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Sorgen um Ballack: «Hartnäckige» Wadenverletzung

Berlin (dpa) - 06.06.2006, 17:34 Uhr

Michael Ballack spricht in Berlin auf einer Pressekonferenz des DFB.
Michael Ballack spricht in Berlin auf einer Pressekonferenz des DFB.

Die deutschen Fußball-Nationalspieler sehnen den WM-Anpfiff herbei - nur Michael Ballack braucht jede Stunde. Der Kapitän rechnet zwar trotz einer «hartnäckigen» Wadenverletzung fest mit seinem Einsatz gegen Costa Rica.

Gesichert ist die Aufstellung des wichtigsten deutschen Spielers aber nicht. Nach der erfolgreichen Blitz-Genesung von Philipp Lahm hofft Jürgen Klinsmann einmal mehr auf die heilenden Hände der DFB-Mediziner um «Doc» Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der sich als Vereinsarzt des FC Bayern München mit Ballacks Muskeln und Sehnen bestens auskennt. «Unsere medizinische Abteilung leistet unglaubliche Arbeit. Es wird alles getan, damit er am Freitag hundertprozentig einsatzfähig sein wird», sagte Klinsmanns Assistent Joachim Löw drei Tage vor der «Stunde X».

Auch wenn die Wehwehchen des Kapitäns längst zu einem ständigen Begleiter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geworden sind, sorgte die neuerliche Blessur des Mittelfeldspielers vor dem WM-Ernstfall am 9. Juni für Unruhe und Besorgnis im DFB-Quartier. «Das hat schon ein bisschen auf die Stimmung gedrückt», verriet Löw. Im Gegensatz zum Patienten Ballack («Ich gehe davon aus, dass ich spielen kann»), der beim Trainings-Feinschliff ausfällt, schreckte der Trainer vor einer verfrühten Entwarnung zurück: «So eine Wadenverletzung ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden.»

Die sportliche Leitung dürfte wohl ein wenig verstimmt auf Ballacks Krankmeldung nach der Zusammenkunft im Berliner WM-Quartier am Pfingstmontag reagiert haben. Denn der Kapitän verschenkte wichtige Behandlungszeit, nachdem er die Verhärtung in der Wade schon im Kolumbien-Spiel erlitten hatte. Am Wochenende war der Bluterguss schlimmer geworden. «Den freien Tag habe ich aber doch lieber mit meiner Familie verbracht, als schon Sonntag anzureisen», bemerkte Ballack. Er selbst bezeichnete die Blessur als «hartnäckig». Auch beim zweiten Mannschaftstraining der deutschen Nationalelf in Berlin konnte der Mittelfeldakteur nicht teilnehmen, und fehlte wie schon bei der Eröffnungsübungseinheit.

Schon im Trainingslager am Genfer See hatte der Kapitän wegen einer Kapselverletzung am Sprunggelenk pausieren müssen und auch das Testspiel gegen Luxemburg (7:0) verpasst. Ein Ausfall gegen Costa Rica jedoch wäre ungleich schlimmer. «Michael weiß, wie wichtig er für uns Trainer und für die Mannschaft ist», betonte Löw.


Ballack ist in der jungen deutschen Mannschaft der Dreh- und Angelpunkt sowie der unumstrittene Chef. So wurde sein Warnruf nach dem ernüchternden 2:2 gegen Japan von allen umgehend befolgt und mit einer besseren Balance zwischen Offensive und Defensive bei der WM-Generalprobe umgesetzt. «Kolumbien war ein Schritt in die richtige Richtung», sagte der Kapitän - aber zufrieden ist er noch nicht: «Jetzt geht's los, jetzt kommt die WM - wir müssen uns steigern.»

Die Mannschaft brennt, hat Löw festgestellt. «Die Spannung steigt, die Spieler fiebern dem Eröffnungsspiel entgegen.» Costa Rica rückt auch im Training und bei den Sitzungen im «Schlosshotel» immer mehr in den Blickpunkt. Mit einer DVD, an deren Beginn Landeskunde über den mittelamerikanischen Kleinstaat stand, stimmte Klinsmann seine Mannschaft auf den Auftaktgegner ein. Den deutschen Spielern wurden in einem Zusammenschnitt des 3:0-Sieges von Costa Rica gegen die USA in der WM-Qualifikation die Stärken des ersten Gruppengegners vor Augen geführt. «Aber wir haben auch Schwächen entdeckt», so Löw. Gegenmittel dazu sollten nach einer Fitnesseinheit am Morgen in einem Geheimtraining am Nachmittag auf dem Trainingsplatz im Mommsen-Stadion erarbeitet werden.

In speziellen DVD-Zusammenschnitten von Chefscout Urs Siegenthaler können die Akteure zudem ihre direkten Gegenspieler studieren. Doch übertreiben will Klinsmann die Beschäftigung mit Costa Rica nicht. «Wir werden in erster Linie über uns selbst reden», kündigte er an. Der Feinschliff am eigenen Kader genießt Vorrang, darum wird auch in den letzten Übungseinheiten bis zur Abreise nach München am Tag vor dem Spiel weiterhin an der Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen gearbeitet. «Es ist das Geheimnis, ein Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive herzustellen», sagte Löw: «Kreativität kann nur entstehen, wenn man eine gewisse Ordnung hat.»

Die Elf des Kolumbien-Spiels mit Lehmann im Tor, Friedrich, Mertesacker, Metzelder und Lahm in der Viererkette, Schneider, Frings, Ballack und Schweinsteiger im Mittelfeld sowie Klose und Podolski im Angriff setzte das bislang am besten um und genießt das Vertrauen der Trainer. «Wir gehen sehr ruhig und ausgeglichen ins Turnier: Wenn wir unsere Leistung bringen wie gegen Kolumbien, sind wir allemal in der Lage, Costa Rica zu besiegen», lautete Löws Schlusswort - trotz der Sorgen um Ballack.

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