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Merkel nutzt die WM auch zur Diplomatie

Berlin (dpa) - 08.06.2006, 14:57 Uhr

Angela Merkel spricht beim FIFA-Kongress in München.
Angela Merkel spricht beim FIFA-Kongress in München.

Ihr SPD-Vorgänger Gerhard Schröder hätte in diesen Tagen bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Ball mit Verve in Richtung Tor gekickt. Aber auch Angela Merkel wird die WM mit mehr Herzblut verfolgen als viele vielleicht vermutet hätten.

Allerdings tut Merkel dies auf andere Art als der Mann, der einst bei TuS Talle der Stürmer «Acker» war. Zum WM-Auftakt wird die Kanzlerin in München das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica besuchen, Seite an Seite mit dem costa-ricanischen Präsidenten Óscar Arias Sánchez. Im Stadion werden sie sich dann zum zweiten Mal sehen. Für den Vormittag ist bereits ein Treffen in Berlin angesetzt, in dem es nicht um Fußball, sondern um die Lage in Zentralamerika gehen soll.

Merkel will die WM auch für Kontakte mit ausländischen Gästen nutzen, die als «Staatsfans» ihrer Teams nach Deutschland kommen und die sie sonst auch nicht so häufig sieht. Kommende Woche schaut zum Beispiel die südkoreanische Ministerpräsidentin Han Myung Sook bei Merkel vorbei. Auch sie hat die Kanzlerin persönlich noch nicht getroffen.

Und in den nächsten vier Wochen stehen auch noch sechs weitere Begegnungen in ihrem Terminkalender: Die übrigen Vorrunden-Spiele der Deutschen, denen sie schon von Amts wegen «etwas mehr» die Daumen drücken wird als den anderen 31 WM-Teams. Ein Viertel- und ein Halbfinale und natürlich das Endspiel möchte sie sehen. Das ist so etwas wie das Pflichtprogramm für den Kanzler des Gastgeberlandes, auch wenn ihr Terminkalender durch den EU-Gipfel und Dauergespräche in Berlin über die verschiedenen Reformvorhaben schon jetzt randvoll ist.

Der Fußball übt auf die Kanzlerin durchaus einen Reiz aus, auch wenn sie von sich sagt: «Ich bin eigentlich eher ein stiller Beobachter und springe nur auf, wenn ein Tor fällt.» Durchaus dankbar nahm Merkel die Einladung ihres kroatischen Amtskollegen Ivo Sanader an, mit ihm am 13. Juni im Berliner Olympiastadion den Vorrundenknüller Brasilien gegen Kroatien zu verfolgen. Die Brasilianer wollte sie schon immer mal sehen.


Frauen in der Männerdomäne Fußball - das war immer eine spannungsreiche Angelegenheit. Manchmal wirkt Merkel auch noch etwas verloren in dieser Männerwelt, obwohl sie sich schon in der DDR dafür interessiert hat. Sie weiß, dass man sich bei Reporterfragen entsetzlich blamieren kann - etwa wenn «frau» Mannschaften oder gar Namen verwechseln würde. Und entsprechend angestrengt antwortet sie dann an einigen Tagen auch: Nur keine Fehler machen.

Mittlerweile haben es die deutschen Fußballerinnen den Männern aber nach- oder besser: vorgemacht, wie es mit dem Gewinn des Weltmeistertitel gehen kann. Das macht die Sache für «frau» leichter. Und Merkel nimmt diesen Ball auf und weist auch immer wieder mit leichter Ironie auf die jüngsten Erfolge der Frauen hin.

Im Kabinett ist in den vergangenen Monaten durchaus über Fußball gefachsimpelt worden, auch hier aber anders als zu Zeiten des Männertrios Schröder-Fischer-Struck vor einigen Jahren. Über die Torwart-Frage zum Beispiel wurde gesprochen. Wobei eine Mehrheit der Ministerriege durchaus für Jens Lehmann optiert haben soll, wie man hört.

Merkel selbst verfolgte die durchaus umstrittene WM-Linie von Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit Sympathie. «Von Kritik darf man sich nicht beeinflussen lassen», sagte sie im März aufmunternd, als Klinsmann mal wieder einmal nicht gerade Liebling aller Fußballfreunde im Lande war. In Klinsmann sieht sie einen Reformer, wie sie sich auch selbst versteht.

Und berichtet wird auch, dass die Kanzlerin Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff durchaus mal eine SMS schreibt. Der Mannschaft würde sie wohl liebend gern zur Weltmeisterschaft gratulieren. Mit nichts ließe sich die Stimmung im Lande leichter verbessern.

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