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WM-Tipps und Hoffnungen der Polit- Prominenz

08.06.2006, 09:20 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Besuch der Nationalmannschaft in Berlin.
Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Besuch der Nationalmannschaft in Berlin.

Berlin (dpa) ­ Die Kanzlerin lässt sich in punkto Fußball- Optimismus von keinem Politikerkollegen übertreffen. So gab Angela Merkel Ende Mai als Ziel zu Protokoll, dass nach der Weltmeisterschaft «die Pokalvitrine beim Deutschen Fußball-Bund ausgebaut werden muss».

Auch einige Tage später ­ kaum ernüchtert durch das mühsame 2:2 gegen Japan ­ blieb Merkel auf zuversichtlichem «Klinsi-Kurs»: Sie habe sich in ihrem Terminplan Platz für alle Spiele der deutschen Mannschaft freigehalten ­ «bis ins Finale».

Mag auch das Binnenklima in der großen Koalition derzeit kühl sein ­ beim Blick auf das Turnier der weltbesten Kicker im eigenen Land sind sich die Polit-Promis von Union und SPD weitgehend einig: Deutschland kann es bis ins Endspiel am 9. Juli schaffen ­ und dann ist sowieso alles drin. So antwortet CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder auf die Frage, wer die besten WM-Chancen habe, kurz, knapp und mit Ausrufezeichen: «Deutschland!» Und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) erklärte auch gleich warum: «Wegen der Fans spielt unsere Mannschaft praktisch zu zwölft.»

Zumeist herrscht im schwarz-roten Kabinett Optimismus mit kleinen Einschränkungen. SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering räumt zwar ein, dass der Gastgeber «gemessen an den Leistungen der letzten Jahre» nur Außenseiter ist. «Aber es zählt nicht die Vergangenheit, sondern die Leistung. Das Potenzial hat unsere Mannschaft», so der Freund kurzer, klarer Sätze. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sieht für Ballack & Co. «Chancen weit zu kommen, wenn es mental stimmt». Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) tippt in der dpa-Umfrage auf einen Weltmeister Deutschland, ergänzt jedoch fachkundig: «Aber wir müssen noch unsere Verteidigung verbessern.»

Auch für Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat das Team von Jürgen Klinsmann mit den «guten alten deutschen Fußballtugenden Einsatz und Teamgeist» WM-Chancen. Sein Kabinettskollege Wolfgang Schäuble (CDU) setzt darüber hinaus auf «ein Quäntchen Glück» für die deutschen Elitekicker. Nur Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) und Agrarminister Horst Seehofer (CSU) legen sich bei der Frage nach dem Weltmeister 2006 auf Brasilien fest.


«Überraschungen sind gut möglich ­ auch die deutsche Mannschaft ist für eine Überraschung gut», versichert hingegen der SPD- Vorsitzende Kurt Beck. Dass Außenseiter immer wieder «allerbeste Chancen» haben, macht Oppositionsführer Guido Westerwelle Mut; zudem könne «der Heimvorteil unheimlich viel ausmachen», so der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP. Ein ganzes Bündel von Favoriten inklusive des Heimteams bieten Baden-Württembergs CDU- Ministerpräsident Günther Oettinger («Brasilien ­ dahinter neun bis zehn Mannschaften, die chancenreich sind») und Saar-Regierungschef Peter Müller (CDU) mit «Brasilien, England, Italien und Deutschland als Gastgeber».

In einem Punkt sind sich übrigens alle befragten Politiker aus Bund und Ländern einig: Viel wichtiger als ein deutscher Sieg wäre am 9. Juli eine WM-Bilanz der ungetrübten Feierstimmung, Völkerverständigung und Gewaltlosigkeit. Insofern bringt Innenminister Schäuble auf die Frage nach der optimalen Zeitungsschlagzeile des 10. Juli nicht nur sportliche Hoffnungen auf den Punkt: «Deutschland gewinnt 2:1!» Will heißen: Sollte es auch am Tag nach dem WM-Finale nur um Fußball gehen, ist vermutlich alles gut verlaufen.

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