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Bayern-Blockade weg: «Schweini» spielt groß auf

Mönchengladbach (dpa) - 03.06.2006, 11:04 Uhr

Oliver Kahn (l) gratuliert Bastian Schweinsteiger zu seinem Tor gegen Kolumbien.
Oliver Kahn (l) gratuliert Bastian Schweinsteiger zu seinem Tor gegen Kolumbien.

Sein Torjubel endete in den Armen von Oliver Kahn - und die Auflösung für den Sturmlauf zum Ersatztorwart lieferte Bastian Schweinsteiger nach Spielende.

Sein Freistoß-Knaller aus über 25 Metern beim 3:0 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Kolumbien war kein Zufallsprodukt gewesen, sondern das Ergebnis stundenlanger Trainingsarbeit. «Ich habe den Schuss schon tausend Mal mit Olli geübt. Und er hat gesagt: 'Warum schießt du nicht mal im Spiel?' Da bin ich nach dem Tor zu ihm gelaufen und habe ihm gesagt: 'Siehst du, das haben wir geübt'», erzählte Schweinsteiger.

Nicht nur wegen seines fulminanten Treffers zum 2:0 war der Mann mit der Nummer 7 in Mönchengladbach der auffälligste Akteur auf dem Rasen. Der 21 Jahre alte Münchner bestach mit Lauf- und Spielfreude, beeindruckte mit seiner Ballfertigkeit und zeigte einen ständigen Zug zum Tor. «Er ist der auffälligste Spieler, den wir im Moment haben», meinte Franz Beckenbauer, und Bundestrainer Jürgen Klinsmann kommentierte: «Basti zerreißt sich, ist permanent unterwegs und entwickelt instinktiv seine Spielweise.»

Schweinsteiger ist der große Gewinner der WM-Vorbereitung. Im Mittelfeld hat er den Zweikampf mit Tim Borowski gewonnen, auf der linken Flanke ist er gesetzt und außerdem zum Chef für die Standards wie Ecken und Freistöße aufgestiegen. Die gestiegene Verantwortung empfindet der Instinkt-Fußballer aber nicht als Belastung. «Mir ist der Druck egal, den lasse ich gar nicht an mich ran. Ich will einfach nur Fußball spielen», sagte er nach seiner Gala-Vorstellung.

Dem Beobachter drängt sich dabei der Eindruck auf, es gebe zwei verschiedene Bastian Schweinsteiger, den Bayern-«Schweini» und den Nationalelf-«Schweini». Von der Bayern-Blockade ist im Trikot mit dem Adler auf der Brust nichts mehr zu sehen. «Er fühlt sich einfach wohl in der Nationalmannschaft», bemerkte Bayern-Präsident Beckenbauer.


Schweinsteiger zahlt den Zuspruch, den er von Klinsmann erhält, mit Tatendrang und starken Leistungen zurück. «Alle Spieler bekommen sehr viel Vertrauen, gerade die jungen», bemerkte Klinsmann, «aber sie müssen sich zerreißen.» Der Bundestrainer hat das während seiner gesamten Amtszeit getan; in 24 der 27 Länderspiele unter Klinsmann kam Dauerbrenner Schweinsteiger zum Einsatz.

Bei Felix Magath hat es der Jungstar deutlich schwieriger, auch, weil er in München in dem Brasilianer Zé Roberto starke Konkurrenz auf der linken Seite hatte. Hinzu kamen Probleme bei der Trennung von seinem Berater Roland Grahammer und die haltlose Anschuldigung, er sei in einen vermeintlichen Wettskandal verwickelt gewesen. «Das war nicht so leicht, aber das ist jetzt alles vorbei», bemerkte er.

Inzwischen verläuft Schweinsteigers Leben auf und neben dem Platz wieder in geordneten Bahnen. Kahns Manager Peter Ruppert ordnet nun auch seine Geschäfte, und sein Vereinskapitän ist sozusagen zum persönlichen Mentor geworden. «Ich habe Oliver alles zu verdanken», bemerkte Schweinsteiger: «Die WM kann kommen.» Der Hoffnungsträger im Mittelfeld ist startklar für die «Mission Titelgewinn», die für die deutsche Mannschaft am 9. Juni ausgerechnet in seinem Stadion beginnt: «Für mich wäre es das Größte, in München aufzulaufen.»

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