WM-Medizincheck gegen Herztod
München (dpa) - 07.06.2006, 11:25 Uhr
Herzspezialist Wilfried Kindermann in seinem Büro an der Universität in Saarbrücken.
Die Spieler der 32 Mannschaften dürften bei der WM in Deutschland so gesund wie noch nie an den Start gehen. Vor dem Endrunden-Turnier mussten sich auf Veranlassung des Weltverbands FIFA erstmals alle Akteure gründlich auf Herz und Nieren checken lassen. «Dabei wurde bei einem Spieler ein Herzfehler festgestellt. Er ist bei der WM nicht dabei», berichtete FIFA-Chefmediziner Jiri Dvorak. Auslöser für die Einführung dieses «Medizin-TÜVs» war der plötzliche Herztod des Kameruners Marc-Vivien Foé beim Confederations Cup 2003. «In einem Moment, da die ganze Welt auf die WM blickt, setzt die FIFA damit ein Zeichen, dass der Schutz unserer Athleten vor Schaden über allem steht», erklärte der Tscheche. Zum ersten Mal werden auch in jedem WM-Stadion Defibrillatoren (Elektroschockgeräte) zur Verfügung stehen, die bei Herzstillstand lebensrettend sein können. Mitentwickelt hat den kardiologischen, orthopädischen und allgemeinmedizinischen Vorsorgetest Wilfried Kindermann. Der Arzt ist bei der WM für die medizinische Betreuung von Spielern, Trainern, Funktionären und Zuschauern in den zwölf WM-Städten und in den 32 Trainingscamps verantwortlich. Trotz des Medizin-Checks kann er Zwischenfälle nicht ausschließen. «Ein Restrisiko bleibt immer, aber es ist entscheidend verringert worden», meinte Kindermann.
Rund 200 Ärzte hat er für die WM-Aufgabe rekrutiert. «Da sind auch Bundesliga-Teamärzte dabei. Alle arbeiten aber völlig ehrenamtlich», sagte der Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin in Saarbrücken. An jedem Spielort haben sich zudem ein bis zwei Kliniken darauf vorbereitet, lädierte Stars und Offizielle schnell untersuchen und behandeln zu können. «Für sie gibt es sogar gesonderte Klinik- Eingänge», berichtete Kindermann. Bereits nach dem Bezug der Trainingsquartiere gingen bei seinen Ärzten zahlreiche Hilferufe von WM-Teams ein: «Da gab es schon einiges zu tun.» Der Ärztestab des 4 x 400 Meter-Europameisters von 1962 wird jedoch vor allem in den Stadien für den Notfall parat sein: «Wir sind für den gesamten Innenraum zuständig, aber auch für den VIP- und Hospitality-Bereich. Da wird es möglicherweise mehr zu tun geben als am Spielfeldrand.» Außerdem werden seine Mediziner bei den Doping- Kontrollen nach den 64 Partien assistieren. |