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Synthetik-Fußballschuhe setzen Modetrends

Herzogenaurach (dpa) - 08.06.2006, 09:19 Uhr

David Beckham trägt High-Tech-Fußballschuhe aus Synthetik, wie hier in Vigo.
David Beckham trägt High-Tech-Fußballschuhe aus Synthetik, wie hier in Vigo.

Ohne Mode geht auch im internationalen Fußball nichts mehr. Wenn Ronaldinho, Zidane, Ballack und Konsorten vom 9. Juni an ihre weltmeisterlichen Ballkunststücke auf flauschigen Rasenteppichen abliefern, dann mit eleganten und maßgeschneiderten Schuhen.

Mit den groben Ledertretern der Helden von Bern aus dem Jahr 1954 würden sie wohl kaum Tore schießen können. Doch nach dem Stand der damaligen Technik waren die Schuhe der letzte Schrei.

«Bis Anfang der 60er Jahre dienten Fußballstiefel vor allem als Sicherheitsschuhe», sagt Karl Heinz Lang vom Herzogenauracher WM- Sponsor adidas. Die großvolumigen Stiefel wurden aus kräftigem reißfestem Rindboxleder hergestellt; Sohlen und Schaftkappen waren verstärkt, in den Spitzen häufig Stahlkappen eingenäht. Nach heutigen Maßstäben ähnelten sie eher Bergstiefeln als Sportschuhen. Doch das «Wunder von Bern» 1954 wurde mit ähnlichen Lederschuhen vollbracht.

«Den Begriff Ballgefühl kannten frühere Fußball-Generationen nicht», sagt Lang. Statt zu dribbeln, schlugen die «Hau-Draufs» den Ball einfach in die gegnerische Hälfte und drängten auf einen schnellen Abschluss, sprich Torschuss. Vor allem die Engländer blieben dem so genannten System des «Kick and Rush» jahrzehntelang treu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat adidas-Gründer Adi Dassler die Entwicklung der leichten Laufschuhe vorangetrieben - gegen den Willen vieler Nationalspieler: «Die hatten Angst, sich mit weicheren Schuhen die Zehen zu brechen», sagt Lang. Doch der Fortschritt ließ sich nicht aufhalten. Zuerst kamen die Kunststoff-Schraubstollen, dann biegsame und sprungelastische Nylon-Sohlen, etwas später anschmiegsames Känguruleder. Die fortschreitende Technologisierung vergrößerte die Spielräume der Hersteller. Das Kunststoff- Spritzgussverfahren etwa erlaubte es, Laufsohle und Schuh untrennbar miteinander zu verbinden.


Bei adidas bestehen die Sohlen des Topmodells «Predator» aus hochelastischen Polymeren und der Aufbau aus Synthetik-Leder. «Die Schuhe vereinen hohe Steifigkeit mit einem besonders geringem Gewicht und belasten die Achillessehne kaum», betont Lang. Seit 1997 werden die Schuhe mit einem Ballschuss-Roboter auf den jeweiligen, aus adidas-Produktion stammenden, WM-Ball getestet. «Wir wären ja dumm, wenn wir unsere Produkte nicht aufeinander abstimmen würden.»

Diese Möglichkeit hat adidas-Konkurrent Puma nicht. Dafür rühmt sich Puma, den leichtesten aller Schuhe im Angebot zu haben. Der Profischuh mit dem kryptischen Namen «v1.06» besteht aus Polyamidfasern und soll lediglich 109 Gramm auf die Waage bringen. «Damit kommt der Spieler schneller an den Ball», sagte Puma-Chef Jochen Zeitz vor einigen Monaten bei der Präsentation des neuen Spitzenmodells.

«Die Schuhproduktion heute hat nichts mehr mit dem Schusterhandwerk von einst zu tun», erläutert Puma-Werbeleiter Helmut Fischer. Die Evolution ging im Lauf der Jahrzehnte weg vom Leder, hin zum Kevlar und später zum Kunstleder, dem so genannten Pittards- Leder. Es wird noch heute verwendet, ist fester und geschmeidiger als Leder und nimmt kein Wasser auf.

Lederschuhe stellt Puma inzwischen überhaupt nicht mehr her, betont Fischer. Zwar seien Lederschuhe haltbarer als Synthetische und die meisten Fußballplätze der Republik nehmen sich gegen die gepflegten Rasenteppiche in den WM-Stadien eher wie frisch gepflügte Äcker aus, doch auch Fußballer gehen mit der Mode: «Die Jungs wollen eben genau die Schuhe, die auch die Stars tragen», unterstreicht Fischer.

Einige Entwicklungen führten aber auch ins sportliche Abseits. Als Spieler testete Franz Beckenbauer für adidas Schuhe mit Spitzen aus Haifischhaut: Die sollten sich in den Bällen festkrallen und die Ballführung erleichtern. Doch das Leder wirkte wie Schmirgelpapier und ruinierte im Nu die Bälle.

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