinem Unfall hatte Lahm mit einer starren Gipsschiene mit dem Lauftraining begonnen und rackerte enorm. Den Gelenk-Schutz muss der Bayern-Profi noch rund vier Wochen tragen.
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