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Ver.di will längere WM-Ladenöffnungszeiten kippen

Berlin (dpa) - 08.06.2006, 13:12 Uhr

Ein Frankfurter Kaufhaus wirbt für den Späteinkauf am Wochenende.
Ein Frankfurter Kaufhaus wirbt für den Späteinkauf am Wochenende.

Die Gewerkschaft ver.di will die verlängerten Ladenöffnungszeiten während der Fußball-WM juristisch kippen. In Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt würden Klagen von Beschäftigten unterstützt, sagte ein ver.di-Sprecher.

In mehreren anderen Ländern werde dies geprüft. Die Lockerung des Ladenschlusses in vielen deutschen Städten sei rechtlich nur in Ausnahmesituationen zulässig. Die WM sei aber kein Notstand. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels kritisierte das Vorgehen.

«Wir haben Widerspruch eingelegt und bei Verwaltungsgerichten Eilverfügungen beantragt», sagte Ulrich Dalibor, Fachbereichsleiter Einzelhandel beim ver.di-Bundesvorstand dem «Handelsblatt». Über Anfechtungsklagen im Namen betroffener Mitarbeiter sollen Anwälte erreichen, dass Verfügungen zur Aussetzung des Ladenschlussgesetzes aufgehoben werden. Da die Sonderregeln je nach Land unterschiedlich umgesetzt worden sind, richteten sich Klagen in Nordrhein-Westfalen gegen Regierungsbezirke, in Thüringen gegen die Landesregierung.

Um vom erwarteten Besucherandrang bei der WM zu profitieren, haben mehrere Länder die Ladenöffnungszeiten für die vier Turnierwochen bis in den späten Abend verlängert. Kunden in fünf der zwölf Spielstädte - München, Nürnberg, Frankfurt/Main, Hamburg und Köln - könnten dann werktags rund um die Uhr einkaufen, wenn Geschäfte dies nutzen. In sechs Spielorten werden Beschränkungen gelockert, nur in Hannover bleibt alles beim alten. Insgesamt will die Hälfte der Länder den Ladenschluss zur WM stärker als sonst freigeben. Teils ist das Shoppen auch sonntags möglich.

«Die WM ist ein schönes Fest, das auch die Verkäuferinnen und Verkäufer mitfeiern wollen», sagte der ver.di-Sprecher. Auch beim Münchner Oktoberfest mit ähnlich vielen Besuchern würden die Regeln des Ladenschlusses nicht geändert. Längere Öffnungszeiten brächten dem Handel «keinen Cent» mehr Umsatz. Der Konzentrationsprozess werde aber zu Gunsten großer Konzerne gefördert, was Arbeitsplätze bedrohe. Rechtliche Schritte seien erst nun möglich, da zuvor Einsatzpläne für betroffene Mitarbeiter vorliegen mussten.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels reagierte mit Unverständnis. An der rechtlichen Grundlage für die Lockerung des Ladenschlusses könne auch nach Äußerungen der Bundesregierung kein Zweifel bestehen, sagte ein Sprecher in Berlin. Ver.di erweise sich als «Spielverderber», da es Bedarf für längere Öffnungszeiten gebe. Daran müsse der Einzelhandel teilhaben können. «Sonst heißt das WM-Motto nicht mehr: "Die Welt zu Gast bei Freunden", sondern "Draußen vor der Tür".»


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