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Feuerprobe für WM-Partys - Angst vor der Leere

Berlin (dpa) - 05.06.2006, 11:25 Uhr

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit auf der symbolischen Fan-Meile.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit auf der symbolischen Fan-Meile.

Es ist kühl in Deutschland - und gerade deshalb sitzen hunderte Veranstalter und Kommunalpolitiker vor der Fußball-WM wie auf heißen Kohlen. Rund 45 Millionen Euro haben die zwölf WM- Städte in ihre Fan-Meilen investiert.

Bis zu 15 Millionen Fans sollen an den Theken vor rund 100 Großbildleinwänden Berge von Bratwürsten verzehren und Gallonen von Bier trinken. Doch werden die Fans in solchen Scharen auch wirklich kommen, die WM-Stimmung und den Konsum auf den mehr als 200 Party-Meilen anheizen? Die Feuerprobe ist am 8. Juni am Brandenburger Tor in Berlin.

«Wir wollen den Ton angeben und mit unserem Fest eine friedliche und schöne Weltmeisterschaft einläuten», sagte Berlins Senatssprecher Michael Donnermeyer. Allein das Fan-Fest auf der westlichen Seite des Berliner Wahrzeichens mit Stars und Musik kostet 2,5 Millionen Euro. Der Ersatz für die vom Weltfußballverband FIFA überraschend und sehr zum Ärger der Berliner abgesagte Gala von Multimedia-Künstler André Heller im Olympiastadion ist auch nur möglich, weil die Lotto-Stiftung 1,5 Millionen Euro spendiert. Die restliche Million hat FIFA-Chef Joseph Blatter auf nachdrückliche Intervention des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit beigesteuert.

Die Fan-Meilen-Veranstalter empfinden vor dem Start ihrer Dauerpartys auch deshalb zunehmend Sorgen, weil sie das wirtschaftliche Desaster vieler Hotels vor Augen haben. Die FIFA hatte sich gründlich verkalkuliert, als sie schon vor Jahren rund 283 500 Betten in den WM-Spielorten geblockt hatte. Davon musste der Weltverband gut die Hälfte vor wenigen Wochen zurückgeben, viel zu kurzfristig für die Hoteliers. Die Zimmer ließen sich zu den erhofften hohen Preisen nicht vermarkten, die Reisebranche war geschockt. Berlins Tourismuschef Hanns Peter Nerger hielt der FIFA «große Fehler» vor. Täglich bietet der Tourismusverband «noch viele freie Zimmer» an. Wegen mangelnder Nachfrage seien die Preise im Sinkflug.

Ähnlich unklar ist die Erwartungslage vor Öffnung der Fan-Meilen für das Volk. Während in den Stadien die teuersten Arrangements, wie die «Sky-Box» in Berlin mit zehn Plätzen inklusive Finale für 180 000 Euro zuerst ausgebucht waren, befürchten viele eine enttäuschende Leere in den städtischen Partyzonen. Ob am Heiliggeistfeld in Hamburg, dem Waterloo-Platz in Hannover, der Frankfurter Fan-Arena auf dem Main, dem Augustusplatz in Leipzig oder Dortmunds Friedensplatz - kein Mensch hat wirklich Ahnung, wie viele kommen werden. Vieles ist abhängig von zwei nur schwer beeinflussbaren Faktoren: Wetter und Abschneiden der deutschen Mannschaft.


Für diese Art von WM-Feier gibt es eigentlich nur ein bescheidenes Vorbild. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea feierte das ZDF mit seinem gläsernen Studio im Sony-Center am Potsdamer Platz einen großen emotionalen Erfolg, der den angehängten Buden-Besitzern auch den erhofften Gewinn eintrug. Ansturm und Begeisterung der Fans, und zwar international aus allen Lagern, waren so groß, dass die Polizei den Bereich mehrmals wegen Überfüllung schließen musste.

Der Lust der Fans auf das Gemeinschaftserlebnis Fußball vertraut auch der Berliner WM-Organisationschef Bernd Schiphorst. «Wenn der Ball erst rollt, kommen die Leute in Scharen, überall, nicht nur in Berlin.» Viele hunderttausend Menschen hätten keine Stadiontickets erhalten. Diese Enttäuschten möchten «nicht zu Hause und allein vor ihrem Fernseher versauern». Berlins Tourismuschef Nerger denkt voraus und erinnert sich: «Es wird sein wie 1995 bei der Verhüllung des Reichstages, erst war nicht viel los, nach dem Fall der ersten weißen Plane kamen die Millionen.» So ein Zeichen für die Fußball-Republik will der Senat mit seinem Fan-Fest setzen. «Wir wollen ein gutes Signal ausstrahlen», sagte der Regierende Bürgermeister.

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