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Alles bereit: DFB-Team zieht in geschützte Zone

Berlin (dpa) - 04.06.2006, 12:38 Uhr

Das Schlosshotel Grunewald ist die WM-Herberge der deutschen Nationalmannschaft.
Das Schlosshotel Grunewald ist die WM-Herberge der deutschen Nationalmannschaft.

Das WM-Quartier im Grunewald ist gerichtet, die Planungen für die letzten vier Tage vor dem Ernstfall gegen Costa Rica stehen: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft fühlt sich für die «Mission WM-Titel» gerüstet, auch wenn in der Öffentlichkeit Restzweifel bleiben.

«Wir haben alles Mögliche getan, um erfolgreich zu sein», erklärte Manager Oliver Bierhoff vor dem Einzug der 23 Spieler, des Trainerstabes und der Betreuer ins altehrwürdigen Schlosshotel, das bis zum 9. Juli zur Titel-Schmiede werden soll.

Seit dem 18. August 2004, dem 3:1 in Wien gegen Österreich hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann 39 Spieler getestet, 12 Neulingen eine Chance gegeben, die Mannschaft und das gesamte Umfeld der DFB-Vorzeigeelf kräftig renoviert. «Ich habe immer gesagt, dass ich eine Deadline habe, dem habe ich alles untergeordnet», bemerkte der Bundestrainer, der diese Denkweise auch auf seine Spieler übertragen hat. «Jetzt zählt nur der 9. Juni», sagte Klinsmanns Stürmer Nummer 1, Miroslav Klose.

Eines hat der Wahl-Amerikaner Klinsmann, der in den 22 Monaten seit seinem überraschenden Amtsantritt eine neue Fußball-Philosophie ohne Kompromisse durchsetzte und dabei auch viele Widerstände überwinden musste, auf jeden Fall schon erreicht: Er wird ein Team in die zweite deutsche Heim-WM führen, die mit Frische und Mut die Fans auf ihre Seite gezogen hat. Es wird aber auch eine Mannschaft sein, die immer auf der Rasierklinge tanzt, die ein hohes Risiko geht. «Die Zweifel werden uns deshalb das ganze Turnier verfolgen. Immer wird die Sorge da sein, ob wir gegen Mannschaften wie Brasilien, Argentinien, Holland, England überhaupt bestehen können», sagte Bierhoff in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Klinsmann hatte schon in seinen ersten Konzepten, mit denen er im Juli 2004 in New York DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und Generalsekretär Horst R. Schmidt überraschte, den totalen Umbruch hin zum offensiven, schnellen, jungen und damit risikoreichen Fußball als einzigen möglichen Weg Richtung WM 2006 gesehen. Und dies wird auch so bleiben, «davon werden wir nicht abgehen», betonte Klinsmann. Die unmittelbare Vorbereitung auf Sardinien, in Genf und zuletzt im Westen der Republik stufte der Bundestrainer als «gelungen» ein, sagte aber auch: «Es liegt noch viel Arbeit vor uns.»


Für Bierhoff sind die letzten Zweifel zugleich ein Auftrag an die Spieler und an die Verantwortlichen: «Wir wissen, dass wir die letzten Prozente aus uns herausholen müssen.» Zu diesen letzten Prozenten gehören der Feinschliff in den höchstens noch fünf Trainingseinheiten im Amateurstadion von Hertha BSC oder im Mommsenstadion, die theoretische Vorbereitung auf den Auftakt-Gegner Costa Rica - und auch die Bedingungen im unmittelbaren Umfeld des Teams. Konzentration und Ruhe, zugleich aber auch Abwechslung und Entspannung soll das Berliner WM-Quartier garantieren.

Deshalb wird das Schlosshotel zur geschützten Zone. Der Blick auf das Gelände ist mit Bastmatten eingeschränkt worden, nur Anwohner dürfen mit einer speziellen Genehmigung die Brehmstraße mit Autos befahren. Die erwarteten Fans werden von Ordnungskräften freundlich, aber bestimmt von den Eingängen des Hotels verwiesen, das für die Nationalspieler zu einer kleinen Oase werden soll. Für ihre Liebsten mussten Michael Ballack und Co. andere Herbergen buchen. Klinsmanns Familie soll aus Amerika erst vor dem ersten Spiel anreisen.

Bierhoff will von Klinsmann, der erstmals als Trainer den zunehmenden Druck eines solch großen Turniers spürt, alle unnötigen Ablenkungen fern halten. Der Manager wird sich noch mehr als bisher vor den Bundestrainer stellen.

Klinsmann selbst hat ein gutes Gefühl, dass die WM erfolgreich verläuft und er auch in sechs Wochen noch Bundestrainer ist. «Die Mannschaft ist richtig gut drauf. Deshalb werde ich in sechs Wochen keine Probleme haben, weiter Bundestrainer zu sein», sagte Klinsmann in einem WM-Forum der «Bild am Sonntag». Allerdings hatte der 41-Jährige zuvor bereits mehrmals bekräftigt, dass seine Entscheidung für oder gegen eine Vertragsverlängerung nicht allein von sportlichen Dingen abhängig sei. «Ich werde mir viele Dinge ansehen.»

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