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Blatter: «Es kribbelt bei mir richtig»

München (dpa) - 02.06.2006, 12:20 Uhr

FIFA-Präsident Sepp Blatter in Berlin.
FIFA-Präsident Sepp Blatter in Berlin.

Eine Woche vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland steigt die Vorfreude und Spannung auch bei FIFA-Präsident Joseph Blatter. In einem Interview mit der dpa spricht er über das Jahrhundertereignis.

dpa: Welchen Eindruck haben Sie vom Stand der Organisation?

Blatter: «Alles ist gut vorbereitet. Vielleicht müssen noch ein paar Handgriffe gemacht und ein paar Blumentöpfe aufgestellt werden, mehr nicht. Kompliment für die deutschen Organisatoren. Ich spüre nicht nur eine Vorfreue, es kribbelt bei mir richtig. Es wird Zeit, dass der Ball endlich rollt.»

dpa: Allerdings erweist sich der Ticket-Verkauf erneut als heikles Thema, das bis zum WM-Anpfiff und möglicherweise darüber hinaus ein Problem sein wird. Wie beurteilen Sie das Ticketing dieser WM?

Blatter: «Es ist schon etwas heikel, hat aber auch mit der Sicherheit zu tun. Wenn man Sicherheit über alles stellt, dann muss man auch die Konsequenzen tragen. Dann hat man ein System, das für den Normalverbraucher undurchschaubar ist.»


dpa: Aufregung gab es zuletzt um die VIP-Karten, die zum großen Teil über die Schweizer Agentur ISE verkauft wurden und auf denen der Namen des Inhabers fehlen...

Blatter: «Vor einer Woche gab es eine Sitzung zwischen den Organisatoren und ISE. Und man hat mir gesagt, dass alles okay ist.»

dpa: Die FIFA will das Ticketing zukünftig wieder in eigener Regie übernehmen!

Blatter: «Für die WM 2010 in Südafrika ist das schon beschlossen. Wir übernehmen Organisation und Verkauf.»

dpa: Was erwarten Sie von der zweiten WM in Deutschland nach 1974 in sportlicher Hinsicht?

Blatter: «Sportlich hat sich der Fußball in den letzten 32 Jahren enorm entwickelt. Es gibt zwar noch technisch gute Spieler, die aber nicht mehr Alleinunterhalter sein können. Inzwischen wird totaler Fußball mit fünf Angreifern und fünf Verteidigern gespielt. Ich erwarte nicht nur deshalb eine Super-WM, weil im Gegensatz zur WM 2002 die Spieler ausgeruht und hungrig sind.»

dpa: Vor vier Jahren haben Sie die Schiedsrichter kritisiert. Sind bei dieser WM bessere Leistungen der Referees zu erwarten?

Blatter: «Ich habe die Schiedsrichter 2002 sehr kritisiert. Danach haben wir die Referee-Kommission total umgebaut und lassen seit 2003 Schiedsrichter-Trios zusammenarbeiten. Mit 46 Teams haben wir angefangen, 21 sind übrig geblieben. Durch diese Auswahl und zahlreiche Tests ist die Qualität gestiegen. Dennoch: Toi, toi, toi, dass es gut geht.»

dpa: Wie wichtig ist das Anschneiden der deutschen Nationalelf für die WM? Und: Drücken Sie den Klinsmann-Mannschaft die Daumen, dass sie die Vorrunde übersteht?

Blatter: «Ich weiß nicht, ob ihr die Daumen drücken muss. Ich bin überzeugt, dass sie genug Kraft und Qualität hat, weiter zu kommen. Für das Ambiente der WM ist ein gutes Abschneiden der Gastgeber sehr wichtig, dies konnte man bei der WM 2002 vor allem in Südkorea sehen.»

dpa: Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte Anfang Mai den Markenschutz für die Marke «Fußball WM 2006» in einem Urteil komplett abgelehnt. Wie enttäuschend war diese Entscheidung für die FIFA und welche Auswirkungen hat sie gehabt?

Blatter: «Wir sind enttäuscht, aber nicht so sehr, weil das Urteil kurz vor der WM kam. Wenn man ein Marketingprogramm hat, möchte man es auch geschützt haben. Dies wird zukünftig bei der Vergabe der WM eine Rolle spielen. In Südafrika wird es kein Problem. Unsere Sponsoren haben sich sehr fair verhalten, Rückforderungen gab es nicht. In Deutschland muss man sich aber Gedanken machen, wie man dies regeln will, wenn man sich für weitere große Events bewirbt.»

dpa: Die FIFA hat die geplante große WM-Eröffnungsfeier abgesagt. War die Entscheidung korrekt?

Blatter: «In die Eröffnungsfeier sind wir damals in einem gewissen Tempo reingerutscht - und wir waren mit Feuer und Flamme dabei. Doch dass man die FIFA bei der Absage allein in die Verantwortung hineingezwängt und mit dem Deckel auf den Kopf gehauen hat, war nicht fair. Es ist die richtige Entscheidung gewesen, weil Fußballer Fußball sehen wollen und keine Show.»

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