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Deutsche gewinnen zur WM Sympathien

Berlin (dpa) - 08.06.2006, 13:29 Uhr

Bundestrainer Jürgen Klinsmann gibt nach einem öffentlichen Training Autogramme.
Bundestrainer Jürgen Klinsmann gibt nach einem öffentlichen Training Autogramme.

Die Briten gewinnen den Deutschen plötzlich Sympathien ab, die Niederländer halten sich mit Spott über Misserfolge der Elf von Jürgen Klinsmann zurück, und in Dänemark wird Deutschland gar als ein Vorbild präsentiert.

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist noch längst nicht über die Bühne gebracht, aber sie zeigt bereits Wirkung: In weiten Teilen der Welt hat sich das Ansehen der Deutschen zum Besseren gewandelt. In Großbritannien sind die Pressekommentare im Vorfeld der WM unter dem Strich so positiv wie seit langem nicht mehr. Die «Times» bescheinigte den Deutschen, dass ihr Land gut sechs Jahrzehnte nach dem Kriegsende «reif für ein neues Markenimage» sei. In Dänemark geht man noch einen Schritt weiter. «Die Deutschen sind bekanntermaßen Weltmeister im Organisieren. Darüber hinaus ist das heutige Deutschland in jeder Hinsicht eine große Erfolgsgeschichte und ein Beispiel zur Nachahmung», meinte die rechtsliberale Zeitung «Jyllands-Posten».

In den Niederlanden scheinen die Ressentiments gegen den großen Nachbarn und Fußballrivalen in den Hintergrund getreten zu sein. Seit Generationen hatten die Niederländer zu glauben gewusst, dass ihre Oranje-Spieler elegantere Fußballer sind als die meisten anderen Kicker, vor allem aber besser als die Deutschen. Zur WM wurde der Ton nun auffallend leise. Es geschah sogar etwas Unglaubliches: 32 Jahre nach dem WM-Finale von 1974 Deutschland gegen Holland (2:1) rechneten Wissenschaftler der Universität Groningen ihren Landsleuten vor, dass Franz Beckenbauer & Co damals verdient gewannen und besser waren als das Team um Johan Cruyff, das jahrzehntelang als der moralische Sieger gegolten hatte.

Allerdings lastet in weiten Teilen der Welt auf dem Deutschlandbild ein dunkler Schatten. Die Übergriffe von deutschen Rechtsradikalen auf Ausländer und dunkelhäutige Mitbürger fanden in der internationalen Presse einen großen Widerhall. Die renommierte französische Zeitung «Le Monde» äußerte die Befürchtung, dass die Sicherheitskräfte die Gewalttäter nicht in den Griff bekommen: «Die WM läuft Gefahr, ein klein wenig auch die WM der Neonazis zu werden.»

In Spanien berichteten fast alle Zeitungen in großer Aufmachung über rassistische Übergriffe in Deutschland. Die Zeitung «El Periódico» überschrieb einen Artikel über geplante Aktionen von Neonazis zur WM mit der Schlagzeile: «Die andere Weltmeisterschaft». In Brasilien befürchtet das Blatt «Folha de São Paulo»: «Die rechtsextreme Gewalt könnte zum größten Problem des Turniers werden.»


Allerdings werden die Umtriebe von Neonazis auch relativiert. In Südafrika wurde zum Beispiel im Rundfunk darauf hingewiesen, dass es im Ausrichterland der WM 2010 so genannte «No Go Areas» gebe, die für Schwarze oder Weiße generell als gefährlich eingestuft werden.

Zum Deutschlandbild gehören häufig auch die übrigen Klischees. «Der Fußball wird nun im Land von Bier, Wurst und Kartoffel herrschen», weiß ein Kolumnist in der brasilianischen Zeitung «O Globo» über Deutschland zu berichten. Die Amerikaner erfuhren, dass in Deutschland kaum jemand in Lederhose herumläuft. «Die Deutschen ziehen sich einfach oft nicht wie Deutsche an», warnt ein «Überlebenshandbuch» amerikanische Touristen.

Richard Lord, Verfasser eines Ratgebers für Deutschland-Reisende, empfahl seinen amerikanischen Landsleuten, nicht übermäßig freundlich zu sein: «Die Deutsche werden nur glauben, dass Sie etwas von ihnen wollen oder nicht ganz normal sind.» Deutsche seien «von Natur aus» keine Frohnaturen. Der Verfasser rät den Amerikanern auch von etwas Anderem ab: Sie sollten in Deutschland nicht zu positiv über ihren Präsidenten George W. Bush sprechen. «Wer das tut, riskiert Ärger.»

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