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Notizen von der Fußball-WM

06.06.2006, 19:43 Uhr

Eine WM-Helferin telefoniert im Medienzentrum auf dem Maifeld am Berliner Olympiastadion.
Eine WM-Helferin telefoniert im Medienzentrum auf dem Maifeld am Berliner Olympiastadion.

ZAPFENSTREICH: Um Mitternacht ist Schluss mit lustig. Dann sollen die deutschen Fußball-Nationalspieler spätestens in ihren Betten sein. «Diese Zeit ist für den Schlaf gedacht. Es wäre schon wichtig, dass die Spieler diesen Zeitpunkt einhalten», mahnte «Herbergsvater» Jürgen Klinsmann.

VORREITER: In der benachbarten Tennishalle des TC Blau-Weiß Berlin steht dem deutschen WM-Kader wie schon beim Trainingslager in Genf das selbst eingerichtete, hochmoderne Fitness-Zentrum zur Verfügung. Erster Besucher war Bundestrainer Jürgen Klinsmann selbst, als er gleich am Morgen des ersten Tags im WM-Quartier die «Mucki-Bude» aufsuchte.

FLEISSIG: Nachwuchskicker aus dem Berliner Fußball-Verband helfen den Journalisten. Rund 20 Volunteers griffen schon beim Aufbau des DFB- Medienzentrums fleißig mit an, nun sind sie täglich für die bis zu 600 Journalisten im Einsatz. Auffällig: Zum großen Teil sind es Fußballerinen, die als Service-Personal fungieren. «Das ist für unsere Leute natürlich ein Riesen-Erlebnis», sagte Dirk Brennecke, Geschäftsführer des BFV.

ERDKUNDE-UNTERRICHT: Nicht nur um das fußballerische Vermögen der Kicker aus Costa Rica ging es beim DVD-Abend der Nationalmannschaft. In einem kleinen Filmchen brachte Jürgen Klinsmann seinem WM-Kader auch die Mentalität der «Ticos» näher, die Spieler erfuhren über Land und Leute. «Das war mal ganz abwechslungsreich. Ein kurzer Beitrag, wo sie leben und wo sie ihre Wurzeln haben», sagte «Schüler» Michael Ballack.

DIE ANGST DES TORMANNS VORM ELEFANTEN: Nationaltorwart Jens Lehmann (36) hat Angst vor Elefanten. Bei einem Interview des TV- Frauenmagazins «Brigitte» in Hagenbecks Tierpark in Hamburg achtete der Keeper penibel auf gehörigen Abstand zu den Dickhäutern. «Ich habe Angst, dass der Elefant mir auf den Fuß tritt oder mich irgendwie umstößt und dann blöd auf mich drauffällt.» Das Ansinnen, für die TV-Zuschauer mal auf einem Elefanten zu reiten, lehnte Lehmann schon aus versicherungstechnischen Gründen ab: «Das geht wirklich nicht. Ich darf gar keine gefährlichen Sachen machen. Nicht tauchen, nicht Ski fahren, und bestimmt auch nicht Elefanten reiten.»


SILVIA HOFFT HEIMLICH: Schwedens in Deutschland geborene Königin Silvia (62) wird als Zuschauerin der Fußball-WM ihre Fan-Vorlieben für sich behalten. Es sei sinnlos, die Regentin zu fragen, ob sie ihrem Geburtsland oder der Wahlheimat den Sieg wünsche, verlautete vom Stockholmer Hof. Silvia, die Ehemann König Carl XVI. Gustaf (60) bei den Olympischen Spielen in München 1972 kennen und lieben gelernt hatte, kommt Ende des Monats zunächst nicht in in Sachen Fußball, sondern der Kultur wegen zu einer Kunstausstellung nach Leipzig. Etwaige Fußballpläne der schwedischen Königsfamilie sind noch offen und hängen vom Abschneiden der Mannschaft ab, hieß es weiter.

ZAPATERO HOFFT HEMMUNGSLOS: Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero (45) ist sich sicher, dass sein Land bei der WM endlich einmal ganz vorn landet. «Ich bin wirklich überzeugt, dass wir diesmal eine entscheidende Rolle bis hin zum Finale spielen werden», sagte der Sozialist bei der Verabschiedung der Elf Richtung Deutschland. Für ein erfolgreiches Abschneiden nach der fast endlosen Kette mit frühzeitigem Ausscheiden spreche schon die drückende Überlegenheit spanischer Klubs in der Champions League, im UEFA-Cups «und in vielen anderen Sportarten», meinte der Ministerpräsident. Er will selbst bei mehreren Spielen in deutschen WM-Stadien dabei sein.

WM-WITWEN MACHEN MOBIL: Lisa Blythe (35), Ehefrau eines WM- versessenen britischen Soldaten, hat sich ein Fahrrad zugelegt, um im derzeitigen deutschen Wohnort Gütersloh schneller dem «Geschrei» der restlichen Familie vor dem Fernseher zu entkommen. Sie gehört zum «Club der WM-Witwen» der nach einem Bericht des «Independent» «Überlebens-Tipps» für die WM zusammenstellt. Dazu gehört das Abspielen aller Beatles-Lieder bei voller Lautstärke, um den WM- Fernseher zu übertönen. Empfohlen wird auch, für die Zeit der WM nach einem Liebhaber Ausschau zu halten oder mit der Kreditkarte des Partners so lange in ein Fünf-Sterne-Hotel zu ziehen.

MINISTERAUTO FÜR DEN WM-SIEG: Die britische Kulturministerin Tessa Jowell ist zur Unterstützung des englischen Teams bei der Fußball-WM mit England-Flagge am Dienstwagen unterwegs. Die beiden Flaggen mit rotem St.-Georgs-Kreuz auf weißem Grund flattern seit Beginn dieser Woche an der Limousine der Labour-Politikerin, berichtete die Nachrichtenagentur PA. In London sind bereits seit mehreren Wochen zunehmend Fußball-Fans zu sehen, die für das Team um David Beckham die Flagge aus dem Autofenster hängen.

SCHWER ZU ERREICHEN: Die WM-Vertretung von Togo freut sich auch deswegen über das Mannschaftsquartier in Wangen im Allgäu, weil es so abgelegen ist. ««Wangen ist sehr ideal, weil es sehr ruhig ist. Die Journalisten haben große Mühe anzureisen, das ist gut für uns», meinte Togos deutscher Nationaltrainer Otto Pfister. Die ortskundigen Wangener geben sich alle Mühe, damit auch noch möglich viel Heimat- Flair hinzukommt. Die Gassen der Altstadt sind in den togoischen Nationalfarben geschmückt. Das eigens komponierte Lied «Herzlich willkommen Fremder, der du soweit gereist bist» avancierte zum heimlichen Hit der Allgäu-Gemeinde.

SILBER MIT WIRKUNG: In Silberschrift auf blauem Grund bekunden die Fans der japanischen WM-Elf ihre Sympathien mit dem Team von Trainer Zico. Im Trainingsquartier in Bonn hängen übergroße T-Shirts, auf denen unzählige gute Wünsche verewigt sind. Beim Testspiel gegen Malta in Düsseldorf bedeckte eins der T-Shirts schon mal einen halben Rang im Stadion. Wem die silbernen Wünsche noch nicht reichen, der kann per Postkarte weitere an die Spieler schicken und sicher sein, dass sie an der Außenwand der Umkleidekabine im Bonner Sportpark aufgehängt wird, wo die Japaner trainieren.

TRANSPARENT AUS ÄRGER: Ein Bürger der Gemeinde Bühlertal hat seinem Ärger über die ausgeprägte Öffentlichkeitsscheu der englischen WM-Fußballer mit dem Transparent «Welcome to Absurdistan» Luft verschafft. Der Bühlertaler hat es vor seinem Haus aufgespannt, an dem die Mannschaft von Trainer Sven-Göran Eriksson jeden Tag auf dem Weg zum Training im Mittelbergstadion der Schwarzwaldgemeinde vorbeifahren muss.

FAMILIENFOTO: Schwedens Stürmerstar Freddie Ljungberg von Arsenal London hat sich in Bremen zum «Familienfoto» mit der - mit ihm nicht verwandten - OK-Akkreditierungsleiterin Cornelia Ljungberg bitten lassen. Sie gehört zu den Teams, bei denen es mit neun bis Dienstag noch nicht angekommenen WM-Teams langsam eng wird. Damit Spieler, Betreuer, Medienvertreter vor den ersten Spielen rechtzeitig ihre WM- Papiere und -Kärtchen erhalten, sind inzwischen «mobile Akkreditierungsteams» zwischen Hamburg und Wangen im Allgäu unterwegs.

AUFSTIEGSSORGEN: Die Fußballer des SV Bühlertal müssen um ihren Aufstieg in die Landesliga bangen, weil Englands WM-Kicker ihr Stadion in Beschlag genommen haben. Wegen der Verlegung eines neuen Rasens sowie des in dieser Woche begonnenen Trainings der Mannen um David Beckham mussten die Bühlertaler für alle bisherigen drei Aufstiegsspiele in das ungewohnte Jahnstadion im benachbarten Bühl umziehen - und verloren alle drei Spiele. Erster Hoffnungsschimmer: Mit einem 2:0 beim DJK Rastatt gewannen die «WM-Opfer» immerhin den Bezirkspokal.

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