Soccer-Fieber in Kalifornien - «Gibt's auch Bier?»
San Francisco (dpa) - 07.06.2006, 09:22 Uhr
Der Fußball fasziniert mittlerweile auch immer mehr Fans in den USA.
Schon morgens um 7.00 Uhr, zwei Stunden vor Anpfiff des WM-Eröffnungsspiels im fernen München, erwartet Cyrill Hackett eine langen Schlange von Fußballfans vor seiner Sportkneipe «Kezar» in San Francisco. Die neun Stunden Zeitunterschied zwischen Deutschland und der US-Westküste machen dem Kneipier nichts aus. «Wir werden jedes Spiel live zeigen, auch wenn es nach unserer Zeit um 6.00 Uhr früh beginnt», versichert der gebürtige Ire. Er erwartet Hunderte von singenden, kreischenden, pfeifenden und natürlich Bier trinkenden Fans, die sich vor den 24 Bildschirmen in seinem Lokal drängen werden. «Es hat lange genug gedauert, aber endlich haben die Amerikaner Soccer im Kopf», meint Hackett. Schon vorab sei das Interesse «phänomenal». Draußen vor der Kneipe wehen bereits die Fahnen der Teilnehmerländer, die amerikanische einträchtig neben der deutschen.
Andrei Markovits, Politikwissenschafter und «Fußball-Historiker» von der Universität in Michigan, findet es «einfach faszinierend», dass ein großes Sportgeschäft in San Francisco riesige Poster von Soccer-Stars im Schaufenster hat. «Das hätte es bei der vorigen WM 2002 nicht gegeben. Ausländische Fußballspieler als Ladendekoration - das sind ganz neue Zeiten», staunt der gebürtige Rumäne. Auch im kleinen Lebensmittel-Eckladen von Adel Shalabi sind die Anzeichen für das Soccer-Fieber nicht zu übersehen. Auf Hochglanz polierte Fußballpokale umrahmen den riesigen Bildschirm über den Weinregalen. Gleich in drei Sprachen - englisch, arabisch und spanisch - kann der gebürtige Ägypter die Spiele live sehen. «Ich mache meinen Laden morgens um 6.00 Uhr auf und jeder ist willkommen», begrüßt er seine Kunden. «In den USA werden allein 20 Millionen illegale Einwander die Spiele verfolgen», meint Shalabi. |
Die Sender ESPN und ABC sind bei allen Spielen live dabei. «In den 90er Jahren wurden wir noch mit Aufzeichnungen abgespeist», erinnert sich der kalifornische Investmentbanker Edward Woodham. Der 36-jährige Soccer-Fan will sich das «echte Erlebnis» aber nicht entgehen lassen. Am Wochenende jettet er mit vier WM-Tickets in der Tasche nach «Dusseldorf in Germany». Der Flensburger Jens-Peter Jungclaussen dagegen reist nicht nach Deutschland, sondern will die WM in seine kalifornische Wahlheimat holen. Er will erreichen, dass 10 000 Menschen in einem Park mit Blick auf die Skyline von San Francisco das Endspiel auf einem sechs mal vier Meter großen Bildschirm miterleben können, ohne Eintritt zahlen zu müssen. «Es müsste doch möglich sein, das Finale in der europäischsten Stadt Amerikas zu zeigen und den WM-Slogan «A time to make friends» (Die Welt zu Gast bei Freunden) wörtlich zu nehmen», meint der 36-jährige Event-Planer zuversichtlich. Die Genehmigung der Parkverwaltung hat er schon, es fehlen nur noch einige Sponsoren. Im Goethe-Institut, in dem alle Spiele ab 9.00 Uhr morgens zu sehen sein werden, wird vorab am häufigsten die Frage gestellt: Gibt es auch Bier dazu? «Wenn die Deutschen gewinnen, ja», schmunzelt Programmkoordinatorin Ingrid Eggers. Das berühmte Graumans-Kino am Hollywood Boulevard in Los Angeles lockt Fußballfans mit einer großen Leinwand «fast wie im Stadion in Deutschland» und einem World-Cup-Frühstück. Die «Chieftain»-Sportkneipe in San Francisco nahm schon eine Woche vor WM-Beginn 50 Platz-Reservierungen entgegen. «Amerikaner lieben große Events», erläutert Jungclaussen. «Sie kommen, um zu gucken, was passiert, auch wenn sie von Fußball wenig Ahnung haben». Nur eines würde er bei der geplanten Endspiel-Übertragung im Stadtpark vermissen. «In öffentlichen Grünanlagen darf man kein Bier trinken», beklagt sich der Flensburger. «Aber richtig feiern können die Amerikaner schon».
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