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Auch Kirchen sind bei der WM am Ball

München (dpa) - 06.06.2006, 11:55 Uhr

Münchens älteste Kirche, die Heilig Kreuz Kirche, vor der Kulisse des Stadions.
Münchens älteste Kirche, die Heilig Kreuz Kirche, vor der Kulisse des Stadions.

«Balleluja» - diesen Slogan hätten sich Werbetexter auch nicht besser ausdenken können. Unter das Motto «Balleluja» hat die evangelische Kirchengemeinde St. Pauli in Hamburg ihr WM-Engagement gestellt.

Die Aktion ist nur ein Beispiel für die unzähligen Ideen, mit denen sich die beiden großen deutschen Kirchen am Rahmenprogramm der Fußball-WM beteiligen: Sie öffnen Gemeindesäle und Kirchen für Übertragungen via Großleinwand. Sie bauen Info-Stände auf und laden die WM-Gäste zu Gebet und Meditation ein, aber auch zu fröhlichen Fan-Festen. Sie erhoffen sich bei der WM Aufmerksamkeit für ihre karitativen Projekte und verbreiten über Internet und in Gebetsheftchen Impulse zum WM-Tag.

Kleriker scheinen jede Scheu vor dem runden Leder spätestens zur Heim-WM abgelegt zu haben. Kirchliche Würdenträger wie der Mainzer Kardinal Karl Lehmann outen sich als Fußball-Fan. In den Stadien von Berlin und Gelsenkirchen sind Kapellen eingerichtet worden. Pfarrer wagen sich selbst auf den Rasen und tragen Meisterschaften aus. Parallelen zwischen Fußball und Glaubens-Elementen werden gerne gezogen, die Stichworte sind Fairness und Völkerverständigung.

«Die Kirche soll», so betont der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, «mit ihrer Botschaft zum Fairplay, zum guten Miteinander, zur echten Freude beitragen und mit ihrem Segen bei Gottesdiensten und Fürbitten zum guten Gelingen der WM beitragen.» Und so wird am Eröffnungstag der WM im Münchner Liebfrauendom von Kardinal Lehmann und dem EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber ein ökumenischer Gottesdienst zelebriert, um himmlischen Beistand zu erbitten. Auch Bundespräsident Horst Köhler und DFB-Präsident Theo Zwanziger wollen dabei sein.

Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) und die katholische Kirche haben vom Weltverband FIFA kostenlose Lizenzen zum Public Viewing erhalten. Einige Kirchengemeinden öffnen neben den Gemeindesälen sogar die Kirchen für dieses Spektakel, so auch St. Pauli in Hamburg. Auf einer zwei mal drei Meter großen Leinwand sollen vor allem jugendliche Fans und Kinder die WM-Spiele verfolgen können. Fangesänge und Torjubel vor dem Altar? Da bleibt Skepsis nicht aus, gesteht Pastor Martin Paulekun. Aber er findet: «Alles was das Herz bewegt, hat auch Platz in der Kirche.»


Bei aller Begeisterung ist die Kirche in Sachen Fußball-WM zuweilen im Zwiespalt - nicht nur, weil Kritiker ihr unterstellen, das WM-Engagement sei nur Vorwand, um zu missionieren. «Es ist eine Gratwanderung», räumt Martin Cambensy, Sportpfarrer der Erzdiözese München-Freising ein, «es könnte schnell nach Anbiederung ausschauen.»

Neben den Aspekten wie Fairplay, Begegnungen mit anderen Kulturen und Freude am sportlichen Wettstreit treten beim Großereignis auch negative Begleiterscheinungen auf. Man wolle ebenso auf die Schattenseiten hinweisen, betont beispielsweise die evangelische Landeskirche Bayern. Die Kirche könne nicht alles, was rund um den Fußball geschieht, gut heißen, findet auch Erzbischof Schick. Man müsse versuchen, Kommerzialisierung, Doping, Wettbetrug, Fouls und anderen unsportlichen Verhaltensweisen entgegenzutreten. Kirchliche Initiativen wenden sich gegen die Zwangsprostitution; sie fordern, dass Spielbälle ohne Kinderarbeit hergestellt werden.

Wenn in den WM-Tagen die Ladenschlusszeiten gelockert werden, ist die Entrüstung auf evangelischer wie katholischer Seite groß. «Sonn- und Feiertagsschutz» sei ein hohes Gut, auch bei der WM, erklärt die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler.

Und dennoch ist die Kirche gerne dabei, wenn bei der schönsten Nebensache der Welt vom 9. Juni bis 9. Juli der Ball rollt. «Fußball ist ein starkes Stück Leben und ein wunderbares Spiel - nicht mehr und nicht weniger», sagt Bischof Huber.

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