Neben Ballack setzte Schweinsteiger viele Akzente und war an den meisten guten Offensivaktionen beteiligt. Der Borussen-Park ist für den Münchner ein gutes Pflaster: Vor einem Jahr hatte er an gleicher Stätte beim 2:2 gegen Russland seine ersten beiden Länderspiel-Tore erzielt. Wesentlich effektiver als in der Vierer-Abwehrkette wie gegen Japan präsentierte sich Bernd Schneider im rechten Mittelfeld. Der von Arne Friedrich nach hinten abgeschirmte Leverkusener zeigte Übersicht und suchte auch selbst immer wieder den Abschluss. Damit scheint die Mannschaft ein System gefunden zu haben, das sich für das WM-Eröffnungsspiel geradezu aufdrängt. Nach der desolaten Vorstellung gegen die flinken Japaner wurde die Defensivabteilung von den Kolumbianern nur selten auf ihre WM-Tauglichkeit hin getestet. Mit Rückkehrer Philipp Lahm, der 16 Tage nach seiner Ellbogenoperation mit einer Armmanschette sein Comeback im DFB-Trikot feierte, konnte Klinsmann endlich wieder seine Abwehr- Wunschformation aufs Feld schicken. Der Münchner legte sich in den Zweikämpfen keine Zurückhaltung auf und unterstrich mit starker Leistung seine Anwartschaft auf den Stammplatz hinten links. Die von einem Sponsor vor Spielbeginn mit deutschen Trikots ausgestatteten Fans begeisterten sich an einem temperamentvollen Auftritt der WM-Gastgeber. Nach gerade einmal 108 Sekunden fehlten Schweinsteiger nur Zentimeter zur erhofften frühen Führung. Zum Abschluss einer spektakulären Ballstafette hatte der Münchner aus spitzem Winkel freie Schussbahn gehabt. Seine Stärke bei Standardsituationen spielte das Team beim 1:0 aus, als Ballack eine Freistoß-Flanke Schweinsteigers per Kopf verwertete. Beim zweiten Tor unterstrich Schweinsteiger, dass er die Bälle nicht nur gefühlvoll, sondern auch mit brachialer Gewalt schlagen kann. Miroslav Klose, der nach feinem Zuspiel von Lukas Podolski schon an Cordoba vorbei war, aber das leere Tor verfehlte (41.), und Podolski selbst aus spitzem Winkel (44.) verpassten vor der Pause die Chancen, den Vorsprung weiter auszubauen. Drei Tage nach ihrem 2:1-Sieg beim deutschen WM-Gegner Polen waren die Kolumbianer im zweiten Durchgang kaum mehr als ein Spielball für die deutsche Mannschaft, die sich lediglich durch Unkonzentriertheit im Abschluss um einen deutlich höheren Erfolg brachte. Der eingewechselte Bremer Borowski nutzte noch eine von mehreren guten Möglichkeiten und machte den höchsten deutschen Sieg im vierten Duell gegen die Südamerikaner perfekt.
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