Fußballfeldfarbenen Liegestühle erwarten vor einem Berliner Geschäft Kunden.
Baumärkte bieten Rasenmäher mit WM-Rabatt, Banken werben für Torjägerprämien, Bringdienste klingeln mit einer besonders belegten Pizza «T-o-o-o-r»: Von der Fußball-WM versprechen sich nicht nur große Konzerne mit teuren Sponsorenlizenzen gute Geschäfte.
Das Spektakel mit Millionen zusätzlichen Kunden soll die Kauflust auf dem immer noch schwächelnden deutschen Binnenmarkt beflügeln. Zwar dämpfen Experten allzu große Hoffnungen auf einen breit angelegten Boom im Zeichen der Weltmeisterschaft. Manche Branchen können aber auf einen direkten Schub setzen - andere müssen dagegen zittern.
Bei den Sportartikelherstellern klingeln die Kassen Dank eines massiven Marketingangriffs schon seit einigen Wochen. Vom offiziellen Spielball «Teamgeist» verkaufte adidas über 15 Millionen Stück, und auch das deutsche Nationaltrikot ging schon mehr als eine Million Mal weg. Im WM-Jahr soll der Umsatz mit Produkten rund um den Fußball um 30 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zulegen. Ähnlich optimistisch gibt sich Rivale Puma, der beim Gesamtumsatz einen Sprung von 35 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro plant. Wegen «der größten Werbekampagne in der Firmengeschichte» rechnet der Vorstand aber mit weniger Gewinn.
Überhaupt könne der geschäftliche Impuls des Großereignisses nicht nur kurzfristig betrachtet werden, betonen zahlreiche Firmen. «Wer sagt, die WM verkaufe Autos, hat die Kalkulation falsch angestellt», erläutert Karl-Heinz Engels, Geschäftsführer bei Hyundai Motor Deutschland. Für dieses Jahr rechnet der südkoreanische Autobauer als einer der WM-Großsponsoren hier zu Lande sogar nur mit gebremstem Wachstum. Immense Bedeutung habe das Fußball-Engagement aber, um die Bekanntheit der Marke und der Modelle langfristig zu steigern.
Anderen Anbietern kommt die WM als Sprungbrett gelegen, um neue Angebote mit geballter Wucht bekannt zu machen. Nicht zufällig kurz vor dem Turnier starteten die großen deutschen Mobilfunkbetreiber ein Demonstrationsprojekt für Fernsehen auf dem Handy. Die Elektronik-Branche hofft, das TV-Ereignis werde den ersehnten Durchbruch für die hochauflösende Übertragungstechnik HDTV bringen. Bei Flachbildgeräten verzeichnen Hersteller wie Loewe oder Philips schon jetzt Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich. Beim Getränkeriese Coca-Cola soll der Rückenwind der WM die Dose in die Ladenregale zurücktragen - in einer schlankeren Sonderedition mit Porträts der Nationalkicker.
Geschäfte in vielen großen Städte rüsten sich ebenfalls für vier außergewöhnliche Wochen. Denn während der WM ist der Ladenschluss vielerorts gelockert. Ob tatsächlich massenhaft Kunden spätabends und sonntags shoppen wollen, muss sich aber erst zeigen. Offene Türen allein brächten noch keinen Schub, betont der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, der Feste in den Einkaufsmeilen anregt. Unklar ist auch, wie stark das Gastgewerbe profitieren kann. Dass der Weltfußballverband FIFA kurzfristig einige Tausend geblockte Zimmer zurückgab, hat nicht nur bei Berliner Hotels für Unmut gesorgt. Auch im Spielort Hannover heißt es: «Es sind noch viele Betten frei.»
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gibt sich dennoch zuversichtlich, dass die WM einen Schub auslösen wird. Volkswirte rechnen jedoch allenfalls mit einem begrenzten Impuls angesichts der enormen Gesamtbilanz der Wirtschaftsgroßmacht Deutschland. Während der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) beim Wachstum 2006 einen WM-Aufschlag von 0,33 Punkten erwartet, sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung gar keine nennenswerten direkten Effekte. Andererseits fürchten auch nur wenige Branchen, regelrechte Verlierer der WM zu werden. Verbreitet negative Erwartungen gibt es laut einer DIHK-Umfrage etwa bei Reisebüros und der Filmwirtschaft.
Ein Gewinner steht beim Millionenspiel der Kicker-Elite derweil ebenfalls schon fest. Der FIFA dürfte die Weltmeisterschaft 2006 rund 1,8 Milliarden Euro in die Kasse bringen, wovon der Großteil danach wieder an die Fußballverbände ausgeschüttet wird - das Geld stammt aus exklusiven Sponsorenlizenzen und TV-Übertragungsrechten. Und die Richtung für die nächste WM 2010 in Südafrika sei schon klar, sagte Generalsekretär Urs Linsi: «Es wird eine deutliche Steigerung geben.»