WM 2006 bricht TV-Rekorde
Hannover (dpa) - 06.06.2006, 11:47 Uhr
Eine Technikerin arbeitet an einem Regiearbeitsplatz im neuen HDTV-Übertragungswagen.
Die Fernsehsender sind bereit für das Milliarden-Spiel, und für Zuschauer endet die Zeit des quälenden Wartens. Nach einem langem Vorgeplänkel mit vielen Dokumentationen, Shows und Filmen zum Thema «Faszination Fußball» rollt vom 9. Juni an der Ball über den Bildschirm. Bis zum WM-Ende am 9. Juli werden nach Schätzungen der Rechteagentur Infront weltweit mehr als 33 Milliarden Menschen die 64 Weltmeisterschaftsspiele in Deutschland verfolgen. Das ist nur einer von vielen TV-Rekorden. «Diese WM wird weltweit das größte Sport- und Medienereignis aller Zeiten», sagt ARD-Teamchef Heribert Faßbender. Erstmals übertragen im WM-Gastgeberland vier Sender die Spiele. ARD und ZDF, die die Technik in den Stadien, im Internationalen Fernsehzentrum (IBC) in München und im Quartier der deutschen Mannschaft gemeinsam nutzen, zeigen mindestens 48 Begegnungen. RTL überträgt bis zu acht Partien an drei Sonntagen, und der Abosender Premiere zeigt wie vor vier Jahren in Japan und Südkorea alle 64 Begegnungen live. Wie die rund 250 anderen Fernsehsender aus 200 Ländern sind sie auf Bilder angewiesen, die die Firma Host Broadcast Services (HBS) produziert. Die Tochtergesellschaft des TV-Rechteinhabers Infront kündigte einen technischen Aufwand in Rekordhöhe an. Allein die Fläche des IBC, in dem die Fäden der Übertragungen aus den zwölf WM-Stadien zusammenlaufen, ist mit 30 000 Quadratmetern um die Hälfte größer als 1998 in Frankreich. HBS setzt etwa 2000 Mitarbeiter aus 58 Ländern ein, um die WM lückenlos ausstrahlen zu können. 25 Kameras sind jeweils in den Stadien aufgestellt, so viel wie noch nie zuvor. 1974, bei der ersten WM in Deutschland, kamen acht Kameras zum Einsatz.
Mit dem umfangreichen Rahmenprogramm inklusive produziert HBS rund 2200 Stunden WM-Programm. Beim Turnier 2002 waren es fast 1000 Stunden weniger. Erstmals werden die WM-Spiele von ARD, ZDF und RTL im 16:9-Format ausgestrahlt. Besitzer von herkömmlichen TV-Geräten müssen sich an schwarze Balken am oberen und unteren Bildrand gewöhnen. Die Akteure auf dem Rasen wirken dadurch ungewohnt klein. Premiere-Zuschauer können selbst entscheiden, ob sie «Balken-Fußball» oder Spiele im herkömmlichen 4:3-Format sehen möchten. Im Gegensatz zu den vielen Fußball-Sendungen vor der WM, deren Quoten nicht immer weltmeisterlich waren, werden mit Beginn der Spiele Top-Werte erwartet. Die 90 Minuten, in denen der Ball rollt, sind ein Selbstläufer. Mit offiziellen Prognosen halten sich ARD und ZDF zwar zurück. Die 20 Millionen Zuschauer-Marke sollte bei Spielen der deutschen Mannschaft aber keine unüberwindbare Hürde sein. Das Auftaktmatch der Klinsmann-Elf gegen Costa Rica am 09.Juni wird die Richtung weisen.
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