Christian Stückl schaut Eröffnungsspiel im Bierzelt
München (dpa) - 07.06.2006, 12:55 Uhr
Christian Stückl gibt als Intendant des Münchner Volkstheaters Instruktionen.
Der Regisseur der WM-Eröffnungsfeier, Christian Stückl, will sich das Auftaktspiel Deutschland gegen Costa Rica im Bierzelt anschauen. «Ich will nach dem Spiel draußen bei den Leuten sein, mit denen ich gearbeitet habe», sagte Stückl in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München. Deshalb werde er sich nach der von ihm inszenierten Feier zusammen mit den rund 1400 Akteuren in ein Zelt neben der Münchner WM-Arena setzen. Dort wird das Spiel auf einer Großleinwand übertragen. «Ich mag lieber eine Halbe Bier trinken. So ein Fußballfanat bin ich nicht», sagte Stückl. Der 44-Jährige Oberammergauer, der 1990 und 2000 die weltberühmten Passionsspiele in seinem Heimatort inszenierte, hat sich nach eigenen Worten noch nie sonderlich für den Lieblingssport der Deutschen interessiert. «In meiner Jugend habe ich alles getan, um nicht Fußball spielen zu müssen. Und ich werde auch in meinem weiteren Leben niemals Fußball spielen, da hat sich nichts geändert.»
Als Stückl im April 2005 das Angebot für die Eröffnungsfeier bekam, hielt sich seine Begeisterung zunächst in Grenzen. «André Heller hat mich angerufen und gesagt, er will mir einen Vorschlag machen, ich soll zu ihm an den Gardasee kommen. Dort hat er dann gesagt, was er will. Auf der Rückfahrt hab ich einen Freund angerufen und gesagt, 'Du, ich muss mit dir ein Bier trinken gehen, ich hab grade so einen komischen Auftrag gekriegt'». Erst als seine Freunde ihm gut zuredeten, stimmte er dem Angebot zu und tüftelte gemeinsam mit Bühnenbildnerin Marlene Poley und seinem Assistenten Frederik Mayet das Konzept aus. Doch ein Unbekannter aus dem Trachtenverband gab die streng geheimen Pläne an die Presse weiter. Stückl musste wieder von vorne anfangen. «Uns ist erst überhaupt nichts mehr eingefallen. Das waren höllische Tage.» Als schließlich das neue Konzept fertig war, folgte im Januar 2006 der nächste Paukenschlag: Die FIFA sagte überraschend die von André Heller geplante Gala ab. «Dann war plötzlich klar, bestimmte Teile aus der Berliner Gala müssen jetzt rüber nach München.» Und obwohl er und sein Team über ein Jahr lang für die WM-Eröffnungsfeier gearbeitet haben, ist auch dem passionierten Nicht- Fußballer Stückl klar, um was es wirklich am 9. Juni geht: «Ich weiß, dass die meisten Leute eigentlich nur darauf warten, dass das Spiel angepfiffen wird.»
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