Das Organisationskomitee der Fußball-WM erwartet kein Ticket-Chaos an den Stadiontoren. «Wir sind auf die Situation technisch eingerichtet, wenn bei den Stichproben der Einlasskontrolle keine Personendaten vorhanden sind», erklärte Horst R. Schmidt.
«Natürlich gilt der Grundsatz: Wer eine Karte hat, kommt ins Stadion», erklärte der Vizepräsident des Organisationskomitees (OK). Zudem rechnet er damit, dass bis zur Eröffnung der Weltmeisterschaft am 9. Juni auch das Gros der 285 000 Hospitality-Tickets persönlich zugeordnet sein werden. «Wir werden gut abschneiden», meinte Schmidt.
Flankenschutz erhielten die deutschen WM-Macher nach der Kritik am Ticketing vom Weltverband FIFA. «Mich schmerzt die Kritik, weil das, was das OK geleistet hat, letztendlich großartig ist. Die machen einen Superjob», sagte FIFA-Generalsekretär Urs Linsi nach der 10. Sitzung der Organisationskommission. Dass die FIFA bei der WM 2010 in Südafrika das Ticketing in eigener Regie übernimmt, hat offenbar nichts mit der Unzufriedenheit über die deutsche Ticketing-Abwicklung zu tun. Vielmehr hat die FIFA den Deutschen auf deren Wunsch den Kartenverkauf überlassen. «Das ist also keine Strafmaßnahme, dass die FIFA es 2010 wieder macht», sagte Schmidt.
Für die fehlende Personalisierung der teuren, weltweit an rund 5600 Firmen verkauften Hospitality-Billetts sei der Schweizer Vermarkter ISE verantwortlich. «Die ISE hat es nicht so ernst genommen», sagte Schmidt. Dennoch sei dem OK existenziell daran gelegen, dass auch dieses Programm ein Erfolg wird. Schließlich wird daraus ein Erlös von 170 Millionen Euro erwartet, der fast vollständig dem OK zufließt. «Das ist lebensnotwendig. Deshalb stehen wir dem Programm sehr positiv gegenüber», erklärte Schmidt.
Erfreulich sind für ihn insgesamt die Verkaufszahlen der WM-Tickets. Sechs Tage vor dem Anpfiff waren von den insgesamt 3,2 Millionen verfügbaren Karten für die 64 Spiele nur 200 000 nicht verkauft. «Damit sind 98 bis 99 Prozent der Billetts abgesetzt. Eine Zahl, auf die wir stolz sind», berichtete Schmidt. Zu den von der ISE zurückgegebenen 42 495 Karten sind weitere 11 000 hinzu gekommen. «Insgesamt konnten wir die Zahl für den freien Verkauf von 800 000 auf 1,2 Millionen Tickets erhöhen», freute sich Schmidt, der dem Vorurteil, zu viele Karten gingen an VIPs und Sponsoren, begegnete.
Auch die Verbände sind bei der Ticketzuteilung besser weggekommen: Statt acht erhielten sie fast zehn Prozent der Karten. Das gerade aus diesem Kontingent einiges in dunkle Kanäle geflossen sein könnte, ist dem OK nicht bekannt. «Davon, dass Tickets möglicherweise illegal weiterverkauft worden sein könnten, haben wir keine Kenntnis.»
Trotz der exzellenten Verkaufsmeldungen bleibt beim OK die Furcht vor Lücken auf den Zuschauerrängen. Die durch nicht genutzte Karten leer bleibenden Plätze kurzfristig durch Bundeswehrsoldaten, Clubmitglieder oder Schulkinder zu füllen, ließ sich nicht realisieren. «Es ist nicht zu organisieren gewesen», sagte Schmidt, «aber es ist normal, dass wir uns darüber Gedanken gemacht haben.»
Dass der Ticket-Verkauf ein heikles Thema sei und viel Kritik heraufbeschwören werde, war dem OK von Anfang an bewusst. Dennoch ist es von der Richtigkeit des Systems - von Verteilungsschlüsseln, Online-Bestellungen bis zur Personalisierung der Karten - überzeugt. «Ich denke, dass der Weg richtig war, keine Gruppe ist benachteiligt worden», sagte Schmidt, räumte aber ein: «Vielleicht war es zu anspruchsvoll, 100 Prozent der Tickets personalisieren zu wollen. Mit der Zeit hat man gesehen, dass es eng mit der Umsetzung wurde.»