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Abschalten im Kurzurlaub: Nur Trainer arbeiten

02.06.2006, 13:14 Uhr

Timo Hildebrand, David Odonkor und Lukas Podolski auf dem Flughafen in Düsseldorf.
Timo Hildebrand, David Odonkor und Lukas Podolski auf dem Flughafen in Düsseldorf.

Mönchengladbach/Berlin (dpa) - Beim Start in den letzten Kurzurlaub vor der «Mission Titelgewinn» erweist sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zumindest als Planungsweltmeister.

Nach dem Abpfiff der Generalprobe in Mönchengladbach gegen Kolumbien sollen Autos und Charterflieger für die 23 «Klinsmänner» mit laufendem Motor bereit stehen, um Michael Ballack und Co. heim zu den Familien zu bringen. Die deutschen Nationalspieler freuen sich nach 18 Tagen harter Vorbereitung auf 65 Stunden Freizeit bis zum Treffpunkt am Pfingstmontag in Berlin. «Körperlich sind die zwei Tage ganz wichtig. Man kann die Anstrengungen der letzten Wochen bei der Familie sacken lassen», sagt der Kapitän.

An ein totales Abschalten sei eine Woche vor dem Eröffnungsspiel am 9. Juni in München gegen Costa Rica allerdings nicht mehr zu denken. «Im Kopf ist man voll bei der WM. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich an etwas anderes denke», erklärt Ballack, der zu seiner Lebensgefährtin Simone und den drei Söhnen an der Starnberger See eilt. Mit ganz banalen Sorgen trittt «Heimschläfer» Per Mertesacker die Kurzreise zu Vater und Mutter nach Pattensen bei Hannover an. «Ich hoffe, dass Mutter meine Sachen wäscht und nicht sagt: Du kannst das auch mal alleine machen.»

Im Gegensatz zu den Spielern geht bei den DFB-Trainern die Arbeit weiter. In Wolfsburg soll der zweite Gruppengegner Polen im Testspiel gegen Kroatien unter die Lupe genommen werden. Möglicherweise wird dies Jürgen Klinsmann persönlich tun, bevor der Bundestrainer noch einmal für ein paar Stunden bei seiner Mutter in Stuttgart vorbei schaut. Assistent Joachim Löw will nach Freiburg, kündigte aber schon weitere berufliche Verpflichtungen in der Heimat an: «Ich werde mich noch einmal intensiv mit unserem Auftaktgegner Costa Rica beschäftigen.»

Am Pfingstmontag trifft sich die sportliche Leitung schon am Vormittag in der Hauptstadt, wo das Team im «Schlosshotel» im Grunewald Quartier beziehen wird, die Spieler müssen erst am Nachmittag erscheinen. Die 55 Zimmer sind komplett vom DFB-Tross belegt, die Nobelherberge wurde extra auf die Bedürfnisse der prominenten Fußball-Gäste eingerichtet. Im Garten wurden zur Freizeit-Gestaltung drei Zelte als «Lounges» aufgebaut, jeweils eines exklusiv für Spieler und Trainer. Klinsmann kann mit seinem Personal auch einen Konferenzraum im Freien nutzen, der mit allem elektronischen Equipment eingerichtet ist. «Trotz des Trubels in der Hauptstadt sind wir in einer ruhigen Ecke», sagte Bundestrainer Klinsmann.


Für die Fans wird es sehr schwierig, ihre Lieblinge im Grunewald zu Gesicht zu bekommen. Das «Schlosshotel» ist in das gesamte WM- Sicherheitskonzept der Hauptstadt einbezogen, Nationalmannschafts- Touristen werden schon einige Straßen vor dem Hotel freundlich am «Spieler-Gucken» gehindert. Der direkte Eintritt in die Herberge ist ohnehin nur dem engsten DFB-Stab erlaubt. Um alle WM-Objekte einschließlich der öffentlichen Fan-Treffpunkte gibt es Sicherheitszonen. Der Personalaufwand dafür wurde nach dem Amoklauf eines Messerstechers bei der Einweihung des neuen Berliner Hauptbahnhofs noch erhöht. Eine absolute Sicherheit kann es zwar auch bei der WM nicht geben. «Trotzdem müssen wir alles Menschenmögliche tun», erklärte Berlins Innensenator Erhard Körting.

Die WM-Stimmung in der Hauptstadt steigt trotz der Sicherheits- Debatten von Stunde zu Stunde, Berlin freut sich besonders auf das Klinsmann-Team. Die großen Boulevards sind festlich geschmückt. Auch vor dem ICC, wo der DFB zur Mittagszeit seine tägliche offizielle Pressekonferenz veranstaltet, wehen die FIFA-Flagge und die Fahnen aller WM-Teilnehmer. Am Mittag soll Bundestrainer Klinsmann erstmals vor bis zu 600 Journalisten zur Lage der Fußball-Nation sprechen. «Die Spannung nimmt natürlich von Tag zu Tag zu», erklärte der 41-Jährige, der in den Tagen von Berlin noch mehr im Mittelpunkt stehen wird als bisher.

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