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Kleinwagen, Rechenspiele und Streit um WM-Prämien

Berlin (dpa) - 05.06.2006, 13:19 Uhr

Die Spieler verlangen von ihren Verbänden hohe Prämien für den WM-Erfolg.
Die Spieler verlangen von ihren Verbänden hohe Prämien für den WM-Erfolg.

Der Streit von 1974 sollte sich im deutschen WM-Lager 2006 nicht wiederholen: Bereits im März vergangenen Jahres einigten sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Nationalspieler auf die Erfolgsprämien für diesen Sommer.

300 000 Euro erhielte jeder Spieler im Fall des Titelgewinns - ein «außergewöhnlicher Betrag», wie Kapitän Michael Ballack damals fand. Doch anderswo wurde offenbar noch besser verhandelt. So kassieren die spanischen Spieler bereits für den Final-Einzug 360 000 Euro. Für den Titel würde der Verband gar die Rekordsumme von 570 000 Euro pro Mann springen lassen.

Höchstbeträge, Rechenspiele, kreative Lösungen - Leistung soll sich überall lohnen für die Hauptdarsteller der WM, auch wenn längst nicht alle 32 Teilnehmer ihre Zahlen öffentlich machen. Hinter «Prämien-Weltmeister» Spanien versucht die englische Football Association (FA), ihre Stars mit der Aussicht auf 430 000 Euro pro Mann zum zweiten WM-Titelgewinn nach 1966 anzuspornen. Portugal lockt (inoffiziell) mit 275 000 Euro, Italien immerhin noch mit 250 000.

Gerechnet werden muss in Tschechien und Kroatien, wo jeweils ein Verteilerschlüssel festgelegt wurde. Der kroatische Verband etwa schüttet 40 Prozent der erfolgsabhängigen FIFA-Prämie wieder aus und teilt diese Summe im Verhältnis 80:20 zwischen Spielern und Trainern auf. Familie Kranjcar - Vater Zlatko als Trainer und Sohn Niko als Spieler - würde beim Titelgewinn insgesamt um 750 000 Euro reicher. In Polen will man bei der Endabrechnung gar unglückliche Umstände wie falsche Schiedsrichter-Entscheidungen berücksichtigen.

Bisweilen verraten die Prämien auch etwas über Mentalitäten. So stehen im Nahen Osten Sachgeschenke hoch im Kurs. Die Iraner etwa erhalten für das Erreichen der zweiten Runde neben 50 000 Euro einen Kleinwagen vom Typ Peugeot 206. Die Spieler aus Saudi-Arabien dürfen im Erfolgsfall mit Häusern oder Grundstücken rechnen. Darüber hinaus ist die finanzielle Entlohnung von der Geberlaune der Sponsoren und des Verbandes abhängig. Es sei aber abzusehen, dass Verbandschef Prinz Sultan bin Fahad Bin Abdulaziz sich «sehr generös zeigen» werde, sagte ein Sprecher.


Gestritten wird noch im Quartier Togos. «Wir haben kleinere und größere Probleme, aber das behandeln wir alles intern», sagte der deutsche Trainer Otto Pfister. Eine Lösung wird erst mit dem Eintreffen von Verbandschef Balakiyem Rock Gnassingbe, dem Bruder des Staatspräsidenten, erwartet. Allerdings klagten die Spieler schon in der Vergangenheit wiederholt über die Zahlungsmoral ihres Verbandes. Bei Ecuador wurde ein Zwist erst jüngst beigelegt.

1974 wurde Deutschland nach dem Prämienstreit noch Weltmeister, umgerechnet 35 900 Euro und einen VW-Käfer erhielten die Akteure damals. Während es beim ersten Titelgewinn 1954 pro Mann 1280 Euro und einen Fernseher gab, kassierten die WM-Champions 1990 rund 64 000 Euro. Im Vergleich dazu sehen die 300 000 Euro für 2006 tatsächlich wie ein Quantensprung aus. Doch wenn Ballack & Co. beim Poker mit dem DFB gewusst hätten, dass selbst beim kleinen Nachbarn Schweiz 350 000 Euro für den Titel ausgelobt werden, hätten sie vielleicht noch einmal nachverhandelt.

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