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Verwirrspiel um Ballack geht weiter

München (dpa) - 09.06.2006, 00:35 Uhr

Michael Ballack vor dem Hotel in München.
Michael Ballack vor dem Hotel in München.

Michael Ballack vermeldete 18 Stunden vor dem Eröffnungsspiel eine Wunderheilung - doch ob der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft aufläuft, bleibt ungewiss.

Ballack verkündete über die «Bild»-Zeitung seine Einsatzbereitschaft für die Partie gegen Costa Rica in München. «Ich habe mich intensiv behandeln lassen. Ich fühle mich fit, spüre keine Schmerzen mehr. Ich will spielen», wird Ballack von dem Blatt zitiert.

Der 29-jährige Mittelfeldstar überraschte am späten Abend mit der Aussage: «Ich bin beschwerdefrei.» Dies habe er auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann so mitgeteilt. «Ob er mich gegen Costa Rica spielen lässt, ist jetzt seine Entscheidung.»

Am Vortag hatte Klinsmann auf der offiziellen Pressekonferenz des DFB den Ausfall des 29 Jahre alten Mittelfeldstars wegen dessen Wadenverletzung vermeldet: «Das Allerwichtigste ist voraus zu blicken. Wir hoffen, dass er zum zweiten Spiel zur Verfügung steht», erklärte der Bundestrainer.

Zum Abschlusstraining in der Münchner WM-Arena hatte Ballack gefehlt. Er absolvierte stattdessen eine spezielle Übungseinheit im Mannschaftshotel. Zuvor hatte die medizinische Abteilung des DFB noch eine Kernspin-Untersuchung der lädierten rechten Wade veranlasst, die jedoch keine schwerwiegende Schädigung aufzeigte.


Ballack hatte sich öffentlich dagegen verwahrt, dass er zu sorglos mit der Blessur umgegangen sei und dabei Unterstützung von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff erhalten. «Er hat sich professionell verhalten. Die Anschuldigungen sind nicht angebracht», sagte Bierhoff. Die Spekulationen waren aufgekommen, nachdem Klinsmann davon gesprochen hatte, Ballack habe die Verletzung «unterschätzt». Zuvor hatte der Spieler berichtet, dass er keine Veranlassung zu einer früheren Behandlung gesehen und die Pfingstferien bis zum vereinbarten Ende mit seiner Familie verbracht habe.

Er habe erst am Sonntagabend «leichte Muskelprobleme» verspürt. Der 29-Jährige ließ über den DFB sogar eine Stellungnahme verbreiten, in der er sich zur Wehr setzte: «Es ist fast schon eine Rufschädigung, wie über mich gesprochen und was über mich verbreitet wird.» Er täte seit Tagen alles, um schnellstmöglich wieder fit zu werden. «Die WM ist das größte Ereignis meiner bisherigen Karriere.»

Klinsmann hatte sogar ankündigt, dass Ballack Sonderschichten nach seiner Gesundung absolvieren müsse: «Er muss dann doppelt so viel arbeiten.» Dass es um die Verletzung Ballacks erhitzte Gemüter gegeben hatte, wunderte Bierhoff nicht: «Er ist der Kapitän, unser Aushängeschild», meinte der Teammanager. «Wir müssen mit den Spekulationen leben.»

Klinsmann lebte derweil die Kampfeslust und Vorfreude im schwarz- rot-goldenen Team förmlich vor. Beim letzten Medienauftritt hatte er die Ärmel seines dunkelblauen Hemdes bereits hochgekrempelt, mit entschlossenen Parolen eröffnete er verbal den geplanten Sturmlauf Richtung Finale. «Jeder fiebert dem Moment entgegen, dass es losgeht. Die Mannschaft weiß, was sie will. Sie will einen positiven Start. Wir wollen einen Dreier. Wir werden uns zerreißen», versprach Klinsmann in beschwörenden Sätzen. Nach 1954, 1974 und 1990 ist der vierte WM-Stern auf dem DFB-Trikot das Ziel. Jedem Spieler würde der Titel die Rekordprämie von 300 000 Euro einbringen.

Der Projektleiter der «Mission 2006» weiß, dass wie vor vier Jahren beim deutschen WM-Rekordsieg gegen Saudi-Arabien (8:0) das erste Spiel Richtung weisend ist: «Was wir zeigen, wird die Stimmung vorgeben für die nächsten Tage.» Einen «Selbstläufer» dürfe niemand erwarten, eher ein «Geduldsspiel» und einen Abnutzungskampf. «Wir bekommen den ersten Gradmesser gegen Costa Rica. Die werden uns das Leben schwer machen von der ersten Sekunde an. Die werden auf alles losgehen, was sich bewegt», prophezeite Klinsmann.

Mental und physisch will der Gastgeber voll dagegen halten, der große Erwartungsdruck soll mit Hilfe des Publikums in positive Energie umgesetzt werden. Miroslav Klose, der 2002 in Sapporo mit drei Toren gegen die Saudis gleich durchstartete, glaubt fest an eine Siegesparty an seinem 28. Geburtstag. «Wir nehmen uns vor, von der ersten Minute an Vollgas zu geben und das Publikum hinter uns zu ziehen», sagte der Sturmführer, der sich trotz einer Bindehautentzündung am rechten Auge fit und in Top-Form fühlt.

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